Solothurn
Zwei «Töfflibuebe» umrunden drei Seen

Warum zwei Solothurner Oberstufen-Schüler auf ihre Zweitakter schwören.

Fatma Kammer
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Levent Selman und Christopher Reichhart fuhren mit ihren Ciaos über 400 Kilometer weit um drei Seen.

Levent Selman und Christopher Reichhart fuhren mit ihren Ciaos über 400 Kilometer weit um drei Seen.

Marc Henzi

Auslaufmodell oder Kult? Am «Töffli« oder amtlich Motorfahrrad scheiden sich die Geister. Nicht für zwei Schüler aus der Oberstufe. Sie umfuhren als Abschlussprojekt auf ihren Zweitaktmotoren drei Seen.

«Gang nid mit de Töfflibuebe» singt Kunz in seinem aktuellen Musikalbum. Mag sein, dass zu Schulzeiten des Mundartsängers die Mofafahrer die bösen Jungs waren. Heute, ein paar Jahre später, sind die Rollenverteilungen nicht mehr so klar und die «Töfflibuebe» im Schulhof in der Minderheit. So wie die Schüler Christopher Reichhart und Levent Selman.

Sie besuchen die dritte Klasse der Sek I in Solothurn und gehören zu den 10 Prozent, die in der städtischen Oberstufe ein Mofa besitzen. Der Zweitaktmotor ist ihr ständiger Begleiter sogar im Unterricht. «Als Abschlussprojekt haben wir drei Seen mit unseren Mofas umfahren», erzählen sie stolz.

400 Kilometer am Gasgriff

Ende Februar umfuhren sie den Bielersee. Mitte März war der Hallwilersee dran und letzten Freitag ging die Fahrt um den Murtensee. Insgesamt fuhren sie über 400 Kilometer. Levent erzählt begeistert: «Wir hatten ziemlich grossen Spass und haben viele schöne Orte gesehen.» Die erste Seeumfahrung in Biel sei beeindruckend gewesen. Die jungen Männer fuhren den ganzen Nachmittag bis nach Erlach und wollten in einem Zelt übernachten.

Doch die Kälte setzte ihnen zu und sie entschieden sich für eine Heimfahrt in der Nacht. «Die Lichter am anderen Seeufer waren wunderschön», schwärmt Levent. Ihr Projekt sei jedoch nicht nur positiv gewesen. Die Planung der Routen seien ermüdend gewesen. Auch die Fahrten waren nicht nur schön. «Es war anstrengend. Nach den Fahrten schmerzte uns der Rücken und der Po», erinnert sich Christopher. Es sei auch mühsam gewesen, mit geringem Tempo unterwegs gewesen zu sein.

Gefährliches «Frisieren»

Das Tempo der Mofas beschäftigt auch die Polizei. «Uns kommen immer wieder frisierte Fahrzeuge unter die Hände», sagt Konrad Müller, Dienstchef Verkehrsinstruktion der Stadtpolizei Solothurn. Rein vom mechanischen Aspekt sei es wünschenswert, wenn sich Jugendliche mit Motoren beschäftigten. Christopher zum Beispiel könne alle Reparaturen an seinem Ciao selbst machen.

Auch Levent vertraut ihm sein Mofa an, wenn was am Motor nicht stimmt. Der angehende Automobilfachmann Christopher verdankt seinem Wissen die Lehrstellenzusage in einer renommierten Garage in der Region. «Wenn der Motor aber verändert wird, um hohe Geschwindigkeiten zu erreichen, kann das sehr gefährlich werden», erklärt Konrad Müller. Die Rahmen, Bremsen und die Räder von Mofas seien nicht für ein hohes Tempo ausgelegt.

«Töffli» beliebter als Roller

Anders als bei Rollern, die zwar schneller fahren würden als Mofas, aber trotzdem sicherer seien. «Diese Fahrzeuge sind konzipiert, um ein hohes Tempo zu erreichen», so der Stadtpolizist. Seitdem Rollerfahrer 60 km/h auf dem Tacho haben dürfen, seien sie im urbanen Strassenverkehr auch kein Hindernis mehr. Christopher, der bereits 16 Jahre alt ist und die Rollerprüfung machen könnte, lässt sich damit nicht beeindrucken.

Damit ist er nicht alleine. 2016 waren im Kanton 1630 Roller, so genannte Kleinmotorräder, in der MFK registriert. Die Anzahl der aufgeführten Mofas ist mit 6062 deutlich höher. Für die Stadt Solothurn zeigt die MFK-Statistik ein ähnliches Bild. Mofas zählen mit 141 Einträgen fast drei Mal so viel wie Roller. «Ich fahre lieber mit meinem coolen Ciao statt mit einem Roller und nehme das Tempo in Kauf», so Christopher. Einmal «Töfflibueb» immer «Töfflibueb», zumindest bis zur Autoprüfung.