Zurück zu den Wurzeln! Das ist nicht die Aufforderung, mehr Wurzelgemüse zu essen. Obwohl das Angebot auf dem Märet allein schon eine Augenweide ist. Zurück zu den Ursprüngen ist gemeint – auf Neudeutsch back to the roots.

Welche Wurzeln es sein und wo sie liegen sollen, ist von Geschmack, Stimmung und politischer Opportunität abhängig. In unserer Stadt können wir, entgegen vieler Behauptungen, bei einem genüsslichen Bummel unterschiedlichen Varianten begegnen, wenn wir bereit sind, sie wahrzunehmen. Viele Verhaltensmuster sind erstaunlich modern, auch wenn sie verächtlich «alte Zöpfe» geschimpft werden.

Vieles gabs früher schon so oder ähnlich wie heute, anderes ist verschwunden. War es besser? War es nur anders? Da sind Historiker und Humanisten gefragt. Bei denen heisst es allerdings «ad fontes», denn sie redeten Latein. Zu den Quellen soll man vordringen. Daran hielt sich auch Luther bei seiner Bibelübersetzung ins Deutsche. Nicht schlecht, sich auch daran zu erinnern im Reformationsjubiläumsjahr.

Es war nicht das Geusstier, das der Stadtbummler eines Vormittags in der Hingeren Gasse vernahm. Es war der Theaterclub Ü61 auf einem Probenrundgang. Strassentheater ist schon aus der Antike bekannt, wo all die, die nicht in Amphitheatern spielen wollten, konnten oder durften, aufgetreten sind. Übrigens: Das Geusstier ist das hingergässlereigene Gespenst, das sonst in nebligen Nächten auftritt.

Auf den Gassen gegessen hat man viel früher auch schon. Das ist dann wieder etwas verlorengegangen und erst mit dem Fast Food – der Schnellesserei – wiedergekommen.
Oft riecht man’s, aber permanent sehen kann man es an den verfärbten und verfetteten Trottoirstellen – und natürlich immer wieder an den achtlos fallen gelassenen Essensresten und Verpackungen. Da können unsere Mannen vom Werkhof tun, was sie wollen –
weggeworfen wird schneller und vor allem mehr, als die je zusammenkehren können.

Besser gefallen uns Gruppen, die bei grosser Hitze ihr Esszimmer auf die Gasse verlegen und dort recht eigentlich die Mahlzeit feiern. Ein Hauch Italianità. Oder gar Exotik? Nur werden da manchmal die Velofahrer an der freien Entfaltung gehindert – das wäre als fernöstliche Gepflogenheit zu sehen.

So hätten wir denn in der Stadt fast von allem, Altem, Neuem, Bewegung, Ruhe, Theater, Musik – die Aufzählung will kein Ende nehmen. Hoffentlich beginnen wir nach den Wahlkämpfen mit etwas freierem Blick zu sehen, wie viel wir schon haben, und das zweifellos vorhandene Verbesserungs- und Erweiterungspotenzial mit Bedacht anzugehen.