Solothurner auf Weltreise
Zwei Solothurner fahren mit dem Segelboot rund um die Welt

Der Solothurner Ken Käch und seine Partnerin Nina Schmid haben sich einen Traum erfüllt und sind heute vor einem Jahr zu einer Segel-Weltreise losgezogen. Ein Unterfangen, welches sie bis heute nicht bereut haben.

Andreas Kaufmann
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Das Strandballett
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Am Palmenstrand
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Unterwegs zu neuen Zielen
Tina Schmid grüsst von Lissabonn aus
Zwei Solothurner Segeln um die Welt
Hoch über den Klippen
Die Makaio ist auf hoher See flott unterwergs
Ab zum Tauchen

Das Strandballett

Zur Verfügung gestellt

Es ist ein Traum für viele: In See stechen und dem Alltag an Land für Monate, Jahre zum Abschied winken. Wenn nur das Wörtchen «wenn» nicht wäre, das einem auf Sicherheit und Schutz bedachten Durchschnitts-Westeuropäer auf der Zunge liegt: Wenn man nur nicht der Gefahr von meterhohen Wellen ausgesetzt wäre.

Wenn nicht Übelkeit und Sonnenbrand die – leider – treusten Bootsgefährten wären. Wenn man sich nicht vom trauten Heim, vom Beruf, den Freunden, dem Komfort und letztlich auch dem Gefühl der Sicherheit verabschieden müsste.

Das Wörtchen «wenn» haben der Solothurner Ken Käch und seine Lebenspartnerin Nina Schmid heute vor einem Jahr, am 10. Juli 2013, im wahrsten Sinne über Bord geworfen, sind ohne Zögern losgesegelt und haben es bis heute nicht bereut.

Mit der Planung ihrer Segel-Weltreise haben sie aber schon vor vier Jahren begonnen. Dazu gehörte eine intensive Suche nach einem geeigneten Segelboot, viele Stunden Arbeit, um das künftige mobile Zuhause seetüchtig und auch wohnlich zu machen.

Uralte Technik musste durch zeitgemässe ersetzt werden, die sicherheitstechnischen Herausforderungen mit Rettungsinseln und Schwimmwesten war zu meistern, und zu guter letzt folgte die Expertise durch das Schweizer Seefahrtsamt, die ihr Zehn-Meter-Segelschiff dann aber problemlos passierte.

«Dem Meer entgegen»

Im Juli 2013 dann stach die «Makaio» nach einer obligaten «Schämpis»-Taufe vom holländischen Ijsselmeer aus in See - verbunden mit dem seemännischen Wunsch, immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel zu haben.

Ein «Gutsch» geht ans Schiff, einer an die Seefahrer und ein weiterer an die Meeresgötter, die es gnädig zu stimmen gilt: «Wir wollten mit idealen Wetterbedingungen in die Reise einsteigen, denn das schlechte Wetter kommt früh genug», machte sich Ken Käch keine Illusionen.

Tatsächlich aber bescherte der Klabautermann den beiden Hochseeseglern einen sanften Einstieg, «dem Meer entgegen», was gleichzeitig die deutsche Übersetzung des polynesischen Wortes «Makai» ist.

Gerade die Meerenge von Calais und Dover gilt als eine der verkehrsreichsten Wasserstrassen der Welt. Dennoch: «Sogar die gefürchtete Biskaya haben wir in drei Tagen bei schönstem Wetter durchquert – begleitet von Delfinen.»

Gespenstisch sei es dann im dicken Nebel mit Sicht unter zehn Metern am spanischen Cap Finisterre geworden, erzählt Käch aus den ersten Wochen ihres Abenteuers. Auf den Kapverdischen Inseln holten die beiden Anlauf, um mit ihrem Schiff den Atlantik zu durchsegeln. Im Dezember erreichten Ken Käch und Nina Schmid Surinam und über den Jahreswechsel meisterten sie die grosse, stürmische Hürde des Atlantiks.

Geschützt vor dem Hurrikan

Im Januar hiess es «Land in Sicht», als die «Makaio» am Tor zum Golf von Mexiko in Tobago ankam, um von dort aus bis nach Antigua und zurück an mehreren Stränden Anker zu setzen.

Zurzeit arbeiten die beiden Schweizer «hoch zu Ross» – auf einer Rinderfarm sieben Autostunden nördlich von Rio – «als brasilianische Cowboys», wie Käch verrät. Derweil liegt die «Makaio» im Hafen, geschützt von der Hurrikan-Saison, die das Segeln zur mehr als ungemütlichen Angelegenheit machen kann.

Neben der Arbeit lassen sich die beiden aber auch vom gegenwärtigen WM-Fieber anstecken. «Wenn Brasilien spielt, dann hat das ganze Land Ferien. Und dann ist die Stimmung auch ausserhalb der Stadien ein Erlebnis.» Was Käch da noch nicht wusste: der fussballerische Weltuntergang gegen Deutschland stand erst bevor.

Eine gemeinsame Leidenschaft

«Schon als kleinen Bub brachten mich meine Eltern bei einem Hafenbesuch kaum wieder von diesem Ort weg», erinnert sich Ken Käch heute. Der Traum der grossen Seefahrt hat ihn schon im Alter von 17 Jahren gepackt. Nach dem Gitarrenstudium in Luzern wollte er «etwas von der Welt sehen, ohne das Segeln als Extremerfahrung zu erleben.»

