Solothurn

«Zimmer frei» im Alten Spital für Solothurns Jugend

Eine Kinderpetition für mehr jugendfreundlichen Raum in der Vorstadt, eine Bedürfniserhebung der Jugendarbeit des Alten Spitals und Stimmen bei den Jugendpolittagen sprechen eine deutliche Sprache: Solothurner Jugendliche rufen nach Freiräumen.

Nun liefert die Jugendarbeit des Alten Spitals die gewünschte Antwort auf den Ruf nach konkreten physischen Freiräumen: Ab 26. Oktober beginnt eine einjährige Pilotphase eines niederschwelligen Jugendraums ohne Konsumzwang für Besucher zwischen 12 und 18 Jahren. Jeweils am Mittwoch von 13.30 bis 18 Uhr, sowie am Freitag bis 21 Uhr sind die Pforten zum offenen Treff am Oberen Winkel geöffnet.

Niederschwelligkeit dank Parterre

Neue Umstände lassen jetzt Wirklichkeit werden, was man im Alten Spital schon seit Jahren zu realisieren hegte, wie Barbara Kläsi, Fachverantwortliche Jugend, ausführt: «Wir hatten bislang keinen ebenerdigen Raum, der geeignet gewesen wäre für ein solches jugendgerechtes Angebot.» Eröffnet werden kann der offene Jugendtreff dort, wo sich noch bis vor kurzem die Ludothek befand. «Damit ergab sich für uns eine völlig neue Ausgangslage.»

Ebenerdigkeit ist für ein niederschwelliges Angebot deshalb wichtig, weil sich Jugendliche eher hineintrauen würden, erklärt Kläsi: «Das ist besser, als wenn sie in den Gängen plötzlich auf Seminarteilnehmer in Anzügen stossen.» Und so befindet sich der Jugendraum im Parterre des Alten Spitals, zugänglich via Eingang des Hotels. Gerade um eventuelle Reibungsflächen im Zusammenhang mit dem Hotelbetrieb zu vermeiden, habe man auch schon Gespräche mit dem Hotel-Betriebsleiter geführt.

Partizipation gross geschrieben

Mit dem Treff zeigt sich Jugendarbeit des Alten Spitals noch offener als bislang. Geprägt vom Projektcharakter, oft nicht ohne Anmeldung oder in Zusammenarbeit mit Schulen, habe man lediglich kurze Kontakte zu Jugendlichen knüpfen können. «Wenn man sich nur einmal im Jahr bei einem Projekt trifft, ist es schwer, Beziehungsarbeit zu betreiben», so Kläsi. Umgekehrt könne man durch vertiefte Beziehungen auch die partizipative Projektarbeit fördern.

Partizipation, also aktive Teilnahme, ist denn auch A und O im neuen Jugendtreff. So zielt das Projektkonzept darauf ab, dass Jugendlichen den Raum kennen, ihn besuchen und letztlich auch aneignen und mitgestalten. Damit ist der Raum bewusst nicht fertig ausgestaltet - das soll den Jugendlichen überlassen werden. Gross geschrieben wird insbesondere der Miteinbezug unterschiedlicher Gruppen, hinsichtlich Alter, Herkunftsgemeinde, Nationalität, Interessen und Geschlecht. So sollen spezifische Mädchen- und Buben-Angebote ebenfalls Platz haben.

Neben der Möglichkeit zur Mitwirkung ist der Treff auch Plattform für weitere Angebote. Ein jugendlicher Besucher kann sich hier mit Informationsmaterial über Themen aus seiner Lebenswelt eindecken oder gar ein niederschwelliges Beratungsangebot in Anspruch nehmen. «Wir können dann die entsprechende Triage an Fachstellen bieten, mit denen wir vernetzt sind», so Kläsi. Auch besteht vor Ort die Möglichkeit, im Internet zu surfen oder - auch betreut - sich auf diesem Weg auf Lehrstellensuche zu begeben.

Neuland für Team und Jugendliche

Betreut wird der Treff von Barbara Kläsi, sowie den Jugendarbeiterinnen Carmen Fraefel und Melissa Pfister, der Praktikantin Lea Melikjan und dem Jugendarbeiter Christof Ochsner, der ab Mitte Oktober neu ins Team einsteigt. «Das Pilotprojekt ist ein Experiment und damit sowohl für uns als auch für die Jugendlichen Neuland», sagt Kläsi. Entsprechend habe man die Werbetrommel im Vorfeld geführt, an den Schulen und bei Besuchern der sonstigen Jugendangebote. «Wir rechnen nicht beim ersten Mal mit einem vollen Treff.» Bis zum Ablauf des Projektjahres bestreitet das Alte Spital den Aufwand für den offenen Treff mit eigenen Mitteln. «Falls er sich in dieser Zeit bewährt, werden wir uns danach aber sicher Gedanken über externe Finanzierungsmöglichkeiten machen.»

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