Stadtbummel

Zu fünft im Gummiboot auf «Lachs-Viewing»

Selbsterfüllende Prophezeiung 2018?

Selbsterfüllende Prophezeiung 2018?

Wie noch nie geht es um die Arbeit – doch ihren Tag können sie nicht feiern, die Genossinnen und Genossen. Keine kurdischen Tänze und feurige Ansprachen vor dem Landhaus. Dabei gäbe es einiges zu sagen. Zu Arbeitsbedingungen auch in Solothurn. Selbstständige Coiffeusen, die seit dem Montag wieder schuften (dürfen). Von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr abends. Und das alles unter einer Maske! Aber nix da, keine Transparente, keine Petarden! Möglich, dass sie auf lange Zeit auch keine Berechtigung mehr haben. Denn wer noch arbeiten darf, tut dies, ohne zu murren. Rundum. Denn Geld verdienen ist schwierig geworden. Also tut man es, wann und solange man kann. Denn in den 100 städtischen Schnippel-Salons gilt: Egal ob eine zweite, dritte oder hundertste Welle kommt – Hauptsache, das Haupthaar der Kundin ist frisch frisiert.

Frisiert sind immer noch Töffli, die man im ruhig gewordenen Stedtli mehr denn je hört. Auch in sonst ruhigeren Quartieren. Dort lebt es sich kommod, wenn sie nicht rundum wegen herumflitzender Bikes abgesperrt sind. Die wären nämlich jetzt wieder angesagt. Aber wenn die Arbeiter schon ihren Tag nicht mehr haben, dürfen sich die Biker über ihre verlorenen Days auch nicht beklagen. Waren doch die «Gümmeler» schon den ganzen sonnigen April über fleissig unterwegs – für Bike Days in Raten.

Ins Wasser fallen an diesem 1. Mai auch Patrouillen-Fahrten unserer Polizei-Marine auf der Aare. Seit einmal ein Demonstrant unfreiwillig im Fluss gelandet ist, gehört das zu den Solothurner 1.-Mai-Bräuchen wie das Maitannli. Sorry, nein. Das gehört nicht dazu. Wurde ja letztes Jahr schon verboten. Einfach so. Diesmal ohnehin kein Thema. Dafür wird die Aare eins. Die hat schon 15 Grad. Und nächste Woche ist die erste Welle angesagt. Keine Dauerwelle, aber eine mittelprächtige Hitzewelle. Und dann tauchen sie auf. Die Fragen: maximal fünf im Gummiboot? Nur mit Tauchbrille und Schnorchel? Da herrscht noch viel Regelungsbedarf, lieber Bundesrat! Wir werden schwimmen gehen. Unmaskiert. Das Aarewasser ist so klar wie noch nie. Für Delfine wie in Venedig wird es wohl nicht ganz reichen. Aber wie wär’s unten am Landhausquai mit einem ersten Lachs? Nicht im «Salzhaus». Aber ganz unten, im Wasser.

wolfgang.wagmann@chmedia.ch

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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