KreuzKultur

Zuschauer waren sich einig: «Selten einen so geistreichen Abend erlebt»

Eine Szene aus «Gschnorr», das noch zweimal im «Kreuz» aufgeführt wird.

Eine Szene aus «Gschnorr», das noch zweimal im «Kreuz» aufgeführt wird.

Die Premiere der fantasievollen NiNa-Theater-Hörshow «Gschnorr» im Kreuzsaal ist geglückt und erhielt viel Applaus.

«Selten einen so geistreichen Abend erlebt», lautete das vielstimmige Zuschauer-Urteil nach der Premiere von «Gschnorr». In seiner verbal-musikalischen Bühnenshow ergründete, analysierte und sezierte das Künstler-Kollektiv vom schweizweit engagierten NiNa-Theater (Bätterkinden) das Wesen der Sprache.

Geschliffen, wendig in Wortwahl und Ideen, auf vielen Ebenen und sogar fremdsprachlich unterwegs entwickelten die vier Frontleute Franziska Senn, Trix Meier, Reto Baumgartner und Ueli Blum ein unterhaltsam virtuoses Programm für die genusssüchtigen Hirnregionen ihres Publikums. Zwanglos gegliedert in einzelne Kapitel widmete sich die bunte «Gschnorr»-Wundertüte der Entstehung von Sprache mit kurzer Betrachtung der biblischen Schöpfungsgeschichte «Im Anfang war das Wort».

Musik kommt nicht zu kurz

Umgeben von wissenschaftlich wirkenden Papierstössen streifte das Quartett in verspielten Einzelheiten Adam und Eva, die alten Kulturen von Mesopotamien und Ägypten bis hin zum sprachverwirrenden Turm zu Babel. Eingestreut waren thematisch passende Chansons, von den vier Akteuren selbst begleitet auf Handharmonika, Bassgeige, Posaune, Gitarre und beliebigen Rhythmusinstrumenten.

Ein heiterer Ausflug in die Biologie zeigte den Menschen als Vielzeller, dessen Wortschatz als Zeichen seiner zunehmenden Hirnentwicklung zu werten ist. Urkomisch wirkte die in ihre Komponenten zerlegte Sprache, die beispielsweise in Silbenwechseln höchst amüsante Klangmelodien ergab. Ob richtig oder nur linguistische Kunst: Auch das alte Indogermanisch war im Vortrag dabei ebenso wie die vielen Formen moderner Kommunikation.

Satirisch gelangen die mit Englisch durchsetzte immer «coole» Jugendsprache oder die mit Wischi-Waschi-Begriffen und ausgeleierten Worthülsen verlotterten Verlautbarungen verschiedenster Kreise aus Wirtschaft und Gesellschaft. Aufs Korn genommen unter dem Titel «Macht der Sprache» wurden manch ach so progressives Theater, die Medien und als Lüge und Geplapper entlarvte politische Statements von Ulbricht bis Clinton.

Die Truppe beleuchtete mit Schalk sogenannte Tabu-Wörter und politisch-korrekte Aussagen, die drastisch ausgedrückt «Schissdreck so verpacken, dass er nicht mehr stinkt».

Feines Fingerspitzengefühl

Stets mit feinem Fingerspitzengefühl vorgetragen liessen Szenen wie das Missverständnis verursachende Treffen der hochdeutsch sprechenden Mutter mit dem schriftsprachlichen Lehrer ihres Sohnes, ein köstliches Fussballer-Interview, die zeitgenössische Ehekrise, Luftnummer-Geschwafel über Literatur und kaum auszuhaltender Nonsens in Schlagertexten und belanglosem Smalltalk Absurditäten im täglichen Leben aufleuchten.Um alle Feinheiten dieser überzeugend verwobenen, reichhaltigen Bühnencollage zu begreifen, sollte man sich nochmals einen Abend mit sprachlich-musikalischem Blitzgewitter gönnen.

Aufführung «Gschnorr», heute Freitag und morgen Samstag, 16. Januar, 20.30 Uhr, im «Kreuz»-Saal.

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