Barracuda-Party
Zeitreise in eine neonfarbige Jugend

Der Club Eleven reanimierte die legendäre Party und entfachte das Feuer der 80er-Jahre-Feten neu. Es war eine richtige «Klassenzusammenkunft», kein plumpes Revival.

Christoph Neuenschwander
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Die 80er Jahre sind zurück: Die Barracuda-Party im Club Eleven in Solothurn
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Barracuda-Disco im Club Eleven
Barracuda-Disco im Club Eleven
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Barracuda-Disco im Club Eleven
Barracuda-Disco im Club Eleven

Die 80er Jahre sind zurück: Die Barracuda-Party im Club Eleven in Solothurn

Maddalena Tomazzoli Huber

Die 80er-Jahre, das Jahrzehnt der Neonfarben, Synthesizer und wild gestylten Haare: unlängst von Musik- und Mode-Industrie bruchstückhaft kopiert, aber niemals erreicht. Um zu verstehen, wie sich die Zeit der Leggins und Stulpen, der New Wave, postapokalyptischen Filme und Glam-Rockbands, der Dauerwelle und des Vokuhila wirklich angefühlt hat, muss man sie wohl selbst erlebt haben. Neuaufführungen jedweder Art des vermutlich schrillsten Jahrzehnts der Menschheitsgeschichte, so möchte man meinen, fehlt es zwangsläufig an Authentizität.

Dennoch hat es sich der Club Eleven zum Ziel gesetzt, ein ganz besonderes Phänomen jener Zeit zu reanimieren. Und dies mit erstaunlichem Erfolg: Nach dem Motto «Relight my Fire» soll den legendären «Barracuda»-Partys, Mittelpunkt des 80er-Jahre-Teenager-Daseins manch eines Solothurners, nicht nur gebührend Tribut gezollt, sondern neues Leben eingehaucht werden. Das Rezept: kein plumpes Revival für jüngere Generationen, sondern eine «Klassenzusammenkunft», wie «Eleven»-Manager Markus Moerler es nennt, für die Kids von damals.

Lebensgefühl einer Generation

Mit von der Partie waren dementsprechend die Gründer und DJs der ursprünglichen Party-Serie. Die meisten waren bloss zu Gast; die «Barracuda»-DJs Turner und Dänu Stampfli hingegen legten selbst Hand an beziehungsweise Platten auf. Für dieselben Leute wie schon vor 30 Jahren – nur sind diese nun eben an einer Ü30- und nicht mehr an einer Ü16Fete, wie einst im Solothurner Konzertsaal.

Angefangen hat damals alles mit Markus Flury und seiner Leidenschaft für selbst gebastelte Lautsprecher. «Er war das Oberhaupt, hat Pläne für Boxen und Lichtanlagen gezeichnet und uns gezeigt, wie man die zusammenbaut», erinnert sich Mitbegründer Iwan Pfyl. «Dann haben wir die Partys gestartet, erst privat im ‹Altwyberhüsli›, später im ‹Schwanen›. Und als es uns dort zu klein wurde, haben wir die Stadt Solothurn kontaktiert und die haben uns den Konzertsaal zur Verfügung gestellt.»

Fast so gut wie einst

Angedauert hat die originale «Barracuda»-Serie von 1979 bis 1992. Sie hat die Disco-Welle der späten 70er nach Solothurn gebracht. «Barracuda» ist ein Meilenstein in der Entwicklung der Solothurner Ausgangsszene und der Inbegriff des Lebensgefühls einer ganzen Generation. Einer Generation, freilich, die noch genauso in Party-Laune ist wie früher: Für den «Relight My Fire»-Event am Samstagabend (der schon drei Wochen vorher ausverkauft war) wurden Kurzhaarfrisuren wieder mit Gel aufgestellt und Lederjacken vom Dachboden geholt; nach den ersten beiden Synthesizer-Tönen von Van Halens «Jump» warfen alle die Hände in die Luft und kreischten, bei «Livin’ on a Prayer» und «The Final Countdown» wurde herzhaft mitgesungen und zu «Purple Rain» verliebt geschwoft.

«Ist das nicht wunderschön?», fragte Moerler und liess seinen Blick über die eng umschlungen tanzenden Paare schweifen. «Das findet man heutzutage sonst an keiner Disco mehr. Alle sind in eine andere Zeit versetzt, verhalten sich wie damals.» Doch kommen die «Relight my Fire»-Partys wirklich an die echte «Barracuda»-Erfahrung heran? «Nein», findet Pfyl. «Schon deswegen nicht, weil wir alle 30 Jahre älter sind und sich der Event im ‹Eleven› somit an eine ganz andere Altersgruppe richtet.»

«Stolz, dass ich damals dabei war»

Auch für Alex Wayne, der als DJ ebenfalls von Anfang an bei «Barracuda» mitgemischt hat, ist die Atmosphäre von heute nicht mehr dieselbe. Was fehlt, ist vor allem das Werkeln: «Wir haben uns früher getroffen und an den Boxen und dem Licht gearbeitet», erinnert er sich. «Da wurde gelötet, geschweisst, geschraubt, lackiert – alles Mögliche. Das Material haben wir im Keller des Konzertsaals gelagert. Vor Partys haben wir jeweils den ganzen Tag lang das Equipment hochgeschleppt und den Saal dekoriert. Wenn ich so zurückdenke, bin ich stolz, dabei gewesen zu sein.»

Doch auch die «Relight my Fire»-Party hat für Wayne etwas Besonderes: «Ich treffe Leute, die ich jahrelang nicht mehr gesehen habe. Und dass es solche Revival-Partys gibt, stellt einen natürlich auf.»

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