Stadtbummel Solothurn

Zum Verlust des Verlustierens

Jeden Sommer gedenken die Solothurner der Schlacht von Dornach mit der Vorstädter Chilbi; nur nicht dieses Jahr. (Archivbild)

Jeden Sommer gedenken die Solothurner der Schlacht von Dornach mit der Vorstädter Chilbi; nur nicht dieses Jahr. (Archivbild)

Mit Verlusten muss Mann rechnen. Und so gedenken die Solothurner ihrer seit 1499 in der Schlacht von Dornach. 520 Jahre lang, jeden Sommer. Mit der Vorstädter Chilbi. Letztes Wochenende war es wieder – eben nicht soweit. Die Wengibrücke durchwegs weissrot beflaggt; kein Vortanz. Eine Handvoll Margrithenbrüder traf sich dennoch zum Chilbischmaus. Schon fast ein Geheimzirkel. Sogar die «Saure Leber» zelebrierten die Handverlesenen montags im «Jägerstübli»-Säli. Das Tischgebet zur Insider-Chilbi oblag übrigens dem ehemaligen Stadtpfarrer Niklas Raggenbass. Nun christkatholischer Pfarrer mit 40 Prozent-Pensum im aargauischen Niemandsland Wegenstettertal. Der Verlust für die Christenheit hält sich also in Grenzen.

Spannend auch, wie Raggenbass konvertiert ist: Vor zwei Jahren wurde er von einem jetzt christkatholischen Pfarrkollegen darauf angesprochen. An der feierlichen Erdbestattung eines von einem LKW plattgefahrenen Basterlis namens «Filou». Also an einer «Hundsverlochete». Die Trauer um den Verlust von «Filou» war dem Hörensagen nach riesig. Aber jeder Verlust birgt auch eine Chance. Die Wegenstettertaler werden «Filou» dankbar sein. Oder vielmehr dem LKW.

Ein Verlust droht übrigens auch am Klosterplatz. Nicht nur an Parkplätzen. Rund 1,3 Mio. Franken Parkgebühren hat er in den letzten sieben fetten Jahren in die Stadtkasse gespült. Denn letztmals wurden die Parkplätze 2013 von Links hinterfragt. Nun drohen Solothurn sieben magere Jahre. Trotzdem soll eine weitere Milchkuh geschlachtet werden. Wie beim Postplatz und anderswo wird dabei nie und nimmer an Parkplatz-Realersatz gedacht. Dabei böte sich der ständig leere und oft als Wildparkier-Oase genutzte Zeughausplatz geradezu an. Aber noch können wir uns Verluste ja leisten.

Kaum ein Verlust ist für viele der erneute Wegfall des städtischen Feuerwerks am 1. August. Unser Stadtschreiber sitzt förmlich auf einem Pulverfass. Denn «Boll, Böller, am Bollsten» gilt schon seit zwei Jahren nicht mehr. Letztes Jahr wars zu trocken, am Neujahr zu neblig, und jetzt vergällt uns der «Chäfer» das Fest der Pyromantiker. Die Lust an Lustbarkeiten wurde uns gründlich ausgetrieben; der Verlust des Verlustierens ist unabsehbar. Und so umtreibt uns nur noch die bange Frage: Wann wieder hat Boll einen Knall?!

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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