Wie gut lässt es sich in Solothurn alt werden? Dieser Frage ging eine Bevölkerungsumfrage nach, die von der Pro Senectute angestossen und von der Stadt Solothurn und dessen Seniorenrat in den vergangenen Monaten durchgeführt wurde. Im Brennpunkt stand die Lebensqualität für Seniorinnen und Senioren ab 65 Jahren. Über 600 in Solothurn wohnhafte Senioren – dies entspricht einer Rücklaufquote von fast 18 Prozent – nahmen an der Befragung teil, die unterschiedliche Aspekte des Lebens in Solothurn beleuchtete. Gestützt auf Erfahrungswerte aus der Statistik entspreche dies einer hohen Beteiligung, heisst es seitens Pro Senectute. Oder anders: Es gibt einiges, was der älteren Bevölkerung von Solothurn unter den Nägeln brennt.

Öffentlicher Raum: Zahlreich waren die Rückmeldungen, die den öffentlichen Raum betreffen. Obwohl weitgehend positiv, waren es vor allem Sturzrisiken in der Stadt, die die Senioren beschäftigen. Diese sollen minimiert werden: Signalisationen an problematischen Orten wie Trottoirs sowie mehr Handläufe entlang von Treppen sollen die Sturzgefahr vermindern, ebenso eine stellenweise bessere Beleuchtung. Die Begehbarkeit mit Rollstühlen und Rollatoren sei zu verbessern. Auch fehle es vielerorts auf Stadtgebiet an genügend Sitzgelegenheiten wie Sitzbänken. Auch soll das heute als spärlich empfundene Angebot an öffentlichen ausgebaut werden. Vorstellbar wäre, Toiletten-Standorte in einer bestehenden Handy-App zu erfassen oder die unter dem Angebot «Nette Toilette» aufgeführten, zugänglich gemachten WCs zu erweitern. «Hier scheint es an Information zu mangeln», stellt indes Ida Boos, Geschäftsführerin von Pro Senectute Solothurn, zu öffentlich zugänglichen Toiletten fest.
Auf ihr Bedürfnis als schwächere Verkehrsteilnehmer legen einige der Befragten ihr Augenmerk. So monieren sie das teils rücksichtslose Fahrverhalten der Velofahrer und wünschen sich Sensibilisierungsaktionen.

Alle öffentlichen Toiletten (schwarz) und Lokale, die bei "Nette Toilette" (rot) mitmachen, im Überblick.

Verkehr: Was den öffentlichen Verkehr angeht, zeigen sich die Solothurner Senioren weitgehend zufrieden. Sie loben die Erreichbarkeit wichtiger Fahrtziele. Einzig beim Fahrverhalten von Buschauffeuren und dem Komfort von Haltestellen sehen sie Handlungsbedarf. Konkret wünschen sich Senioren, dass die Bussfahrer mit der Weiterfahrt abwarten, bis die Fahrgäste einen Platz gefunden haben. Ausserdem fehlt bei einzelnen Bushaltestellen der Wetterschutz.

Wohnen: Die Befragung zeigt, dass die allermeisten Senioren sehr gern in Solothurn wohnen und dies auch weiterhin möchten. Informationsbedarf besteht, wenn es um Alters- und Pflegeheime geht – und wo die Senioren im Bedarfsfall aufgenommen würden. Unsicherheit sei auch vorhanden, wenn es um Beratung und Unterstützung zum Thema «Wohnen im Alter» geht.

Hingegen seien altersgerechte Wohnungen in der Stadt Solothurn entweder zentral oder dann auf jeden Fall gut erschlossen. Dennoch sollten bezahlbare Wohnmöglichkeiten für Menschen im Alter mit entsprechenden Dienstleistungspaketen laut Befragung gefördert werden.

So schätzen Solothurner Senioren die Altersfreundlichkeit der Stadt in verschiedenen Themenbereichen ein. Insgesamt haben 622 Menschen an der Umfrage teilgenommen.

So schätzen Solothurner Senioren die Altersfreundlichkeit der Stadt in verschiedenen Themenbereichen ein. Insgesamt haben 622 Menschen an der Umfrage teilgenommen.

Gesellschaftliches Leben: Als «gut integriert und von der Gemeinde getragen» sehen sich viele Senioren in der Stadt. Die Möglichkeiten, sich in der Öffentlichkeit zu treffen, werden als sehr gut eingestuft. Ebenfalls geschätzt werden Räumlichkeiten, die von den Kirchen und der Einwohnergemeinde zur Verfügung gestellt werden. Die Möglichkeiten, sich in der Gemeinde zu engagieren, werden als gross angesehen – allerdings scheint das Bedürfnis dafür eher gering.

Informationen und Beratung: Die Senioren von Solothurn wissen, über welche Plattformen sie sich zu Altersthemen und bei Geldsorgen informieren können. Ein Kränzchen winden sie den Stadtbehörden: für ihren freundlichen und respektvollen Umgang. Auch die offiziellen Drucksachen seien jeweils verständlich und gut lesbar. Breiter Bekanntheit erfreuen sich Beratungs- und Gesundheitsdienste wie die Pro-Senectute-Beratung, die Spitex oder die AHV-Zweigstelle. Ein Manko hingegen macht die Befragung beispielsweise bei Themen wie Mobilität, Bewegungsangeboten sowie Angeboten gegen Einsamkeit fest.

Zu allen kritisierten Punkten steuert die Pro Senectute jeweils ihre eigenen Empfehlungen an die Adresse der Stadtbehörden bei, um die Situation für Senioren zu verbessern. Insbesondere, was Wohnmöglichkeiten angeht, empfiehlt der Seniorenrat, dass die öffentliche Hand bei der Schaffung altersdurchmischter Wohnformen Verantwortung übernimmt. In Solothurn soll es sich «gut leben lassen», hält der Seniorenrat fest.
Die Befragung zur Altersfreundlichkeit hat die Pro Senectute übrigens bereits in anderen Gemeinden durchgeführt, so auch in Grenchen. Dort nahmen 370 Senioren an der Umfrage teil. In Grenchen waren gerade die Anliegen und Verbesserungsvorschläge betreffend des Verkehrs und des öffentlichen Raums mit denen von Solothurn vergleichbar. Leicht höher war die Zufriedenheit mit behördlichen Informationen, Beratungsdienstleistungen und den Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.

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