Stadtbummel
Zünseln zur Bratwurst-Bananenrepublik

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Diese Staude hätte früher eine Chefideologin auf die Palme gebracht.

Diese Staude hätte früher eine Chefideologin auf die Palme gebracht.

Wolfgang Wagmann

Schall und Rauch sind die Programme, Konzepte und Vorgaben von einst. Denn jetzt ist Solothurn definitiv zur Bananenrepublik verkommen. Wie das? Ja, tatsächlich. Wer erinnert sich noch an Andrea Von Maltitz? Die städtische Umweltschutzbeauftragte, die vor x Jahren mit geradezu marxistischem Eifer jeder exotischen Pflanze auf öffentlichem Grund und Boden den Kampf ansagte? Sie würde heute der Stadtgärtnerei den Humus entziehen. Für die zwei Blüemli-Rabatten beim Soldatendenkmal, wo mittendrin je ein prächtiges Pälmli gedeiht: Musa basjoo, die japanische Faserbanane? Oder eine andere Unterart, die dann nicht so winterhart wäre? Wir schauen im Dezember wieder nach.

Wo Rauch aufsteigt, ist auch ein Feuer. Und so wurde in den letzten Wochen kräftig gezünselt, um da und dort ein Räuchlein aufsteigen zu lassen. Denn Stapi-Wahlen stehen an. Stapi? Für Solothurn ein Unwort des Jahres. Berner mögen einen Stapi haben, Grenchner auch. Ein doofes Wort, zumal sich «L ...» drauf reimt. Aber ein bisschen spielen wollen wir trotzdem mit dem Wort Stadtpräsident, oh sorry: Schrägstrich oder grosses «I» und ein «n». Werden wir am Sonntag eine hundertprozentige «Stadtpräsenz» haben? Als Ersatz für den noch aktuellen «Stadtpräsens»? Wobei, so schlecht war das Plusquamperfekt, die Vorvergangenheit, auch nicht. Immerhin ist da ein «Plus» und «perfekt» drin. Wir haben nur ein wenig gezünselt ...

Rauchen kann tödlich sein. Steht auf jedem Zigi-Päckli. Auch in den Wäldern ist zuletzt das Risiko beim Wegwerfen von Glimmstängeln fast stündlich angestiegen. Wobei längst nicht alle die nur vorübergehend reduzierte Waldbrand-Gefahr negativ sehen. Vielleicht, vielleicht reicht es diesmal. Für ein «Gklöpf»-Verbot am 1. August. Wär ja auch mal schön, so eine rauchschwadenfreie Tropennacht rund um St. Ursen und die Schanzen. Haben wir da ein Wahlkampfthema verpasst? Mit den Fronten «Pro Feuerwerk» (Roth) und «Nachtruhe ohne Gklöpf» (Fluri)? Wohl kaum. Vielleicht ist es zuletzt einfach zu heiss gewesen, für die wirklich heissen Themen. Wie die Bananenrepublik.

Wo kein Rauch mehr aufsteigt, ist das Feuer aus. Die Outdoor-Grillbratwurst am Märetplatz ist Geschichte. Ein paar hundert – Sie haben richtig gelesen, nicht ein Paar – mögen es gewesen sein in den letzten über 20 Jahren, die meinen Magen füllten. Eine Zeit lang wurde jeder unserer illustren Samstags-Märetstammtische im «Rust» mit der Ansage beendet: «So, und jetz gömmer zur Wurscht!» Eine wahre Wonne, diese Ankündigung! Reglementskonforme Würste, drinnen zubereitet, sind aber nicht dasselbe. Die sinnliche Geruchsaufnahme, fast hundeähnlich, die fehlt uns. Solothurn ist um mehr als nur eine Duftmarke ärmer geworden. Die Wurst ruhe in Unfrieden!

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