Fabrik in Solothurn

Ypsomed kaufte die «Baracke», wo eine Moschee geplant war

An der Grenchenstrasse steht eine alte, leere Fabrik, in der Nachbarschaft auch «Baracke» genannt. Die türkisch-islamische Stiftung in Zürich hatte sie für ein Moschee-Projekt erworben. Daraus wurde nichts, neue Eigentümerin ist nun die Ypsomed AG.

Sie verlotterte zusehends, die alte Fabrik an der Grenchenstrasse 22. Dabei hatte es einmal grosse Pläne um sie gegeben: Vor genau vier Jahren wurde bekannt, dass die Türkisch-Islamische Stiftung Zürich das Gebäude erworben habe und ein Zentrum für den Solothurner Kulturverein Anadolu-Helvetia geplant sei. Dann aber wurde es um das Vorhaben still, jahrelang. Der damalige Décolletage-Betrieb war schon im Sommer 2015 ausgezogen, seither stand die Fabrik mehr oder weniger leer. Bis die benachbarte Ypsomed AG auf den Plan trat. Ihr CEO, Simon Michel bestätigt nun: «Ja, wir haben das Gebäude erworben.»

Ausbaupläne in Solothurn

Bekannt ist, dass die Ypsomed AG als Entwicklerin und Herstellerin von Injektions- und Infusionssystemen gegen Diabetes in Solothurn auf Ausbaukurs ist. «Wir werden in den nächsten 12 Monaten deutlich über 100 Stellen in Solothurn aufbauen. Zu 90 Prozent handelt es sich um Bürostellen», steckt Simon Michel die Ypsomed-Ziele in Solothurn ab, wo das Unternehmen aktuell schon 350 Personen beschäftigt – und in Grenchen weitere 90.
So ist vor allem das Ensemble von der Grenchenstrasse entlang der Ziegelmattstrasse hinauf innen eine grosse Baustelle, um notwendigen Platz für die Personal-Aufstockung zu schaffen.

Im sogenannten Haus 1 vorne an der Grenchenstrasse hat die Ypsomed im Unter-, Erdgeschoss und ersten Stockwerk mit der Spitex Region Solothurn einen langjährigen Mieter zur Hand, «und das wird langfristig auch so bleiben», meint Simon Michel. «Wir werden dort die Stockwerke 2 bis 7 belegen. Das Gebäude kann im Mai bezogen werden.» Im zentralen Haus 5 sollen bis Ende Jahr neben dem Empfang fünf Stockwerke renoviert werden; im nördlichen Haus 2 bleibt die Firma Mitel beheimatet.

Fabrik wird abgerissen

Vor dieser Dreierkette an Bauten steht die alte Décolletage-Fabrik, deren Anblick auch Simon Michel stört. «Wir hoffen, sie möglichst rasch, bereits im Mai, abreissen zu können.» Sei doch das dortige Gelände quasi das «Einsgangs-Tot» zum Ypsomed-Areal. Der ehemalige Décolletage-Betrieb ist verantwortlich für eine «kleinere Bodenreinigung», die laut Michel Kosten von etwas 150 000 Franken verursachen dürfte. Dann soll das geräumte Areal fürs erste – vielleicht für zwei Jahre – als Parkplatz und Pausenplatz für die angewachsene Ypsomed-Belegschaft umgestaltet werden.

Und eine Vision

Zu einem späteren Zeitpunkt könnte sich der CEO der Ypsomed auf dem Areal der ehemaligen Fabrik ein Kongresszentrum mit Sitzungszimmern und einem Auditorium vorstellen. «Es ist erst eine Idee. Wir haben noch nichts budgetiert», hält Simon Michel zur Idee eines «Ypsomed-Forums» fest. Denn in Solothurn gebe es nicht genug geeignete Konferenzräume für die Bedürfnisse des Unternehmens – «wir haben wenig Möglichkeiten, Gäste zu empfangen.»

Vorläufig kein Moschee-Ersatz

Bei den Kauf-Verhandlungen mit der Türkisch-islamischen Stiftung in Zürich habe es keine Probleme gegeben, «es waren sehr anständige Leute», weiss Simon Michel. Die Verkaufsabsicht der Stiftung sei wohl auf Auflagen zurückzuführen, die sich beim geplanten Bauvorhaben als unerfüllbar erwiesen hätten, spricht Michel insbesondere Parkplatzprobleme an – offenbar auch für die Ypsomed ein kostbares Gut, denn «wir bauchen unsere Parkplätze selber.»

Nach dem Kauf 2015 hatten sich die Verantwortlichen in Zürich ebenso wenig zum Projekt aus der Reserve locken lassen, wie die Vertreter des hiesigen Kulturvereins Anadolu-Helvetia. Immerhin bestätigte die damalige Vizestadtpräsidentin Barbara Streit, dass sie im Kontakt mit Solothurner Vereinsvertretern die Pläne an der Grenchenstrasse eingesehen habe.

Und der damalige Untermieter in der Fabrik meinte, es gehe primär darum, mehr Platz und Ersatz für die zu eng gewordene Moschee in Zuchwil zu schaffen. Das 1980 als kleine Kopie der Fatih-Moschee in Istanbul erbaute Gebetshaus am Holunderweg existiert noch heute und wird jeweils von rund 200 Gläubigen zum Freitagsgebet aufgesucht. Ein Baugesuch für eine neues Kulturzentrum, Gebetshaus oder eben eine Moschee an der Grenchenstrasse 22 wurde jedoch in all den Jahren offiziell nie eingereicht.

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Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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