Eine halbe Stunde vor Beginn sind die besten Plätze mit Jacken, Schals und Krücken – Kultur geht vor – besetzt. Das Programm der 17. Mundartnacht ist vielversprechend. Moderatorin Rösi Hörler, der am Ende wie folgt bedankt wird «Ich habe sie zwar nicht immer verstanden, aber es hat sympathisch getönt», führt souverän durch den Abend. Die ehemalige Slam Poetin aus dem Appenzell hat für die Anmoderation die Lieblingsdialektwörter der auftretenden Künstler in Gedichte verpackt.

«Miesche» ist Marco Gurtners Lieblingsdialektwort. Kaum auf der Bühne «mieschet» er die Lachmuskeln des Publikums mit seinen Geschichten. Der Berner erzählt von seinem letzten Auftritt im Kofmehl, als er ein echtes «Büsi» im Publikum sah.

Auch diesmal schleicht eine getigerte Katze zwischen den Beinen der Besucher im Publikum umher. Wenn der amtierende Schweizer Meister Slam Poet so richtig in Fahrt kommt, sieht das Publikum sein Gesicht nicht immer, weil er sein Textblatt davor hält. Trotzdem ist fast jeder Satz ein Lacher.

Spoken Word und Kabarett

Dominic Oppligers Programm ist ein starker Kontrast dagegen. Der Zürcher Spoken Word Artist kommt auf die Bühne, installiert ein altes Tonband und verschwindet nach dem er den Playknopf gedrückt hat. Das anfänglich irritierte Publikum belustigt sich an der tragisch komischen Erzählung darüber, wie er zu seinen violetten Hosen kam.

Ohne seinen musikalischen Begleiter Robi Rüdisüli tritt Markus Schönholzer auf. Mit der akustischen Gitarre singt der Zürcher zunächst über Banalitäten. Das amüsierte Publikum wird mit einem gesellschaftskritischen Ende überrascht. Nach diesem Musikkabarett betritt im dunklem Anzug und Krawatte Christoph Simon die Bühne.

Der Gewinner des Kleinkunstpreises Salzburger Stier überzeugt das Publikum mit seinem bitterbösen Sarkasmus. Ähnlich Sarkastisch aber weniger böse erzählt der Basler Slam Poet Gregor Stäheli von seiner Liste von Dingen, die er hasst. Als er dabei zu den alltäglichen Peinlichkeiten übergeht, pflichtet ihm das Publikum lachend bei.

Die körperbetonte Darstellung von InterroBang, dem Duo Valerio Moser und Manuel Diener, endet mit Dankesreden fürs Fussball, Tennis bis Curling und schliesslich für den Poetry Slam. Für diese Kunstform bedanken sie sich dafür, «Mobbingopfern eine Bühne zu geben.»

Blackout und Slam-Zugabe

Der gebürtige Inder Vivek Sharma alias Vive le Charme erklärt den Zuschauern ausführlich poetisch und philosophisch angehaucht, wie schwierig es ist eine Steuererklärung auszufüllen. Noch bevor er seine Sätze zu Ende spricht, kommen die Lacher.

Als einzige Frau tritt Rebekka Lindauer auf. Mit dunkler Mähne, Mantel und einer Retrogitarre ist sie auf der Bühne. Es folgt ein wortreiches und musikalisches Bashing gegen Funktionskleider sowie ihre Träger. Wobei sie dazwischen gekonnt einen Blackout mit den Worten «Zum Glück war es kein Schlaganfall» überwindet. Mit der Zugabe geben die drei Slam Poeten Gregor Stäheli, Marco Gurtner und Christoph Simon ihre Künste zum Besten und lassen kein Auge trocken.

Zufrieden wird das Kofmehl verlassen. Draussen sieht man den Berner Marco Gurtner auf einem dunklen Rennvelo wegfahren. Während man die Darbietungen im Geiste abklingen lässt, freut man sich über die ehemaligen Mobbingopfer, die zum Glück auf der Bühne ihre Heimat gefunden haben.

Ausstrahlung im Radio Ein Querschnitt der 17. Mundartacht wird am Mi, 8. Mai, um 20 Uhr im Radio SRF 1 ausgestrahlt.