Haltestelle Brühl
Wo Zug, Bus und Velo sich begegnen sollen

Kanton und Stadt informierten gestern Abend über das neue öV-Angebot in der Weststadt. Mit neuem Rollmaterial, einem Haltestellenabstand von je einem Kilometer und einem verdichteten Fahrplan sollen Stadbahn-ähnliche Verhältnisse entstehen.

Wolfgang Wagmann
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Ab 2014 halten die Züge hier
6 Bilder
Die Haltestelle ist schon ausgesteckt
Die neue Haltestelle von Sueden aus
Neue SBB-Haltestelle in Solothurn
Noch fahren die Züge durch
Die Unterführung ist das Herzstück der Haltestelle

Ab 2014 halten die Züge hier

Solothurner Zeitung

Sehr gut besetzt war gestern Abend die Aula des Schulhauses Brühl: Die neue, gleichnamige Bahnhaltestelle stiess auf grosses Interesse. Und eigentlich auch nicht auf Fundamental-, aber doch auf Detailkritik.

Das 10,3-Mio.-Bauwerk, an das Bund und Kanton je 4 Mio., die Stadt 2,3 Mio. Franken beisteuern, ist ein Bestandteil des Agglomerationsprojekts Solothurn, das unter anderem neben der neuen Haltestelle in der Weststadt auch die Verschiebung des Bahnhofs Bellach Richtung Osten zu den Grederhöfen vorsieht. «Das sind Schlüsselprojekte des Programms. Sie sind in der höchsten Kategorie, und darum beteiligt sich auch der Bund daran», erklärte Stefan Gantenbein, stv. Kantonsingenieur. Ludwig Dünbier, Bahnexperte des Amts für Verkehr- und Tiefbau, verwies auf die Voruntersuchungen und Überprüfungen aller Haltestellen im Kanton, wobei «die neue Haltestelle Brühl und Bellach am besten abgeschnitten haben.»

Mit neuem Rollmaterial («Flirt»-Züge), einem Haltestellenabstand von je einem Kilometer und einem verdichteten Fahrplan vor allem am Wochenende gebe es «Stadtbahn-ähnliche Verhältnisse» und damit bestimmt höhere Frequenzen, prophezeite Dünbier. Ein anwesender SBB-Spezialist veranschlagte mittelfristig ein Aufkommen von 1000 Bahngästen täglich an der Haltestelle.

Kein «Park and Ride»

Stadtplaner Daniel Laubscher pries vor allem die optimale Anbindung von öV und Langsamverkehr an das Projekt Weitblick, die von der Stadt mittelfristig geplante Überbauung beidseits der Westumfahrung. Wie ein «Häftlimacher» habe sich die Stadt aber bei der Haltestelle gegen ein Park-and-ride-Angebot wie beim Westbahnhof gewehrt. So würden nur drei Kurzeitparkplätze, zur Erheiterung des Publikums «Kiss & rail» genannt, angeboten. Dagegen wird die Buslinie 6 - heute bis zum Sonnenpark fahrend - bis zur neuen SBB-Haltestelle verlängert und erhält südseitig einen neuen Wendeplatz.

Thomas Müller, Gesamtprojektleiter SBB, kam nun zu den Details der Station: Zwei Perrons von je 160 Metern Länge und 2,5 Metern Breite ermöglichen im Norden die Fahrt Richtung Solothurn, im Süden Richtung Biel. Nördlich der Unterführung sind 44 überdachte Veloabstellplätze geplant, südlich nochmals rund 80. «Das Ganze soll möglichst transparent wirken, deshalb werden die Lärmschutzwände, die auch im Haltestellenbereich geplant sind, aus Glas sein», so Müller. Zur Bauzeit ergänzte er, dass nach der Projektierung die Hauptarbeiten zwischen dem August 2012 und Mai 2013 stattfinden würden, die Nebenarbeiten dann bis zur Inbetriebnahme auf den Fahrplanwechsel Ende 2013. Die lange Phase der Nebenarbeiten erklärte Müller damit, dass nur jeweils eine Langsamfahrstelle von maximal 80 km/h zwischen Biel und Solothurn gestattet sei - eine Massnahme, die jedoch auf dieser Strecke gleich drei Baustellen betrifft: jene von Bözingen (neu) , von Bellach (Verlegung) und eben des «Brühls».

Der enge «Chänel»

Die Diskussion wurde rege geführt, und die Fragen- wie Kritikpalette reichte weit. Wie gut hört man die Lautsprecher? Diese würden nur in speziellen Situationen eingesetzt und nachts «zurückgefahren», beruhigten die SBB-Vertreter. Warum ist die Fussgängerspur rot, wenn sonst überall die Velospuren in dieser Farbe angelegt sind, fragte etwas entgeistert eine Anwesende. Stadtplaner Laubscher entgegnete, das sei ein ganz anderes Rot - was Stimmen laut werden liess, die Velos hielten sich ohnehin an keine Farben. Das Sprayerproblem wurde angetippt, doch die Hauptkritik galt dem engen «Chänel», der durch die Zugangsrampen und Veloabstell-Plattformen entstehe. Überall in der Weststadt müsse man «ungedüre», in den Unterführungen sei es «gruusig», wieso werde beidseits nicht angeböscht, so der Tenor. Dem hielten die Planer eine gute Beleuchtung, die Transparenz durch die erwähnten Glaswände und die Notwendigkeit der Rampen entgegen. Zuletzt appellierte Repla-Präsident Johannes Friedli, «das Positive» zu sehen - und erhielt dafür kräftigen Applaus.