Seit Jahren ist das künstlerische Schaffen von Trudy Andres aus Bellach in diversen Ausstellungen rund um Solothurn in einer Vielfalt der medialen Mittel zu sehen. Dazu gehören Zeichnungen mit Kugelschreiber und Filzstift, Holzdrucke, Videos, Arbeiten in Guache und jetzt Aquarelle sowie Transparentgelb. Letztere als die eigene Möbelszenerie eine Pinselzeichnung bezeichnet die Künstlerin als «Gewohntes», im Doppelsinn gewohnt sein, darin zu wohnen.

In ihren Arbeiten erweist sich Trudy Andres als gewiefte Geschichtenerzählerin. Die Geschichten entstehen aus der momentanen Gefühlslage und entwickeln sich sporadisch ohne vorgefasstes Konzept. Bei den Aquarellen ist ein spontaner Einfall Ausgangspunkt. Thema sind stets Figuren, Gesichter, zuweilen Autos in einem sukzessiv entstehenden Umfeld. Trudy Andres beginnt irgendwo, sei es mit einem Gegenstand, einem Detail oder mit einem Farbton einer vorher festgelegten Palette eine Geschichte aus dem Alltag zu erzählen. Sie lässt viel Weiss als Freiraum offen, um nicht alles zu vermalen. Denn es gilt nun, Farb- und Formstrukturen in szenische Beziehung und in einer harmonischen Komposition zu vereinen.

Klar und kraftvoll

Die Arbeiten von Karin R. Müller aus Bellach wirken aufgrund ihrer kraftvollen Farbigkeit trotz oft verwendetem Grau, einem «Farbton» der SchwarzWeiss-Skala. Dies beruht auf der verwendeten Maltechnik, Acryl auf Papier, die eine deckende Übermalung ermöglicht. Die neuen Arbeiten mit dem Thema Blumen sind explizit auf zwei Ebenen konzipiert.
Die Künstlerin hat dazu ihre frühere Technik der pastellenen Farben bewusst in klarere und kraftvollere weiterentwickelt. Gleichzeitig hat sie den Bildträger von Pavatex auf Papier gewechselt.

Auf der ersten Ebene konzipiert Karin R. Müller ein wohldurchdachtes, weitmaschiges Netz mit konstruktiven geometrischen Formen und Farbfeldern. Durch die Übermalung mit der zweiten Ebene erscheinen abstrakt und stilisiert die Blumen und es entstehen neue, langgezogene Flächen und Gitterstrukturen, die mitunter objekthafte kubische Formen bewirken. Dazu kommt ein rationales und raffiniert angelegtes Farb- und Kontrastkonzept, wobei dadurch die Blumen auch jede der verwendeten Farben erhalten. Das Zusammenspiel der beiden Ebenen ergibt sich sowohl aus der lustvollen Freude an der Malerei, dem gestalterischen Prozess als auch der Entdeckung der Natur. Dadurch entsteht auch eine stilistische Mischform von Abstraktion und Figuration.