Nina Schmid stammt aus Kriens und hat ihrerseits schon von Kindsbeinen an auf dem Segelschiff ihres Vaters über den Vierwaldstättersee geblickt: «Doch die Salzluft lockt mich erst, seit ich Ken kennen gelernt habe», erzählt sie.

Gerade seine Schwärmereien haben sie angesteckt. Bücher über Weltumsegler haben den Ruf der Ferne noch lauter werden lassen. Und so wuchs mit der Liebe auch die gemeinsame Leidenschaft für die sieben Weltmeere. Ansonsten erklimmen die Kindergärtnerin und der Primar- und Gitarrenlehrer gerne auch Berggipfel.

Badehose vs. Unwetter im Anzug

Segeln ist für die beiden Abenteuerlustigen eine Erfahrung zwischen dem entspannten Sonnentanken in Badehose und den Herausforderungen der rauen See. Während man sich im einen Moment im wahrsten Sinne treiben lassen kann, ist im nächsten Moment ein kühler Kopf gefragt.

So, wenn sich ein Unwetter zusammenbraut und schnelles Handeln nötig ist. Und dann gibt es die Arbeit, die bald einmal so alltäglich anmutet wie die Ämtli, die man auch im Alltag auf festem Boden kennt.

Den Mast auf Schäden hin untersuchen, Risse im Segel aufspüren, den Dieselmotor (der lediglich in Notfällen zum Einsatz kommt) kontrollieren, aber auch Fische fangen, kochen und waschen. Gelegentlich kriegen sie auch von örtlichen Fischern einen Fang – im Gegenzug zu einem Schnäpsli. Frisches Gemüse gibts auf Märkten, wenn man an Land geht. Und damit an Bord nicht wie zu altvorderen Zeiten der gefürchtete Skorbut ausbricht, gibts Vitaminbonbons.

Mit Freunden an Bord

Für die Ordnung an Bord haben die beiden - wie es sich für eine Seglercrew gehört, ihre persönliche Arbeitsteilung festgelegt. «Nina kümmert sich um das Organisatorische, die Finanzen und auch die Homepage, während ich zum Einsatz komme, wenn es etwas zu flicken gibt», sagt Ken Käch, der aus Erfahrung zudem auch für die seglerischen Aspekte verantwortlich ist.

Und dann ist da noch das «Hilfspersonal», das von Zeit zu Zeit zusteigt: Fischliebhaber, furchtlos und unbeeindruckt von hohen Wellen, so das ideale Matrosenprofil, das die beiden auf der Homepage beschreiben.

Es sind dies Freunde der beiden, die sie auf einem Teilstück ihrer Reise begleiten, oder solche, die zu Freunden geworden sind. Auch Musikinstrumente seien für gelegentliche Jams willkommen, ergänzt Käch («für die Live-Musik an Bord zuständig»).

Da unterscheidet sich das Projekt wohl nur wenig von den abenteuerlichen Segelreisen des Liedermachers Peter Reber: Musik ist auch auf der «Makaio» integraler Bestandteil. «Wenn es windstill ist, versuche ich Äolus zu beeinflussen, uns Winde zu schicken», meint Käch. Aber meistens gehe es schon um die Live-Musik an Bord – oder um Gitarrenunterricht, die er anderen Seglern erteile.

Delfine und glühendes Plankton

Und so machen weder er noch Nina Schmid einen Hehl daraus, dass neben allen Herausforderungen des Matrosendaseins auch immer viel Genuss mitreist – sowohl an Bord als auch bei den Ausflügen an Land, die sie zum Teil auf dem Velo bestreiten.

Neue Kulturen, Menschen, Dörfer kennenlernen, Sonnenauf- und -untergänge erleben, dem Tanz der Delfine ums Boot zuschauen, nachts den klaren Sternenhimmel fernab von jeder künstlichen Lichtquelle bewundern oder nach lumineszierendem Plankton Ausschau halten.

Natürlich bleiben auch die bangen Augenblicke in Erinnerung: Allein die Distanz vom Festland kann selbst einem erfahrenen Segler wie Käch schon mal kalte Füsse bereiten. Untiefen und Unwetter zählen zu den Gefahren, die man sich stets vergegenwärtigen muss.

Genauso wie stark befahrene Seestrassen wie der Ärmelkanal. Auch gibts Meeresgebiete zwischen Surinam und Tobago, in denen es von Piraten wimmelt. «Man kann sich jedoch gut vorinformieren und solche Zonen umschiffen», weiss Käch. «Es gibt wohl tausende weitere Gefahren, aber wenn ich jetzt alle aufzähle, kehre ich womöglich sofort zurück an Land.»

Doch Angst im eigentlichen Sinne haben die beiden nicht: «Es braucht eher eine gehörige Portion Respekt...» Zu guterletzt überwiegt in dieser Wildnis zu Wasser der Zauber des Augenblicks und die Vorfreude auf die nächste Station: «Das Schönste ist jeweils, in einem neuen Hafen anzukommen, zu wissen, dass man seine Etappenziele erreicht hat.»