Solothurn
Wohngruppe eingerichtet: Es kommt Leben in die Villa Steingrube

Das Discherheim hat am Montag im Steingrubenquartier eine Dependance mit einer Wohngruppe für acht Personen bezogen.

Hans Peter Schläfli
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Villa Steingrube, Dependance des Discherheims
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Villa Steingrube, Dependance des Discherheims

Hans Peter Schläfli

Während die Handwerker noch den Badezimmern den letzten Glanz verliehen, schob eine der Klientinnen des Discherheims, die ab sofort in der Villa Steingrube lebt, am Montag helfend eine Schubkarre im Garten hin und her. Nur die Matratze in ihrem Zimmer musste noch von der Plastikhülle befreit und mit Bettzeug bezogen werden, dann war am Nachmittag auch das Zimmer eingerichtet, das nun für viele Jahre der Lebensmittelpunkt der Frau sein wird.

Die frühere Fabrikantenvilla im Steingrubenquartier bietet Platz für acht Klienten des Discherheims und für das Betreuerteam, das sich hier rund um die Uhr um die Menschen mit speziellen Bedürfnissen kümmert. Zudem hat es einen grossen Freisitz und zwei schöne Gärten mit alten Bäumen, wo sich die Klienten frei bewegen können. «Wir haben die Leute sehr langsam auf den Umzug gewöhnt, denn viele unserer Klienten haben Angst vor Veränderungen», erzählt Kym Siegenthaler, der in der Villa Steingrube die Verantwortung trägt. «Wir haben uns den Umbau ab und zu mit ihnen angeschaut und sie so mental auf den Umzug vorbereitet.»

Eine sanfte Renovation der Fabrikantenvilla genügte

«Viel Platz ist der Schlüssel, wie wir den Menschen, die manchmal schwierige Verhaltensweisen zeigen, eine bessere Lebensqualität ermöglichen können.» So beschreibt Stephan Oberli als Gesamtleiter des Discherheims das Konzept, das hinter der Villa Steingrube steht. «Wenn es unsere Klienten wünschen, können sie sich hier aus dem Weg gehen. So entstehen weniger Konflikte, als wenn sie eng aufeinander leben müssten.»

«Die Erbengemeinschaft als Besitzerin der Villa zeigte viel Verständnis für unser Anliegen», erklärt Oberli, wie es zum Kauf der Immobilie gekommen ist. Der Preis sei vermutlich für die Verkäufer nicht das einzige Argument gewesen. «Sie wollten wohl nicht, dass ihre Villa abgerissen und durch eine Renditebaute ersetzt wird. Da für die bestehende, grosszügige Raumaufteilung perfekt ist, genügte uns eine sanfte Renovation.» Sogar das schöne, hölzerne Türblatt des Haupteingangs konnte für den neuen Eingang verwendet werden. Finanziert werden der Kauf und der Umbau durch die Stiftung Discherheim.

Zwei Wohngruppen werden jetzt verkleinert

Nach der Aussenwohngruppe an der Weissensteinstrasse ist die Villa Steingrube nun die zweite Dependance des Discherheims. Trotzdem sei vorläufig nicht geplant, die Gesamtzahl von derzeit 70 Klienten zu erhöhen. «Wir nutzen den freigewordenen Raum, um neue Strukturen und Abläufe einzurichten. Zwei Wohngruppen werden von acht auf fünf Personen verkleinert, damit wir auch ihnen etwas mehr Raum und Privatsphäre bieten können.»

Die Nachfrage nach Plätzen für Menschen mit speziellen Bedürfnissen werde aber weiter steigen, meint Oberli. «Es zeichnet sich ab, dass es in Zukunft vor allem mehr Plätze für Personen mit Verhaltensauffälligkeiten brauchen wird. Das Discherheim will sich nachhaltig als Anbieterin in diesem Segment positionieren.»