Solothurner Filmtage
Zmorge-Brunch mit «Rosie»-Filmregisseur Marcel Gisler

An den Solothurner Filmtagen ist auch bei Gesprächen einiges über die Filmemacher und Protagonisten zu erfahren: Im Barock-Café am Landhausquai beantwortete Marcel Gisler, der die Filmtage mit seinem Streifen «Rosie» eröffnete, Fragen.

Fränzi Rütti-Saner
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Regisseur Marcel Gisler (48) mitten im Gespräch mit Cineasten beim Film-Brunch an den Solothurner Filmtagen. bar

Regisseur Marcel Gisler (48) mitten im Gespräch mit Cineasten beim Film-Brunch an den Solothurner Filmtagen. bar

Neun Uhr morgens ist noch etwas früh für Filmleute. Dies kann erfahren, wer sich zum Film-Brunch im neu eröffneten Barock-Café am Landhausquai in Solothurn begibt. Angekündigt ist: Gast Marcel Gisler. Der Regisseur des Streifens «Rosie», welcher die Filmtage am Donnerstagabend als Premierenfilm eröffnete. Eingeladen sind zum kostenlosen Brunch nur akkreditierte Filmtagebesucher, der Platz ist begrenzt. Swiss Image, die Urheberrechtsorganisation der Schweizer Filmschaffenden, lädt jeden Morgen während der diesjährigen Filmtage zu diesen Brunches ein. Ein neues Filmtage-Angebot. Swiss Image lud früher zur Dschungelbar im Landhaus.

Die wärmende Wintersonne weckte wohl dann die Hauptperson Marcel Gisler doch fast rechtzeitig. «Ich hab noch etwas Kopfweh», meint er mit rund 15-minütiger Verspätung. Die Premierenfeier seiner «Rosie» stecke noch etwas in seinen Knochen und im Kopf. Doch nach dem feinem Brunch mit ausreichend Kaffee fühlt sich Gisler sichtlich wohler und ein anregendes Gespräch beginnt. Kuede Meier von den Solothurner Filmtagen fungiert als Moderator und nimmt Bezug auf Gislers Biographie, die ihm doch als eine mit «Brüchen» erscheine. Gisler beantwortet die Frage geduldig. Er sei als Jugendlicher in den frühen Achtzigerjahren nach Zürich gekommen, habe sich dort aber nie heimisch gefühlt. «Als ich dann nach Berlin ging, war das sofort ganz anders. Hier fühlte ich mit sofort zu Hause, obwohl es doch eine sehr grosse Stadt war.» Damals schon wusste er, dass er Filme machen wolle – aber wie dies angehen? Schnell fand er Kontakt zu Rosa von Praunheim, und dieser ermunterte ihn, trotz Ablehnung an der Filmhochschule, mit dem Filmen zu beginnen. «Doch wahrscheinlich riet Praunheim das allen, die ihn fragen», schmunzelt Gisler.

Schnell hatte der junge Schweizer Filmer Erfolg: 1985 Silberner Leopard für «Tagediebe, 1988 bronzener Leopard für «Schlaflose Nächte». Dann der Schweizer Filmpreis 1999 mit «F. est un salaud». In den kommenden Jahren hörte man nicht mehr viel von Gisler. Ein Leben mit Brüchen? «Ich hatte immer Projekte, doch habe ich das Geld dafür nicht mehr aufbringen können», begründet er. So kam es, dass er aus wirtschaftlichen Gründen eine Stelle als Dozent in einer privaten Filmschule annahm. Danach folgte ein Engagement beim Schweizer Fernsehen als Drehbuchautor für «Lüthi und Blanc». «Dieses Engagement war gut bezahlt. Ich brauche eben auch eine Pensionskasse.»

«Heute arbeite ich nicht mehr nur alleine. Das braucht zu viel Zeit.» erklärt der Regisseur zu seinem sogenannten Strategiewechsel im Leben und beim Arbeiten. Gisler ist heute auch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin Dozent für Schauspielführung und für Drehbuch- und Regiebetreuung. Ausgerechnet an jener Hochschule, die ihn damals ablehnte, wie er gerne anfügt. Und: «Ich lerne eigentlich erst jetzt, von den Fehlern meiner Studenten, wie das Filmemachen geht». Neben «Rosie» hat Gisler derzeit noch drei weitere Film-Projekte am Laufen. «Manche konkreter, manche weniger». Der Strategiewechsel eben. So lebe es sich besser, etwas sicherer, sagt er. Es stehe und falle nicht alles, nur mit einem Film. Und so wird auch klar: 14 Jahre wird es ganz bestimmt nicht mehr dauern, bis das Publikum den nächsten Film von Marcel Gisler zu sehen bekommt.