Sie ist mit Abstand die vergnüglichste Form der Geschichtsschreibung und wird auch in Solothurn jährlich vierfach zelebriert: die Tradition der Fasnachtszeitungen. Nachdem die ungeduldigsten unter den Narren in der vergangenen Woche bereits die noch feuchte Druckfarbe von «11 Minuten» schnuppern durften (wir berichteten), folgt nun das dicke Ende. Das Spassblatt «Postheiri» der Honolulu-Narrenzunft, «Dr Hudibras» aus der Feder der gleichnamigen «Chutze» sowie das «parteifreie» Amzblatt sind nun ebenfalls erhältlich.

Konfettibunt und mit hoher Pointendichte kommt das «hilario-elisische Intelligenzblatt» «Postheiri» daher. Als besonderes Feature trumpft es mit acht «pirminfreien Seiten», die auch als solche markiert sind. Und sogar auf der Titelseite strahlt einem ein anderer Bischof entgegen. «Dr Hudibras» rüstet technisch (und auch preislich) nach, um den «Postheiri» einzuholen.

Erstmals kostet auch er sieben Franken, erscheint vierfarbig, wird dabei aber nicht zum Exempel aus der Regenbogenpresse: Der Farbtopf wird auch nicht so jovial geschwungen wie beim Konkurrenzblatt. Noch ein grosses Stück schlichter präsentiert sich dann das «Amzblatt», dessen trockene Aufmachung einmal mehr über einen feucht-fröhlichen und wortwitzreichen Inhalt hinwegtäuscht.

Eine freisinnige Schiffshavarie

Und wenn wir schon gerade beim Inhalt sind. Kanonenfutter, um vier Blätter zu füllen, boten die 358 narrenfreien Tage genug. Ein Leitthema ist die Schiffshavarie der FDP, im «Hudibras» etwa dargestellt durch die «Costa Cervela» mit Käptn Büttiker und die «Costa Soletta» mit Käptn Fluri. Derweil wird der Stadtpräsident im «Postheiri» zum «Verbringbueb», der seine politischen Stunden in der Grossen statt Kleinen Kammer verbringen muss. Mitleid auf der einen, Teer und Federn auf der anderen Seite: So wird Büttiker zum Verräter. «Judas zeigt wos dure goht uf em Wäg i Ständerot.» Gleich mehrfach werden auch Büttikers wilde Neunziger «an der kurzen Leine» ausgebuddelt.

Weiteres dominantes Thema ist die Finanzierung des Stadttheaters, dem «Postheiri» gar den Stadtrundgang mit Hilarius Immergrün und Tochter Elisi widmet. Mit ihrer Fundraising-Aktion durch Honolulu beissen die beiden allerdings auf Bsetzistei. Das «Amzblatt» schlägt dafür vor, das Theater mit dem Stadttheater und das Theater mit den Krummturm-Kanonen zu einem Projekt zusammenzufassen und auf einer versenkbaren Aarebühne zu realisieren. «Unter aller Kanone» findet der «Postheiri» die Kriegserklärung der Artilleristen an Krummturm-Cineasten.

Diensthund Waldemars Comeback

Beim «Hudibras» erhielt ein bereits erfolgreiches Gefäss aus aktuellem Anlass wieder Rückenwind: Der letztjährige «Potzilei»-Rapport über die illegale Party in der Vogt-Schild-Druckerei erhält dank Streetparty vom 11./12. November eine würdige Fortsetzung. Als Protagonist wieder mit dabei ist der polizeidienstliche Dackelrüde Waldemar, der in seinem Spieltrieb letztlich Auslöser der Eskalation gewesen sein soll. Doch nicht nur Polizisten kriegen einmal mehr ihr Fett weg.

Auch selbst ernannte Lebensberater, Sesseliiten (im Kampf gegen Gondeliiten) oder Kantonsräte sind Narrenopfer. So schlägt das «Amzblatt» vor, die während Kantonsratsdebatten produzierte warme Luft künftig ins Fernwärmenetz einzuspeisen. Grenchen (in Sachen Moschee neu im Söiliamt) hingegen scheint heuer eine Schonfrist zu geniessen. Zumindest gefühlsmässig werden die Grenchner etwas weniger leidenschaftlich durch den Kakao gezogen als sonst. Aber natürlich bieten Banga, Banga und Müller dennoch Rohstoff für den einen oder anderen Lacher.