Solothurn
Zwei Historiker, ein Mönch und ein Dozent schreiben an der Stadtgeschichte

Auch bekannte Solothurn Autoren sind in die Jubiläumsschrift zur Solothurner Stadtgeschichte der letzten 200 Jahre involviert.

Katharina Arni-Howald
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Auch sie schreiben Stadtgeschichte (v. l.): Fabian Saner, Urban Fink und Peter Keller.

Auch sie schreiben Stadtgeschichte (v. l.): Fabian Saner, Urban Fink und Peter Keller.

Hanspeter Bärtschi

Ein neunköpfiges Autorenteam hat sich bereit erklärt, an der im Rahmen eines Forschungsprojektes erscheinenden Jubiläumsschrift zum 2000-jährigen Bestehen der Stadt Solothurn mitzuwirken. In einem ersten Teil haben wir das anspruchsvolle Projekt vorgestellt. In einem zweiten Teil kamen fünf Autoren persönlich zu Wort. Jetzt, im dritten Teil geben uns die vier noch verbliebenen Historiker mit einem besonderen Bezug zur Stadt Solothurn Auskunft zu ihrer Motivation, dem gewählten Thema, der Faszination des Stoffes und ihrer Vorgehensweise.

2000 Jahre Solothurn

Von 15 bis 25 n. Chr. datieren die ältesten römischen Funde im damaligen Salodurum – darum möchte die Stadt Solothurn 2020 ihr 2000-jähriges Bestehen feiern. Sie tut dies auch mit einer Jubiläumsschrift, welche die jüngere Stadtgeschichte der letzten 200 Jahre beleuchten soll. In drei Artikeln beleuchten wir das Autorenteam und dessen Ausgangslage. Diesmal stellen wir im letzten Teil vier weitere von insgesamt neun Autoren vor.

Der Inhalt der Schrift beschränkt sich auf das 19. und 20. Jahrhundert und befasst sich mit einer Zeitspanne in der Stadtgeschichte, die noch nie so gründlich aufgearbeitet wurde wie dies jetzt für die Jubiläumsschrift der Fall ist.

Das Potenzial der Religion

So sieht denn der studierte Solothurner Historiker und Geschäftsführer des katholischen Hilfswerks Inländische Mission in Zofingen, Urban Fink, in dem von ihm ausgewählten Themenblock «Religion» ein grosses Potenzial, die grossen gesellschaftlichen und kirchlichen Auseinandersetzungen, denen Solothurn als Kantonshauptort und Bischofssitz ausgesetzt war und die es so anderswo kaum gab, näher auszuleuchten.

Dies wird nicht einfach sein, denn die Quellenlage sei schwierig, «Entweder hat man fast zuviel oder zu wenige Quellen», weiss Fink bereits heute. Spannend aber anforderungsreich sei das Thema deshalb, weil ausgerechnet die einst katholische Hochburg heute schweizweit eine erstaunlich grosse Anzahl Konfessionslosen aufweise.

Der Mönch aus Einsiedeln

Gregor Jäggi

Gregor Jäggi

Hanspeter Bärtschi

Mit im gleichen Boot sitzt auch der Benediktinermönch Gregor Jäggi, der in Gerlafingen aufgewachsen ist, heute das Stiftsarchiv im Kloster Einsiedeln betreut und an der Theologischen Hochschule Chur im Bereich «Moderne Kirchengeschichte» doziert. «Ich arbeite immer mehr oder weniger langfristig an einem historischen Forschungsprojekt und bin mit der ausgewählten Zeitepoche recht gut vertraut», sagt der Kirchenhistoriker.

Zu seinen letzten grösseren Arbeiten gehört ein umfangreicher, quellengesättigter Beitrag zum Jubiläum «400 Jahre Wallfahrtskirche Oberdorf (SO)». Zusammen mit Urban Fink wird er die verschiedenen Quellen zusammen tragen und die Selektion und Ausrichtung diskutieren. «Es wird ein Gemeinschaftswerk werden», freuen sich die beiden bereits heute auf das Resultat ihrer Recherchen.

«Müssen effizient sein»

Mit der Übernahme des Bereichs «Kultur, Sport und Freizeit» hat sich Peter Keller, Dozent an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW), einiges vorgenommen und ist zurzeit am Sichten der Literatur. «Wir haben wenig Zeit und müssen effizient sein», sagt der ausgebildete Historiker, dem das historische Lernen an der Primarschule wichtig ist und der in der Stadt Solothurn aufwuchs und hier lebt.

«Es ist eine einmalige Gelegenheit, eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart aufzubauen und über den Ort, wo ich lebe, mehr zu erfahren.» Gute Möglichkeiten bei der Quellensuche wird er im Stadtarchiv, in der Zentralbibliothek, in Vereinsarchiven von Sportvereinen oder etwa bei der Töpfergesellschaft, deren Präsident er ist, finden.
Peter Keller ist Mitautor des fünften Bandes der Solothurner Kantonsgeschichte, die im Frühling erschienen ist und ebenfalls das 20. Jahrhundert thematisiert. Er hat zudem eine Dorfgeschichte von Deitingen in der Nachkriegszeit verfasst.

Erfahrung aus Grenchen

Mit seinem Thema «Bevölkerung, Fürsorge und Gesundheit» gut angefreundet hat sich bereits auch der freischaffende Historiker Fabian Saner, der in Hägendorf aufgewachsen ist und heute in Zürich lebt. «Die Aufgabe ist spannend, weil Solothurn eine alte Stadt ist und weil sie ungewöhnlich lange über die sie umgebenden Landgebiete geherrscht hat.» Nun stelle sich die Frage, wie sie später mit der demografischen Entwicklung und der sozialen Struktur der Bevölkerung sowie der Industrialisierung umgegangen sei.

Saner wird in seinem Themenblock nebst dem Verlauf im gesundheitlichen Bereich auch die Gleichstellung der Frauen, den Kampf gegen den Alkoholmissbrauch sowie die Drogenproblematik und die Prostitution ansprechen.

Rasch an die Arbeit muss deshalb auch Fabian Saner: «Der Zeitrahmen ist ganz schön eng», meint er lakonisch. Doch ein erster Augenschein habe gezeigt, dass genügend Quellen vorhanden sind und die Ausgangslage gut ist. Erfahrung bringt der Solothurner aus dem oberen Kantonsteil auch von seinem Mitwirken an der Grenchner Stadtgeschichte mit.

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