Architekturforum. Der doppeldeutige Titel des Anlasses mit Daniel Laubscher «Zukunft findet Stadt!» weist bereits auf die Komplexität des Berufes Stadtplaner hin. Daniel Laubscher, ehemaliger Stadtplaner von Solothurn und jetzt Leiter Fachstelle Raumplanung bei der Regionalkonferenz Bern Mittelland, wurde bereits vor einigen Jahren angefragt, ob er im Architekturforum seine Tätigkeit vorstellen möchte. Er hat den Denkprozess jetzt abgeschlossen und verzichtete auf ein eigentliches Referat.

Er liess sich nämlich vom Präsidenten des Architekturforums, Thomas Steinbeck, in Form eines erstellten Drehbuches interviewen. Dabei widerlegte er die bei einigen Leuten vorhandene Meinung, dass ein Stadtplaner im Büro eigentlich nur Däumchen drehe und man ihn leicht auch entbehren könne. Stadtplanung heisst nicht einfach das Planen von Bauten, Verkehrswegen und öffentlichen Plätzen. Es gelte vielmehr auch die gesellschaftlichen Gegebenheiten und allenfalls Entwicklungen im Auge zu behalten. Die Zeiten des Absolutismus seien vorbei, wo einer die Umsetzung einer geplanten Stadt befehlen konnte.

Zurück zur Stadt

Auch die Thesen eines Le Corbusier sind überholt. Den eingesetzten Trend zurück zur Stadt findet Laubscher gut. Die Zersiedelung der Landschaft ist nicht mehr gefragt. Laubscher hält das bereits in den 50er Jahren erschienene Buch von Lucius Burckhardt, Max Frisch und Markus Kutter «Achtung: die Schweiz» für aktueller denn je mit Sätzen wie «Der Architekt ist nicht der Gestalter der Gesellschaft». Schon damals wurde der Ruf nach Innenentwicklung laut in dem Sinne, dass sich die Gemeinwesen nach innen zu entwickeln haben. Ein Stadtplaner muss interdisziplinär denken, muss die Anliegen der Betroffenen kennen und einen seiner Meinung nach idealen Plan aufstellen. Ob dieser dann in die Realität überführt werden kann, liegt bei den politischen Gremien und den Geldgebern.

Das Problem heisst Mobilität

«Die Erfindung des Autos hat die Stadtgestaltung wesentlich beeinflusst», ist sich Laubscher sicher. Es gebe immer noch Politiker, welche dem Verkehrsaufkommen mit mehr Autobahnen oder häufigeren Zugsverbindungen gerecht werden wollen, dabei sei ganz klar und erwiesen, dass dies nur noch mehr Verkehr fördert. Wenn in dieser Frage nicht umgedacht werde, hätten wir in der Schweiz bald chinesische Verhältnisse. Es müsse insofern ein Umdenken stattfinden, dass Wohn- und Arbeitsort sich wieder annähern, so dass dieser Weg zu Fuss oder mit dem Velo bewältigt werden kann. Dabei hilft, dass die Leute wieder vermehrt vom Land in die Stadt ziehen. Die Idylle vom Einfamilienhaus auf dem Lande hat an Strahlkraft eingebüsst.

Was bedeutet das für Solothurn?

Das Frage-und-Antwort-Spiel von Laubscher und Steinbeck basierte auf grundsätzlichen Überlegungen und Laubscher betonte zu Beginn, dass er nicht über Solothurn sprechen möchte. Das sahen allerdings die Anwesenden anders. In der Diskussion stand eindeutig die Stadtentwicklung von Solothurn im Vordergrund. Im ausgehenden 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden durch gescheite Planung Neu-Solothurn und das Westringquartier gestaltet und zwar so, dass sie heute noch Gültigkeit hat.

Daran gelte es heute anzuknüpfen und möglichst so, dass die Planung nicht an der Stadtgrenze Halt mache. Indessen sei der gesellschaftlichen Entwicklung Rechnung zu tragen. So wurde denn aus dem Publikum das Anliegen laut, dass sich die Planung nicht einfach auf das Ausrichten von Informationsveranstaltungen zu beschränken habe, sondern dass auf die Leute zugegangen wird und sie sich vor der eigentlichen Planung zu Wort melden und ihre Wünsche und Anliegen einbringen können.