Viel Elan stellten die Kindergärtler sowie die Erst- bis Sechstklässler des «Fegetz» in der vergangenen Woche unter Beweis: nämlich, um morgen Freitag ab 17.30 Uhr zusammen mit Lehrerschaft, Eltern, Verwandten und «Fegetz-Fans» das 50. ihres Schulhauses gebührend zu feiern. In 15 Ateliers arbeiteten die Schüler an unterschiedlichen Projekten – für das Fest oder für den Spass an der Sache.

Externe Personen, Eltern, Verwandte oder Fachpersonen, unterstützten den Workshop-Betrieb. Kartonkünstler Ruedi Fluri half mit, Skulpturen zu schaffen, in einem Filzatelier wurde das «Geburtstagskleid» für die Jubilarin als Deko erarbeitet, es wurde gemalt und Graffiti- oder Siebdruckkunst geschaffen, Rhythmusinstrumente wurden gebaut oder Stabpuppen kreiert und Drinks gebraut. Auch waren Schüler als Filmemacher am Werk – um einen Einblick in den Jugendsender Jump-TV zu erhalten oder selbst unter Anleitung einen Trickfilm zu drehen.

Es begann mit einem Schulfest

Viel Elan war auch vor 50 Jahren zu spüren – am 3. Juli 1965: Adrett stehen die Erstklässler in einer Reihe, um mit gebastelten Riesenfischen dem neuen Fegetz-Schulhaus die Ehre zu erweisen. Ein buntes Schulfest mit Reden, Gesängen, Rösslispiel und Zauberkunst, orchestralen Einlagen, sportlichen Wettkämpfen, Bratwürsten und «Blöterliwasser» macht unter blauem Himmel den Auftakt zur damaligen Eröffnung des dritten Quartierschulhauses nach der Vorstadt- und der Wildbach-Schule.

Mit dem Bau trug man den gestiegenen Schülerzahlen in den Aussenquartieren Rechnung. Entworfen wurde das glas- und lichtreiche Gebäude im Skelettbau des Architekten Hans-Rudolf Bader. 3,3 Mio. Franken kostete der Bau inklusive Klassentrakt und Turnhalle, das 13 000 Quadratmeter grosse Grundstück schlug mit 570 000 Franken zu Buche, die Sanitätshilfsstelle des Zivilschutzes (heute ein Lager des Museums Blumenstein) mit weiteren 420 000 Franken.

«Es ist eine schöne Aufgabe, einen Bau zu errichten, der der Jugend dienen will. Mit ihm hat die Stadt Solothurn einer Forderung der heutigen Zeit nach Dezentralisation und Verlegung der Schulhäuser ausserhalb des Verkehrsstromes nachgelebt», dies war in der damaligen Stadtchronik der Solothurner Zeitung nach erfolgter Eröffnungsfeier zu lesen. Und mehr noch als heute war nämlich das «Fegetz» zum Eröffnungszeitpunkt ein Schulhaus im Grünen – nicht nur wegen der «in Tannegrün bekränzten Bühne», die anlässlich der Festivitäten aufgestellt worden war. Und auch nicht wegen der vermuteten Herkunft des Begriffs «Phegitz» oder «Foegetz», der womöglich auf das gallorömische «fagetum» für «Buchenwald» zurückgeht. 

1840 und 1855 fanden im Fegetz-Gebiet eidgenössische Schützenfeste statt und sogar Pioniere der Luftfahrt hoben von hier ab. Verena Minder, Kindergartenlehrerin im Schulkreis Fegetz, erinnert sich im neusten Infoblatt der Stadtschulen an die grünen Wiesen, die das Schulhaus zu seinen Anfangszeiten säumten. «Im Herbst brachte jeweils ein Bauer seine Rinder noch für ein paar Wochen auf die Weide. So hatten wir Kuhglockengebimmel als Begleitmusik zum Unterricht», erinnert sie sich. In ihren Ausführungen lässt sie als Dienstälteste im «Fegetz» auch andere Wegmarker des Schulhauses Revue passieren. Beispielsweise, dass die frühere Lehrerschaft den Ruf hatte, sich gegenüber allem Neuen kritisch zur Wehr zu setzen.

Doch die Schullandschaft wandelte sich, ebenso wie die Stadt – und so musste man sich dem Neuen stellen. Platzengpässe und Umteilungen auf andere Schulhäuser erhitzten die Gemüter – die Raumknappheit bleibt bis heute ein Dauerbrenner. Neue schulische Arbeitsformen forderten und fordern die Lehrerschaft zudem heraus. Mit einer zeitlich beschränkten Solaranlage zwischen 2007 und 2010 setzten Oberstufenschüler auf dem Turnhallendach ein innovatives Monument.

«Es soll so bleiben, wie es ist»

In sieben Primarklassen gehen heute im Fegetz rund 150 Schüler in den Unterricht. Auf die drei angegliederten Kindergärten Untere Sternengasse; Hubelmatt und Fegetz sind weitere rund 70 Kinder verteilt. Verena Minder weiss: «Viele Kinder finden ihr Schulhaus schön, wie es ist und wünschen sich, dass es so bleibe und dass man in 50 Jahren immer noch hier zur Schule gehen und etwas lernen könne.»

Den Abc-Schützen vor 50 Jahren schien es ähnlich gegangen zu sein: Sie sollen laut der Solothurner Zeitung von damals ihr Schulhaus bereits «wie zu Hause» begutachtet haben. Eine Einschätzung, die heute auch der auf dem Fegetz nistende Storch bestätigen kann ...