Solothurn

Wonach die Menschen «plangen»: «Supersieche» taufen ihr viertes Album

Letzte Proben in Deitingen (v. l.): Dülu Dubach, Thomi Christ, Michael Leuenberger und Tobi Knuchel geben alles.

Letzte Proben in Deitingen (v. l.): Dülu Dubach, Thomi Christ, Michael Leuenberger und Tobi Knuchel geben alles.

Dülü Dubach und seine «Supersieche» taufen das vierte Album und gehen den Sehnsüchten, den Begierden, dem Hunger nach.

Es ist nicht verwegen, die Band Supersiech zum festen Kulturinventar der Region Solothurn zu zählen. Dass sie jüngst an der Fête des Vignerons in Vevey den Kanton und an der Heilbronner Bundesgartenschau die Stadt Solothurn mit ihrem Mundartsound vertreten durften, spricht auf alle Fälle für Dülü Dubach (Gesang und Akkordeon), sowie für Michael Leuenberger (Kontrabass), Thomi Christ (Tasten und Gitarre) und Tobi Knuchel (Schlagzeug und Perkussion).

Supersiech beim Auftritt an der Fête des Vignerons

Supersiech beim Auftritt an der Fête des Vignerons

«Ein diffuses Gefühl» auf den Punkt gebracht

Ihre nächsten Meilensteine folgen auf dem Tritt: die Single «Plange», die vor einigen Tagen auf den Markt geworfen wurde, und das gleichnamige vierte Album, das diesen Freitag und Samstag im «Kreuz» getauft wird. «Plange» heisst die Platte. «Plange» ist auch auch das Mundartwort, das sich mit «Sehnsucht», «Suche», «Hunger», «Begierde», «Verlangen» wohl erfassen lässt, aber nur stückchenweise.

Die Solothurner Band Supersiech beim Proben für die Plattentaufe

Supersiech beim Proben für die Plattentaufe

«Ein diffuses Gefühl, das latent immer vorhanden ist», umschreibt es Dülü Dubach. Und das Album erkundet das Wort mit seinen unterschiedlichen Facetten und bringt es besser auf den Punkt als jede Definition. Einmal ist es die zerstörerische Femme Fatale oder die liebevoll umgarnte Dame, nach der man «planget». Oder dann ist es die Suche nach jenem Menschen, der man gerne selber wäre. Oder das Warten auf etwas, von dem man selbst noch nicht weiss, was es ist. Und das Titelstück «Plange» wird zur ganz persönlichen Nummer von Dülü. «Dieses Thema habe ich lange mit mir herumgetragen. Und entsprechend lange dauerte es, bis der Text dazu stand.» Dann wieder wendet sich das Quartett «leichteren» Themen zu; wie dem Schicksal des Vini-Kochs, der in einer Nummer ebenfalls gewürdigt wird. Oder – wie in «Coopodermigros» – dem alltäglichen Murks beim Treffen von Entscheidungen. Für sich selbst spricht die Nummer «Let the bon Temps rouler», frei übersetzt mit «Los loh, fädere, sädere, tschädere!»

Interview mit Dülü Dubach über das neue Album

Dülü Dubach spricht über das neue Album von «Supersieche»: «Fans können echten Sound erwarten.»

Schwere Themen in leichten Klängen

Musikalisch trifft man auf den altbekannten «rumpligen» und doch belebenden «Supersiech»-Sound, der sogar schwere Themen in leichte Klänge zu hüllen vermag. Das Album nimmt seinen Hörer in verschiedene musikalische Ecken mit und lässt ihn in die Stimmung des Ortes eintauchen. Ohne dass man das gewisse Etwas, das jeden einzelnen Song ausmacht, auch nur im Ansatz mit dem Kopf begreifen, dafür aber mit Bauch und Herz erahnen kann.

Und die süss-bittere Tristesse, mit der die Band ihre Instrumente tanzen und weinen lässt, spiegelt sich diesmal auch auf dem von Reinhard Fluri gestalteten Album-Cover wider. Ein Pirol – erst auf den zweiten Blick zu erkennen – sitzt auf einem Traktor und blickt sowohl in die Weite als auch in den Abgrund. Als Hobby-Ornithologe weiss Dülü Dubach um den melancholischen Ruf, der dem Vogel anhaftet.

Produziert wurde das Album in den Nachklang Studios von Bandmitglied Thomi Christ, der beim Mixing und Mastering «einen sagenhaften Job» gemacht habe. Erstmals produzierten «Supersiech» ein Album live, was so viel heisst, dass der Bandklang als Ganzes und nicht die Instrumente einzeln aufgenommen wurden. Allerdings befanden sich die Bandmitglieder in separierten Räumen. «Das war am Anfang zwar seltsam», erinnert sich Dülü. «Doch ich möchte es nicht mehr missen. Wir spielten so gut zusammen, wie wenn wir nebeneinander auf der Bühne stehen würden.» Was zu beweisen war: Eine Band, die sich im wahrsten Sinne blind versteht. Kein Wunder: Seit 2010 musizieren «Supersiech» in dieser Form zusammen, vorher existierten sie als «wild waberndes Gemenge», wie Dülü es formuliert.

Und während er als Mastermind der Gruppe Text, Musik und Akkorde liefert, gedeihen die Songs erst durch die gemeinsame Bearbeitung der vier Multiinstrumentalisten bei Dülü zu Hause zu Gesamtkunstwerken. Er selbst schätzt es, mit professionellen Kollegen mit gutem Gespür zusammenzuarbeiten, die nicht so schnell eine Fünf gerade sein lassen. «Ich selbst bin eher ein Fatalist und gebe mich schneller zufrieden. Unter dem Strich gibt dies einen gesunden Schmiss.»

«Auf dem Plan steht: Freude haben.»

Vorerst wird erst einmal mit der neuen Scheibe getourt, erklärt Dülü. Das Einzugsgebiet der «Supersiech»-Fans erstreckt sich über die ganze Deutschschweiz. Und das langfristige Ziel klingt noch einfacher: «Auf dem Plan steht: Freude haben. Uns geht es einfach ums Spielen, in kleinen wie grossen Lokalen, vor jeder Zielgruppe, sodass es den Leuten nach dem Konzert besser geht als vorher.»

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