Seine verspielte, kreative Ausstrahlung trägt das Lusthäuschen inmitten der Henzihof-Hostett im Namen. Und seitdem das Kabäuschen vom Dornröschengestrüpp befreit wurde, das es über viele Jahr quasi verbarg, wird es auch fleissig durch den Quartierverein Weststadt unter dem Titel «à la folie» bespielt; mit Konzerten, Lesungen, oder Anlässen wie Ausstellungen oder anderen Kunstaktionen.

Eine solche wollte auch die Solothurner Künstlerin Nancy Wälti realisieren. Für eine begrenzte Zeit in den folgenden Wochen sollten Interessierte in künstlerischer Einrichtung im Lusthäuschen übernachten – unter dem Titel «Verlustieren im Lusthäuschen». Doch dann schob die Stadt einen Riegel: Ein temporäres Hotel inmitten der Hostett – das geht nicht.

Die Erinnerung an das Erlebnis soll bleiben

Zur Vorgeschichte: Nancy Wälti war vor einem Jahr angefragt worden, in diesem Herbst ein Projekt zu realisieren. «Aber eine Ausstellung in diesen Räumlichkeiten schien mir schwierig.» Gleiches gelte für den Verkauf von Werken in einem solchen Rahmen. Ihre alternative Idee: «Das Häuschen selbst werde ich bestücken.» Nicht Kunst ins Lusthäuschen zu bringen, sondern die kleine Hütte selbst zur Kunst zu machen und Interessierten inmitten einer geschaffenen Installation eine Hotelübernachtung anzubieten. Denn: Noch ist die Zukunft des Kleinods aufgrund der «Weitblick»-Überbauungspläne unklar. «Und wenn es sich nicht erhalten lässt, dann soll wenigstens die Erinnerung an das Erlebnis einer Übernachtung weiterleben», sagte sich Nancy Wälti.

Das interdisziplinäre Kunstprojekt, findet sie heute, hätte viele Leute miteinbezogen. Konkret wäre das Lusthäuschen jeweils freitags und samstags an insgesamt drei Wochenenden zum kleinen Hotel umfunktioniert worden. Anwohner aus der Weststadt hätten die Gäste betreut, ihnen touristische Tipps gegeben und sogar ein Frühstück in den eigenen vier Wänden servieren sollen.

Nachdem dem Quartierverein durch das kantonale Amt für Wirtschaft und Arbeit grünes Licht erteilt worden war, folgte die ernüchternde Nachricht aus der Stadtverwaltung: Es handle sich bei Nancy Wältis Projekt um eine kommerzielle Nutzung, die durch die vorhandene Baubewilligung nicht vorgesehen sei. Und damit werde das Gesuch abgelehnt.

«Das Projekt kann kaum kommerziell sein»

«Die Stadt hat die Tonalität zu wörtlich genommen», sagt Bea Beer, die vonseiten des Quartiervereins Weststadt die «à la folie»-Anlässe mitbetreut. Und: «Es war ein Fehler, das Projekt als ‹Hotellerie› anzupreisen.» Andererseits könne es kaum kommerziell sein, wenn bloss sechs Logiernächte angeboten würden, wehrt sie sich weiter. Dafür sei der Aufwand – gerade angesichts von Wältis Installationen – viel zu hoch. «Und zudem», ergänzt Wälti selbst, «wäre eine Zeichnung von mir im Übernachtungspreis inbegriffen gewesen.» Die Künstlerin selbst zeigt sich enttäuscht: «Es ist, als ob man aberkennt, dass es eine Kunstinstallation ist.»

Wie Urs F. Meyer vom städtischen Rechts- und Personaldienst auf Anfrage erklärt, stütze sich der Entscheid aufs Nutzungskonzept, das vom Quartierverein 2017 eingereicht worden war, sowie auf den daraus resultierenden Zwischennutzungsvertrag fürs Lusthäuschen. «Wesentlicher Punkt des Konzeptes sowie des Nutzungsvertrages ist die Bestimmung, dass das Lusthäuschen ‹ausschliesslich als Begegnungsort für die Quartierbewohner› genutzt werden darf», zitiert Meyer aus dem Vertrag. Zum Begriff der «kommerziellen Nutzung» stellt Meyer fest, dass unklar sei, wofür der Preis eingesetzt würde, den «Touristen oder Übernachtende aus der Region» laut Konzept entrichten müssten.

Weiter verweist er auf gesprochene Beiträge, beispielsweise aus dem Topf des Lotteriefonds. Ausserdem sei die Anfrage der Veranstalter eine Woche vor der Lancierung beim Stadtbauamt eingetroffen, mit dem Hinweis, dass es pressiere: «So konnte weder mit der Baukommission noch mit der Gemeinderatskommission Rücksprache genommen werden. Daher ist der Vertragswortlaut entsprechend umzusetzen», so Meyer weiter.

«Das Problem sportlich und kreativ umschiffen»

Als Folge auf den Entscheid aus der Stadtverwaltung hat Wälti ihre Idee zu etwas Neuem umgewälzt: «Wir werden nicht gegen das Gesetz verstossen, verbiegen uns aber auch nicht.Kurz: Wir umschiffen die Probleme sportlich und kreativ», sagt sie. «Ich habe das Konzept angepasst.» Was nun geplant ist, bleibt eine Überraschung: «Die neue Idee wird anlässlich der Vernissage enthüllt», so Wälti. Klar ist: Auch nach dem konzeptionellen Umbau wird man dort ein Hotelzimmer auf Zeit vorfinden.

Vernissage Fr, 27. September, 19 Uhr beim Lusthäuschen.