Mausefalle

Zwei Frauen erzählen in drei Szenen von Liebe, Verlassenheit und Tod

Franziska Bussmann als Madeleine im Dialog mit Silvana Grellmann.

Franziska Bussmann als Madeleine im Dialog mit Silvana Grellmann.

Das nicht einfache Drama «Savannah Bay» von Marguerite Duras wird in der Inszenierung des Teatro Mobile zu einem beachtlichen Erlebnis.

Ein geschlossener Raum in hellen Farben, unten an den Wänden skizzenhaft Meeresbrandung, ein weisser Fleck (ein Felsen). Im Raum ein für Kaffee oder Tee gedecktes Salontischchen, zwei elegante Sessel und ein Kleiderständer. Dies der szenische Hintergrund für drei Dialogszenen zwischen zwei Frauen. Beide Darstellerinnen stilvoll in zeitloser Kleidung. Aus der Box tönen Klänge von Chansons von Edith Piaf.

Marguerite Duras (1914 – 1996) wuchs im damals französischen Vietnam auf und lebte ab 1933 in Frankreich. Sie arbeitete im Staatsdienst, begann zu schreiben, erlebte mit dem Drehbuch zum Film «Hiroshima mon amour» ihren Durchbruch und kannte nachher keine materiellen Sorgen mehr.

Sie veröffentlichte 54 Bücher und schrieb eine grosse Zahl von Drehbüchern – einige inszenierte sie gleich selber – auch für grosse Stars wie Jeanne Moreau, Jean-Paul Belmondo oder Romy Schneider. Ihr Privatleben hingegen war chaotisch und sie war Alkoholikerin. Bereits als Teenager hatte sie sexuelle Beziehungen (nachzulesen im Roman «L’Amant»), war aber zeitlebens auf der Suche nach der wahren Liebe.

Zum 1972 uraufgeführten «Savannah Bay» meinte sie: «Ich glaube, dass sich die Menschheit bis zu ihrem letzten Seufzer von Liebesgeschichten ernähren wird.» Wie in ihren Romanen enthält der Text dieses Bühnenwerkes unzweifelhaft viel Autobiographisches.

Savannah Bay ist eine Bucht der Jungfern Inseln mit einem schönen Sandstrand. Madeleine, die Protagonistin in diesem Stück, ist eine ehemals weltberühmte Schauspielerin, und sie kann im Laufe ihres Lebens durchaus dort geweilt haben. Jetzt erinnert sie sich an einstige Gefühle und an Bruchstücke aus ihrem Leben.

Franziska Bussmann versteht es, dieser Madeleine Leben einzuhauchen. Sie ist die unsichere, alternde Frau, die nicht weiss, ob das, an das sie sich erinnert, überhaupt mal gewesen ist. Sie ist aber auch der ehemalige Star, der meint, wieder auf der Bühne zu stehen und ein Stück zu spielen. Eine Bandbreite, die auch immer wieder reife Berufsschauspielerin verlockt, diese Rolle zu spielen, von Elisabeth Bergner bis Anne-Marie Blanc.

Ihr Gegenüber eine junge Frau, von welcher vom Text her in der Schwebe bleibt, ob es irgendeine Gesellschafterin, ihre Enkelin oder sogar ihr junges Ich ist.

Silvana Grellmann ist bei ihrer Interpretation der Rolle davon ausgegangen, dass es sich um eine reale Person handelt. Die Inszenierungsleitung von David Gnaegi, auch für die Technik zuständig, hat ihr wenig Raum für Emotionen gelassen, was im Sinne des lakonischen Textes von Marguerite Duras ist.

Übersetzt wurde dieses Stück übrigens von der Theaterregisseurin Elisabeth Plessen, die auch für die deutschsprachige Erstaufführung verantwortlich zeichnete.

Die Geschichte von Liebe, Verlassenheit und Tod verlangt ein genaues Hinhören, um ihr zu folgen. Dennoch sollte sich das Publikum nicht davon abhalten lassen, diese sehenswerte Aufführung zu besuchen. Wann können wir in Solothurn schon mal ein Werk von Marguerite Duras sehen?

Weitere Aufführungen: Fr./Sa. 8./9. Juni, Fr./Sa. 15./16. Juni je 20 Uhr

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