Altes Spital Solothurn

Zwei Gastkünstlerinnen betreiben kunstvolles Fliegenfischen

Victoria Edwards (l.) und Ina Johann gehen auf künstlerische Entdeckungsreise.

Victoria Edwards (l.) und Ina Johann gehen auf künstlerische Entdeckungsreise.

Mit Victoria Edwards und Ina Johann nehmen zwei Gastkünstlerinnen aus Neuseeland die hiesige Kulturlandschaft unter die künstlerische Lupe.

Es ist Volkskunde, die Ina Johann und Victoria Edwards betreiben – eine Feldforschung, deren Einsichten sie mit künstlerischen Mitteln zum Ausdruck bringen. Dies tun sie als neuseeländisches Künstlerkollektiv «Edwards+Johann» schon seit 2007. Und sie werden es in den kommenden drei Monaten auch in Solothurn tun.

Als Gastkünstlerinnen des «Artists in Residence»-Programm des Alten Spitals erkunden sie die Gegend und vertiefen sich in eine künstlerische Feldforschung. Anlässlich anderer Fernaufenthalte in Frankreich oder Schottland konnten die beiden bereits ähnliche Erfahrungen machen. «Wir arbeiten interdisziplinär, intergenerational und interkulturell», betont Edwards. Kommt hinzu, dass Neuseeland für die aus Deutschland ausgewanderte Ina Johann die zweite Heimat wurde. «Was diesen Punkt angeht, gehen wir mit dem Aufenthalt hier noch einen Schritt weiter», so Edwards.

Spielerischer Umgang mit Kunst

«Das Timing für unseren Gastaufenthalt ist perfekt», findet Johann. Sie und Edwards denken dabei an die Serie an Erdbeben zurück, die ihre Heimat Christchurch 2010 und 2011 erschütterte – und damit auch das Vertrauen in den sprichwörtlichen existenziellen Boden unter den Füssen. Umso mehr hoffen sie hier auf festen Untergrund und Ruhe.

Das Sehnen nach Schutz und die Erinnerung an das Geschehene manifestieren sich auch in Werken der vergangenen Jahre. «Seven Days and Seven Knights» zeigt surreale Rüstungen und «rebellische» Steine. Ihre Arbeit ist multimedial: So setzen die beiden einen performativen Rahmen und bringen in ihm die Mittel der Fotografie, der Malerei und des bewegten Bildes kombiniert zum Einsatz.

Edwards und Johann lassen sich in ihrer Arbeit vom Überraschungsmoment leiten, stolpern gerne mal über neue Dinge, protokollieren ihre Umgebung mit Video und Foto, kombinieren Einzeleindrücke zu immer neuen Kollagen, lassen sich von alten Fragen leiten und von neuen überraschen und treten mit Menschen in den Dialog – im Wissen, dass nicht ist, wie es scheint, und nichts kommt, wie man erwartet. «Fliegenfischen» nennt es Edwards und schmunzelt.

Es sei letztlich ein Spiel, dem Spiel der Kinder nicht unähnlich, und letztlich doch eines, das generativ auf ein Ziel hin funktioniert. «Die Zusammenarbeit setzt neue Energien frei und ebnet einen Weg, den wir als Einzelkünstlerinnen so nicht gefunden hätten», sagt Ina Johann. Edwards ergänzt: «Wir haben ein Miteinander ohne künstlerische Besitzansprüche gefunden». Die beiden wollen in Solothurn und der Umgebung auch mit der lokalen Kunstszene in Kontakt treten, das hiesige Schaffen in Museen und Bibliotheken in Augenschein nehmen und reflexiv verarbeiten.

Dass Solothurn Gastkünstler aus Neuseeland beherbergt, hat in jährlicher Folge Tradition: So erhält nämlich jeweils der Preisträger der neuseeländischen Stiftung James Wallace Arts Trust Foundation die Möglichkeit für einen Gastaufenthalt im Alten Spital.

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