Stadtbummel
Per pedes contra per pedales

Weiss noch irgendjemand, dass der Platz hinter der Rythalle «Schanzenplatz» heisst? «Impfplatz» wäre derzeit passender. Und die bestens verampelte Baustelle? Die ist der absolute IQ-Test für Verkehrsteilnehmende aller Gattung.

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Der Solothurner Märet.

Der Solothurner Märet.

Michel Lüthi

Nein, es sind noch keine aufgetaucht. Leute mit hautfarbenen Masken ohne Masken. Dafür braucht es schon mehr als einen Sommertag. So Mitte Juni dürfte es die ersten geben. Gebräunte Badigäste mit dem weissen Rechteck in der unteren Gesichtshälfte. Wir sind gespannt. Die Männer jedenfalls lassen sich vorsichtshalber schon mal Bärte wachsen.

Die einzige Sommernacht bisher hat uns eine schöne Bescherung gebracht. Der Potzplatz wurde verwüstet. Eine warme Nacht, Alkohol und Frust. In Deutschland wäre das nicht passiert. Mit unserer Siebentage-Inzidenz von 130,6 Fällen auf 100'000 Leute wäre ab 21 Uhr an der Aare alles dicht gewesen. Ausgangssperre, Notbremse, basta!

Doch zum Glück liegt Solothurn in der Schweiz. Auch wenn zerdeppertes Mobiliar und demolierte Pflanzkübel ein Ärgernis sind – wir dürfen nach Sonnenuntergang noch raus. Sonnenuntergang? Kennen wir derzeit nicht. Die geht ja morgens gar nicht mehr auf.

«Schanzenplatz»? «Impfplatz» wäre derzeit passender

Weiss noch irgendjemand, dass der Platz hinter der Rythalle «Schanzenplatz» heisst? «Impfplatz» wäre derzeit passender. Zumal ja jetzt endlich auch am Samstag gestochen wird, was das Zeug hält. Dort, wo sonst um diese Jahreszeit Bier- und Bike-Days gewesen wären. Bier gibt’s allmählich wieder, und die Bikes sind ohnehin allgegenwärtig. Auch auf dem proppenvollen Samstagsmäret werden sie universell eingesetzt. Als Rollator, Einkaufs- und Kinderwägeli zugleich machen sie den Stossverkehr zwischen den Märetständen erst recht stossend. Unser allgegenwärtiger Konflikt zwischen per pedes und per pedales.

Bestens zu beobachten aktuell an der St. Niklausstrasse. Noch tief bis in die Sommerferien soll das lange Strässle eine Dauerlochete bleiben. So die Auskunft der Regio Energie Solothurn, auch wenn ihr Chef mittlerweile in Pension gegangen ist. Die bestens verampelte Baustelle ist der absolute IQ-Test für Verkehrsteilnehmende aller Gattung: Motor abstellen bei Rot? Bei Gelbblinken warten, bis es (niemals) Grün wird? Oder die Ausfahrt für Anwohner freihalten? Tägliche (Über)lebensfragen. Die Velofahrenden zumindest sind sehr entgegenkommend und weichen auf das Trottoir aus. Dieses heisst so, weil der Fussgänger dort der Trottel ist. Oder kommt der Begriff von Trottinett?

Ach, wären wir doch in Deutschland: Dort nennt man das Trottoir noch Gehsteig. Ist aber nicht relevant. Denn dort heisst es auch weiterhin: Bleiben Sie zuhause!