Gastspiele
Zu viel Zirkus in Solothurn – nun verzichtet Circus Nock

Es wird eng in der Manege Solothurn: Die Stadt erteilt Bewilligungen für Zirkusse am laufenden Band. So gastieren immer mehr Betreiber in der Barockstadt. Zu viele für den Circus Nock. Er streicht Solothurn kurzfristig aus seinem Tourneeplan.

Andreas Kaufmann
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In diesem Jahr wird der Circus Nock seine Zelte in Solothurn nicht aufrichten. az In diesem Jahr wird der Circus Nock seine Zelte in Solothurn nicht aufrichten. az

In diesem Jahr wird der Circus Nock seine Zelte in Solothurn nicht aufrichten. az In diesem Jahr wird der Circus Nock seine Zelte in Solothurn nicht aufrichten. az

Solothurner Zeitung

Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Ein Grundsatz, der eigentlich auch bei der Gastspielplanung der Zirkusbetreiber gilt – oder gelten sollte. So liess der Circus Nock nun verkünden, dass sein fürs Pfingstwochenende vom 11. bis 13. Juni geplanter Aufenthalt auf dem Platz hinter der Reithalle entfällt. Grund: Die Stadt habe kurzfristig ebenfalls ein Gesuch des Konkurrenten Circus Royal genehmigt, der nun morgen Samstag und übermorgen Sonntag seine Zelte in der Stadt aufstellen wird. Der Cirucs Nock hatte bereits Mitte Dezember 2010 eine Bewilligung erhalten.

«Weder die Behörden noch der Circus Royal schenkten dem ungeschriebenen Gesetz Beachtung, zwischen zwei Gastspielen an einem Ort mindestens zwei Monate Abstand zu halten», lässt Nocks Zirkusleitung nun wissen. Hier sind es gar nur fünf Tage, die zwischen den Konkurrenten liegen. Zudem gastierte Mitte Mai noch der Circus Monti in Solothurn. So mute die Bewilligungspraxis der Stadt aus Sicht von Nock «ziemlich speziell» an.

«Ins Gewicht fallen nun vergebliche Werbeausgaben für Solothurn in der Höhe von mehreren tausend Franken, unter anderem für Plakate und Flyer», beziffert David Mühlemann, administrativer Mitarbeiter bei Nock, den Schaden. Für Ausfälle sorge auch der sonst lukrative Pfingstsonntag, der am Ersatzstandort Sursee an Feiertagen nicht bespielt werden darf.

«Eine Regulierung seitens Stadt wäre sinnvoll»

«Bei so einem Überangebot muss sich die Bevölkerung an den Kopf fassen», findet Mühlemann. Dabei sei bereits vor Tourneestart Mitte März über den Terminplan informiert worden. Vor zwei Wochen habe man erfahren, dass der Circus Royal den Standplatz am Wochenende vorher beansprucht. «Von daher wäre eine Regulierung seitens Stadt schon sinnvoll, damit die Zirkusbetreiber einander nicht gegenseitig vor die Nase fahren», sagt Mühlemann weiter.

Vertrauen in Publikumsgeschmack

Aus Sicht des Mitstreiters «Royal» stellt sich die Sachlage anders dar, wie dessen Mitinhaber Oliver Skreinig betont: Die Bewilligung seines Circus habe schon viel früher vorgelegen, und zwar im September 2009. «Wir planen unsere Gastspiele stets zwei bis drei Jahre voraus.» Nur hat es zwischenzeitlich Unstimmigkeiten im Bewilligungsprozedere gegeben, sodass die definitive Platzbewilligung erst Anfang 2011 vorlag. «Zudem kenne ich kein Gesetz, das einen zweimonatigen Abstand regelt.»

Aus Sicht Skreinigs gibt es auch keine Veranlassung, solche Kollisionen zu vermeiden: «Theoretisch könnte in jeder Woche ein neuer Zirkus seine Zelte aufschlagen. Solange ich als Zirkusbetreiber Vertrauen in mein Produkt habe, baue ich darauf, dass die Solothurner in die Vorstellungen kommen werden.» So sei die Konkurrenzsituation auch in anderen Branchen kaum anders, wo sich ebenfalls mehrere Mitstreiter an einem Ort behaupten. So gelte auch beim Circus Royal der Grundsatz, dass man einem Mitstreiter nicht vor die Nase fährt. «Dennoch kann man in diesem Fall weder den Zirkusunternehmen noch den städtischen Behörden einen Vorwurf machen», so Skreinig.

Informativ statt regulativ

Vonseiten der Stadt ist eher eine informative als eine regulierende Praxis üblich. Stadtschreiber Hansjörg Boll: «Wir bemühen uns, Kollisionen zu vermeiden. Aber wir schreiben den Veranstaltern nicht vor, wann eine Durchführung erlaubt ist. Letztlich entscheidet das Publikum, welcher Anlass besucht wird.» Doch auch Boll findet: «Eine knappe Woche Abstand ist wirklich an der Schmerzgrenze.»

Peter Fedeli, Kommandant der Stadtpolizei, hält es für fraglich, ob unter Einhaltung der vorgeschlagenen 2-Monate-Regel künftig überhaupt mehr als ein weiterer Zirkus neben Knie und Gasser-Olympia unterzubringen wäre: «Der Platz hinter der Reithalle ist auch sonst stark belegt.» Wie man das Blatt auch dreht und wendet: Tatsache ist, dass Solothurn heuer neben Knie, Monti, Gasser-Olympia und Royal keinen fünften circensischen Höhepunkt haben wird.