Exportindustrie
Starker Franken behindert die Exporte

Bei den Solothurner Unternhemen macht sich Ernüchterung breit. Sie leiden unter dem starken Franken. Besserung ist nicht in Sicht.

Andreas Toggweiler
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Solothurner Zeitung

Nie war es für Schweizer so günstig, im Ausland einzukaufen und Ferien zu machen. Was die Touristen in den Herbstferien freute, bereitet der produzierenden Wirtschaft Kopfzerbrechen. Denn wenn sie den Ertrag von im Ausland verkauften Produkten in die Landeswährung umrechnet, kommt die grosse Ernüchterung. «Wir würden im laufenden Geschäftsjahr einen Rekord schreiben, wenn der Eurokurs bei 1.50 Fr. liegen würde», sagt Meinrad Kofmel, Mediensprecher der Kaffeemaschinenherstellerin Jura in Niederbuchsiten. Doch der Wechselkurs liegt gegenwärtig bei. 1,33 Franken. Er erodiert schon seit 30 Monaten mehr oder weniger kontinuierlich. Dieselbe Entwicklung setzte beim US-Dollar ein, der noch 96 Rappen wert ist.

«Diese Entwicklung frisst uns den Cashflow weg», erklärt Kofmel. Denn Jura verkauft zwei Drittel ihrer Produkte im Euro-Raum. Sorgen macht sich auch Alex Naef, CEO der Carrosserie Hess AG in Bellach, die ebenfalls einen Grossteil ihrer Busse ins Ausland verkauft. «Die Situation ist für uns gar nicht gut. Unsere Marge im Ausland leidet und gleichzeitig werden die Produkte von ausländischen Konkurrenten in der Schweiz billiger», erklärt Naef.

Adrian Flury, Bahntechnik-Unternehmer und Präsident des Industrieverbandes Solothurn und Umgebung, schaut ebenfalls mit leichten Sorgen in die Zukunft. «Bis zu einem Eurokurs von 1,40 Franken konnten wir unsere Preise noch halten, weil unsere Produkte gefragt sind und die Konditionen vorgängig vertraglich geregelt wurden. Die Preisverhandlungen für nächstes Jahr werden aber sehr schwierig werden.»

Wenig Handlungsspielraum

Die exportorientierten KMU haben wenig Möglichkeiten, auf die Situation zu reagieren. Eine Möglichkeit ist, mehr Teile im Ausland einzukaufen, denn diese werden billiger. «Darunter leiden aber lokale Lieferanten», räumt Naef ein: Der Druck wird an die Zulieferer weitergegeben. In manchen Fällen können auch Lieferungen aus dem Ausland mit Erträgen aus Auslandsverkäufen bezahlt werden. Dieses so genannte «natürliche Hedging« erfordert aber eine gute Liquiditätsplanung und ist wegen nicht kongruenter Fristen nicht immer möglich.

Die Solothurner Typ AG, welche Gummiwalzen herstellt, die beispielsweise in Geldautomaten eingesetzt werden, macht ebenfalls von dieser Möglichkeit Gebrauch. «Unser Vorteil ist, dass wir weltweit einkaufen und mit unseren Zuliefer- und Rohstofflieferanten in engem Kontakt stehen. So müssen wir die Euros und Dollars nicht wechseln, da die Zahlungen in den beiden Währungen erfolgen können», sagt Kurt Füeg, Geschäftsführer und Verwaltungsratspräsident der Typ AG. Generell spüre die Firma die Währungsschwankungen noch nicht so stark, da langfristige Verträge bestehen. «Selbstverständlich sind die Diskussionen mit unseren Kunden betreffendeiner gewünschten Reduktion im Bereich von 10–12% aufgrund derWährung im Gange», meint aber Füeg weiter. Die Firma fakturiert in Franken. Und schliesslich gebe es auch immer wieder Ideen des Personals, wie Kosten gespart werden können, z.B. durch Sammelbestellungen oder Energiesparmassnahmen. «Jetzt müssten nur noch die Behörden reagieren und die KMU nicht immer mehr mit Administration belasten», meint Füeg.

Eine weitere Möglichkeit ist, das Wechselkursrisiko bei den Banken zu versichern. Dies lohnt sich für KMU nicht immer und ist heute nur noch sinnvoll, wenn mit einer weiteren markanten Abschwächung von Euro und Dollar gerechnet wird.

Outsourcing oder Abwanderung

«Wenn der Währungsdruck weiter so anhält, müssen wir uns schon überlegen, ob wir hier noch am richtigen Ort sind», wird Alex Naef deutlich. Die Unternehmen wären dann gezwungen, grosse Teile der Wertschöpfung ins Ausland zu verlagern.

Bei Jura drohe diese Gefahr laut Meinrad Kofmel nicht unmittelbar, denn im Gäu befinden sich neben dem Firmenhauptsitz die Forschungs- und Entwicklungsabteilung, Marketing und Vertrieb und der Geräteservice. Die Produktion ist heute schon ausgelagert. «Jedes Unternehmen mit bedeutendem Auslandumsatz muss sich angesichts der aktuellen Wechselkurssituation Gedanken machen über Outsourcing-Möglichkeiten», meint Kofmel. Auch bei Jura wären dies Lieferanten und Unterlieferanten, die ihrerseits die Produktion ins Ausland verlagern.

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