Flugplatz Solothurn

Zwei Flugunfälle mit der Stromleitung

Die Piper L-4 HB-OBM aus Grenchen wurde stark beschädigt, nachdem sie bei einem Startunfall mit der Stromleitung kollidiert war. Am Mast dürften bereits Monteure der AEK am Reparieren sein.

Die Piper L-4 HB-OBM aus Grenchen wurde stark beschädigt, nachdem sie bei einem Startunfall mit der Stromleitung kollidiert war. Am Mast dürften bereits Monteure der AEK am Reparieren sein.

Vor dem Zweiten Weltkrieg kam es zur Schaffung des Flugplatzes in der Mutten. Schon 1951 aber musste der Flugplatz dem Stadtmist Platz machen. Auch zwei Flugunfälle sorgten für Schlagzeilen.

Die primären Flugaktivitäten in Solothurn fanden im Schöngrün statt, wo der erste Solothurner Pilot Theodor Borrer am 4. August 1913 seine erste Landung auf heimischen Boden ausführte und wo der Militärpilot Werner Bodmer und sein Mechaniker, der Solothurner Alexander Frei, am 7. August 1917 bei einem Absturz tödlich verunglückten. Später startete Theodor Borrer seine sensationellen Flüge von der Schützenmatte aus. Genau hier fanden auch die ersten Hüpfer der am 3. Dezember 1936 neu geschaffenen Segelfluggruppe Solothurn statt: Zehn Tage nach der Gründung wurde in der Schützenmatte ein Schulgleiter des Typs «Zögling» vorgeführt. Im November 1937 erschienen in der «AeroRevue» erstmals Flugzeiten der Solothurner Segelflieger: Elf Piloten machten 15 Starts mit einer Gesamtzeit von 2 Minuten 35 Sekunden, was eine Flugzeit von rund 10,5 Sekunden pro Flug ergab.

Weltkrieg sorgte für Bruch

Am 31. August 1938 legte der Aero-Club Solothurn ein Projekt für die Schaffung eines Flugplatzes vor. Das Areal sollte im sogenannten Spittelfeld zu liegen kommen, also im Westen der Stadt. Der Flugbetrieb konnte in der Folge dort aufgenommen werden. Doch am 1. September 1939 erfolgte jäh das Ende: Wegen des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs wurde der gesamte schweizerische Zivilflugbetrieb verboten. Aber am 23. Juni 1940 wurde der Flugplatz wieder für den Segelflugbetrieb freigegeben. Die Segelfluggruppen von Grenchen und Bern wurden auch dem Flugplatz Solothurn zugewiesen, da ihre Flugplätze von der Luftwaffe besetzt waren.

Die heute noch aktive Segelfluggruppe Solothurn organisierte trotz des Krieges Anlässe für die Öffentlichkeit. Mitte September 1941 fand in der Stadt eine Veranstaltung für die Stiftung Pro Aero statt – am 5. Dezember 1943 dann der erste Segelflugtag in der Mutten, bei dem mit einem doppelsitzigen Flugzeug der Sportfliegerschule Bern viele Passagierflüge ermöglicht wurden. Der Konzertsaal war Schauplatz einer Flugausstellung vom 15. bis 23. Juni 1946.

Stromausfall – zum Ersten

Schon bei der Ausarbeitung des Projekts wurde die Stromleitung der AEK, die quer über die Mutten führte, als grösstes Hindernis identifiziert. Leitungen sind noch heute eine grosse Gefahr für die Luftfahrt: Gerade in Berggebieten kommt es hauptsächlich mit Helikoptern immer wieder zu Kollisionen mit Kabeln und Leitungen. Dass die AEK-Leitung tatsächlich zu Unfällen führen sollte, zeigte sich erstmals am Montag, 14. Juli 1947: Ein stadtbekannter Segelflieger wollte den schönen Sommertag mit leichter Bise für einen Zielflug nach Genf ausnützen. Er fragte in Grenchen nach einem Schleppflugzeug. Ein Grenchner Pilot überflog dann die Motormaschine des Typs Piper L-4 nach Solothurn, wo sich der Schleppzug bereitstellte. Während der Vorbereitungszeit von rund fünf Minuten wechselte die Windrichtung von Ost auf Nordost, was der Schlepppilot mangels eines Windsacks nicht bemerkte.

Der Startlauf erfolgte Richtung Südosten gegen das Schwimmbad und mit einer Tendenz gegen die AEK-Stromleitung zu. Mit dem nun schräg von hinten kommenden Wind wurde der Start gemäss Rapport des Schlepppiloten ausserordentlich lang. «Die Motormaschine kam erst etwa 80 Meter vor der Leitung ab Boden», schrieb er am Tag nach dem Unfall ans Eidgenössische Luftamt. «Sofort nach dem Abheben drehte ich von der Leitung weg. Um mir das Abheben zu ermöglichen, hatte der Segelflugpilot seine Maschine sehr stark nachgedrückt. Während ich aber abdrehte, straffte sich das Schleppseil wieder und zog die Motormaschine in die ursprüngliche Richtung zurück.» In der Folge kollidierte die Piper HB-OBM mit der Leitung, fällte einen Mast und kam auf der anderen Seite schwer beschädigt zu liegen. Der Segelflieger konnte rechtzeitig klinken und landen, der Motorpilot kam mit dem Schrecken davon. Für die Industrie in der Weststadt und in Langendorf bedeutete der Unfall einen längeren Stromunterbruch.

Stromausfall – zum Zweiten

Nicht einmal ein Jahr später folgte Unfall Nummer zwei mit der Stromleitung. Am Abend des Sonntag, 13. Juni 1948, blieb die Piper HB-OAH der Segelfluggruppe Solothurn mit dem Heckrad an der Leitung hängen. Das Flugzeug stürzte unweit des Schwimmbades in die Aare. Der Pilot erschien an der Wasseroberfläche und begann sofort mit der Rettung des Passagiers, was ihm auch gelang. Der Arzt Ernst Reinert leistete vor Ort die erste Hilfe, dann wurden die beiden Verletzten in die Klinik Obach eingeliefert. Mithilfe des Pontonierfahrvereins Solothurn und Mitarbeitern des Stadtbauamtes konnte die stark beschädigte Piper am späten Abend unterhalb der damaligen Tabakfabrik aus dem Wasser gehoben werden. Der Leberberg zwischen Langendorf und Grenchen blieb für eine Dreiviertelstunde ohne Strom.

1951 erfolgte die Schliessung des Flugplatzes in der Mutten. Die Segelfluggruppe Solothurn ist seither auf dem Regionalflughafen Grenchen tätig. Der Hangar auf dem Flugplatz Solothurn wurde demontiert und am 12. Dezember 1953 in Grenchen eingeweiht. Vor fast 20 Jahren, im September 1995, führte die Segelfluggruppe auf ihrem alten Flugplatz in der Weststadt Segelflugtage durch. Mit Doppelsitzern und Windenstarts lebte die alte Zeit für ein Wochenende lang wieder auf. Über 60 Jahre nach ihrem zwangsweisen Umzug nach Grenchen gehören die Solothurner zu den aktivsten Segelflugvereinen der Schweiz, der sich auch durch eine gut organisierte Nachwuchsförderung auszeichnet. Ebenso werden während der Saison Schnupperflüge für Interessierte durchgeführt.

Quellen: Segelfluggruppe Solothurn;
Solothurner Zeitung, Bände 1947 und 1948.

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