Keine Festwirtschaft, keine Outdoor-Bühne beim Blumenstein: Das nasskalte Wetter verhinderte den Auftritt des Ensembles Klezmer Pauwau auf der Freilichtbühne im Höfli, nicht jedoch einen feurigen Konzertabend im roten Salon.

Einheizende Rhythmen hielten die Besucher kaum auf den Stühlen, brachten Beine zum Schwingen, Schultern zum Wippen, Zuhörende zum Strahlen und auch zum Schwitzen. Zumal Fred Singer, Viktor Pantiouchenko und Ivan Nestic Klezmer fernab von Mainstream spielen, den Bogen zwischen Gestern und Heute spannen: Jubel und Trauer, Not und Überschwang, Sehnsucht und Erfüllung, Tragik und Komik – das ganze Leben, zusammengerafft im Mikrokosmos von Klarinette, Akkordeon und Bass.

Das Trio brachte Musik aus dem Schtetl osteuropäischer Juden ins Blumenstein, passte das Open-AirProgramm dem Indoor-Konzert an, kredenzte neben rassigen Tänzen auch leise-melancholische Stücke. Wie die meisten Lieder sang Fred Singer «Vu iz dus gessele» in Jiddisch.

Der Sprache der askenasischen Juden, die in weiten teilen Europas gesprochen wurde und von Nachfahren noch immer gesprochen wird. Die elegischen Anfangstakte pfiffen Viktor Pantiouchenko und Fred Singer, bevor das Bajan einsetzte, Klarinette und Singstimme wechselten und Ivan Nestic den Kontrabass zupfte.

Heimatliche Gefühle

Drei in der Klassik verwurzelte Virtuosen, deren Herzen für Klezmer schlagen. «Natürlich hätten wir gerne im Freien konzertiert. Doch als klassisch ausgebildete Musiker arbeiten wir nicht nur am Ton, sondern auch am Raum. Hier und heute ist der Blumenstein-Salon wie ein eigenes Instrument, beides verschmilzt zu einem Klang, und die unmittelbare Nähe zu den Zuhörenden lässt uns Teil eines Ganzen werden», meinte Fred Singer.

So wie Viktor Pantiouchenko das Publikum zum Schmunzeln anregte, als er mit dem russischen Volkslied «Valenki» die Vorzüge von Winterstiefeln besang. Zum Staunen brachte er es mit der Meisterschaft, mit der er dem Bajan rasante Klangkaskaden entlockte. «Die Lieder aus Russland, vor allem die Melodien von Leonid Utesov, erinnerten mich an mein Geburtsland. Sie in meiner Wahlheimat von drei famosen Musikern so mitreissend interpretiert zu hören, hat mich tief bewegt», lobte die in Oberdorf lebende Geigerin Maria Solozobova.

Stadtsolothurnerin Franziska Leuppi schwärmte: «Auch wenn ich Open-Air-Feeling mag, der «Indoor-Zauber» dieser Musik packte und begeisterte mich. Klezmer entführt in eine andere Welt. Ich bereiste Länder, fühlte in der Musik, wie die Menschen ausgelassen feiern, aber auch wie sie trauern.» Sie habe kaum still sitzen können und hätte am liebsten laut mitgesungen, fügte sie an.

Mit dem Reichtum an Klangfarben und Nuancen erzeugte das Ensemble Klezmer Pauwau eine von Intensität und Spielfreude geprägte Atmosphäre, wie sie der Titel «Hava Nagila» («Lasst uns glücklich sein»), auf den Punkt brachte. Die Musiker fächerten die Dynamik-Palette auf, jauchzten mit den Instrumenten, klagten, sangen, tanzten und feierten. Das pralle Leben, eingepackt in sinnliche Musik, die weder Nachthimmel noch Festwirtschaft braucht, sondern überall direkt ins Herz und in die Beine zielt.