Classionata

Zwei Musik-Temperamente begeistern im vollen Solothurner Konzertsaal

Violinistin Fanny Clamagirand und Dirigent Andreas Spörri erobern Solothurn beim Sinfoniekonzert zur Lancierung des Festivals.

Der Solothurner Konzertsaal war am vergangenen Freitagabend fast bis auf den letzten Platz gefüllt. Das Sinfoniekonzert zur Lancierung der Classionata Solothurn im kommenden April 2019 stand auf der Affiche. Für den Dirigenten und Intendanten des Musikfestivals Andreas Spörri sowie für das Festivalorchester, die 60-köpfigen Münchner Symphoniker, war es der erste Auftritt in Solothurn. Es war Spörris Absicht, mit diesem Konzert dem Publikum die ganze Bandbreite von Orchester und Dirigent vorzustellen, und man kann festhalten: Dies ist ihm gelungen.

Eröffnet wurde der Konzertabend mit Beethovens Egmont-Ouvertüre op.84. Beethovens Schauspielmusik entstand ab September 1809 im Auftrag des Burgtheaters Wien und wurde am 15. Juni 1810 dort anlässlich einer Inszenierung von Goethes Drama Egmont uraufgeführt. Das Werk geht über die damals übliche Theatermusik hinaus und wird heute daher als eigenständiges Musikstück im Konzertsaal aufgeführt. Spörri trieb das Orchester hier kraftvoll an. Die ergreifende Dramatik dieses Werks kam beim Publikum an.

Sensibilität trifft auf Dynamik

Für das Violinkonzert e-Moll op. 64 von Felix Mendelssohn Bartholdy betrat die französische Violinistin Fanny Clamagirand die Bühne. Die 34-jährige Geigerin begann bereits mit sieben Jahren Violine zu spielen. Schnell wurde ihr Talent erkannt, und sie wurde besonders von Wladimir Spivakov und Anne-Sophie Mutter gefördert. Heute gilt sie als eine der besten Geigerinnen ihrer Generation. Sie ist regelmässig zu Gast in allen Konzerthäusern der Welt und tritt bei internationalen Festivals auf. Ihre oft zitierte Eleganz und das Strahlen in ihrem Spiel konnte nun auch das Solothurner Publikum geniessen. Mit ihrer Interpretation von Mendelssohns Musik bewies sie ihre grosse Sensibilität. Ihr Spiel auf ihrer Goffriller-Geige aus dem Jahr 1700 war zart, bisweilen auch ganz fein, und so musste sich der Dirigent Mühe geben, dass die leisen Töne von der Dynamik des Orchesters nicht überhört wurden. Clamagirand spielte mit einer Ernsthaftigkeit und Brillanz, dass das Publikum mit stehenden Ovationen eine Zugabe verlangte. Mit einer strahlenden Partita Nr. 3 von Johann Sebastian Bach verabschiedete sie sich.

Bravo-Rufe zum Schluss

Nach der Pause stand noch einmal der Frühromantiker Mendelssohn Bartholdy auf dem Programm. Die Sinfonie Nr. 3 a-Moll, die Schottische, entführte tatsächlich ins Land der Hochmoore, des Nebels und der geheimnisvollen Burgruinen. Hier verbanden sich nun die musikalischen Temperamente von Dirigent und Orchester ideal. Herrliche Bläser, strahlende Violinen und unbeirrbare Bässe – dazu Spörris fast tänzerisches Dirigat. Als Zugabe war Brahms Ungarischer Tanz Nr. 1 zu hören; ein Stück, für das sich das Publikum zum Schluss zu Bravo-Rufen hinreissen liess.

Die Konzertbesucher, von welchen etliche aus dem Thal mit dabei waren - das Classionata-Festival fand von 1997 bis 2017 in Mümliswil statt – sind musikalisch voll auf ihre Kosten gekommen. Ein gelungenes musikalisches «Amuse-Bouche», welches die Classionata-Verantwortlichen darbieten konnten. Man darf auf den «Hauptgang» im April gespannt sein.

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