Solothurn
Zwei Künstlerinnen nähern sich in Form und Farbe

In der Galerie 9 in Solothurn begegnen sich mit Gergana Mantschev und Dimitra Charamanda zwei Künstlerinnen, welche diverse Gemeinsamkeiten aufweisen. Die Erinnerungen an ihre Herkunft spielen in den Werken eine wichtige Rolle.

Eva Buhrfeind
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Dimitra Charamanda: Eindeutiges löst sich ins Vage auf.

Dimitra Charamanda: Eindeutiges löst sich ins Vage auf.

Es liegt nicht ganz eine Generation zwischen den Künstlerinnen. Beide haben ganz unterschiedliche Ausbildungen absolviert, und doch erstaunt die Nähe im malerischen Ausdruck, die gemeinsame Ebene, auf der sich beide hier in dieser Ausstellung begegnen, sich in den Positionen und Bildstimmungen einander nahe kommen.

Es ist einmal das Leben mit zwei Heimaten, das Hier und Heute in der Schweiz und die Auseinandersetzung mit der fernen, zweiten Heimat, die Reflexion fremd gewordener oder fremd-vertrauter Heimat, die beide in ihren Bildern zur Sprache bringen.

Ausländische Wurzeln

Gergana Mantscheva wurde 1975 in Sofia geboren und lebt seit 1997 in Solothurn, Dimitra Charamanda wurde 1988 als Tochter eines Griechen und einer Schweizerin geboren. Dann ist es die malerische Ausdrucksweise, die Bildsprache, die hier in der Gegenüberstellung zur eindrücklichen «Annäherung» der Bildwirkungen findet.

Gergana Mantscheva erhielt eine kunstakademische Ausbildung, Dimitra Charamanda schloss kürzlich die Hochschule Luzern in Design & Kunst mit dem Bachelor ab. Beide Künstlerinnen malen figurativ, aber nicht zu sehr, lassen den Stimmungen Raum.

Beide malen in gedeckten Farben, beide erzählen von Erinnerungen, von Eindrücken, von dem, was als Empfindung bleibt.

Erinnerungen und Eindrücke im Mittelpunkt

In den Details dann findet man die individuellen malerischen Nuancen. Schon seit einigen Jahren setzt sich Gergana Mantscheva mit ihrer bulgarischen Herkunft auseinander, verarbeitet ihre eigene Geschichte zu einer künstlerischen Reise in eine Kultur, die ihr früheres Leben geprägt hat.

Es sind alltägliche, vergessen gegangene Orte, ein trostloser Wohnblock, ein skelettiertes Spielplatz-Klettergerüst in verschiedenen Farbnuancen variiert vor einem heruntergekommenen Block, ein ausgeräumter Kiosk.

Seltsame Objekte und heimatliche Relikte, die in ihrer Melancholie und Verlorenheit das Fremdwerden von Heimat beschreiben, die in der Erinnerung doch vertraut bleiben.

Durch einen sehr präzisen Malstil geprägt, hat sich Gergana Mantscheva dem unmittelbaren Realismus entzogen, verbleibt in der atmosphärischen Schwebe zwischen malerischer Dichte und persönlicher Geschichte wirklichkeitsnah.

Auch Dimitra Charamanda erzählt von Erinnerungen und Eindrücken an ihre griechische Herkunft, an das erlebte Griechenland, hinterfragt folkloristische wie alltägliche Bilder, Stimmungen und Menschen, Landschaftliches und Städtisches.

Sie reflektiert die Melancholie der fremden eigenen Geschichte. Und doch, es sind nur fragmentarische Momente, die sie aus ihrem kulturellen Kontext herauslöst, sie mit abstrakten Elementen überlagert, das Eindeutige wieder entrückt oder ins Vage auflöst, so eine neue Lesbarkeit inszeniert: Das Fremde und Vertraute, das Lichte und das Düstere, ihre beiden Welten, es konzentriert sich zur malerischen Intensität.

Bis 15. Dezember. Öffnungszeiten: Do und Fr, 17–20 Uhr, Sa und So, 14–17 Uhr.