Es ist das Flaggschiff der Solothurner Hotellerie - und das mit Abstand beliebteste Haus am Platz. Geht es nach der Rangliste der Internetseite Tripadvisor, kommt kein Hotel am Ramada vorbei.

79 Gäste haben das Viersternehaus bisher bewertet, 26 fanden es «ausgezeichnet», lediglich einer «mangelhaft». Gar 168 Gäste haben auf der Seite Booking.com übers Ramada geschrieben. Online-Guides wie Tripadvisor werden bei Touristen immer beliebter, um sich über das Reiseziel schlau zu machen. Ist es sauber? Schmeckt das Essen? Ist das Servicepersonal freundlich? Dabei werden Hotels, Restaurants oder Sehenswürdigkeiten bewertet.

So schreibt etwa «butzi924» aus Lugano übers Ramada: «Tolles Haus, tolle Location, ungenügende Wartung». Weil die Klimaanlage ausgestiegen war und die Fenster nicht geöffnet werden können, schwitzte «butzi» im Zimmer Mitte Juni bei 27 bis 28 Grad. Prompt schrieb Ramada-Direktor Daniel Siegenthaler einen Kommentar mit dem Hinweis, «die Dinge bald wieder in Ordnung zu bringen».

Siegenthaler kommentiert praktisch jeden Eintrag, der auf einer Gästebefragungsplattform getippt wird - sei er nun positiv oder negativ. Denn er ist überzeugt: «Viele Buchungen gehen aufgrund dieser Bewertungen ein.» Beantworte man die Einträge persönlich, fühlten sich die Gäste ernst genommen.

Verriss aus New York

Weniger Gewicht misst man den Bewertungsplattformen im «Kreuz« bei. Das Haus belegt den letzten Rang von 13 bewerteten Hotels in Solothurn - wobei die Statistik zu relativieren ist. Gerade einmal 5 Gäste haben eine Bewertung abgegeben; ein einzelner Verriss zieht das genossenschaftlich geführte Gasthaus arg runter.

So fand ein Gast aus New York kein gutes Haar am «unhöflichen Service» und konnte «gottseidank nach einer Nacht flüchten». Chef de Service Alexandra Studer kann sich an den betreffenden Gast erinnern. «Von seinen Behauptungen stimmt nichts. Wir haben versucht, diesen Eintrag wegzubringen.» Leider vergeblich.

Neben dem «ungenügenden» Eintrag gibts auf Tripadvisor auch Erfreuliches übers «Kreuz» zu lesen: So findet ein Gast aus Deutschland das Hotel einfach nur «charm as hell» während sich ein anderer ob dem mediterranen Flair gar «in Italien» wähnte.

Kritik führt zu Verbesserung

Aktiv auf den Bewertungsportalen mischt mit dem «Roten Ochsen» auch das neuste Solothurner Gasthaus mit. Das Vorstadt-Hotel belegt aktuell den dritten Platz auf Tripadvisor.

«Die Feedbacks sind total wichtig für uns», sagt Geschäftsführer Rolf Trechsel. So wisse man, wo der Rote Ochsen bei den Gästen punkte (beim Preis-Leistungs-Verhältnis), oder wo das Haus nicht bei den besten mitmischt (bei der Lage).

Einen negativen Eintrag betreffend «getrübtem Vergnügen wegen unfreundlichen Personals» hat Trechsel kürzlich persönlich kommentiert. «Natürlich freuen wir uns über gute Kritiken», so Trechsel, doch man müsse sich vor Augen führen, dass die Einträge immer auch einen zufälligen und subjektiven Eindruck abgäben. «Trotzdem: Wir nehmen die Einträge ernst und versuchen, kritisierte Punkte zu verbessern.»

Ana Capri ist die Top-Beiz

Nicht nur Hotels, sondern auch die Solothurner Restaurants werden fleissig bewertet: Obenaus schwingt auf Tripadvisor das Ana Capri am Friedhofplatz. 94 Prozent aller Nutzer empfehlen dieses Restaurant, von 17 Bewertungen sind 12 «ausgezeichnet», lediglich einer «mangelhaft».

Geschäftsführer Markus Schmid schätzt die Wirkung von Bewertungsseiten als sehr stark ein. Es sei ein Medium unserer Zeit, bei dem Dienstleister und Kunde miteinander kommunizieren. Das generiere weitere Beiträge - durchaus geschäftsfördernd, findet Schmid, der die Seite täglich kontrolliert.

So kommentierte er persönlich einen Eintrag eines Gastes, der als einzigen Negativpunkt den «deutlich zu hohen Lärmpegel» moniert und «Cachet für ein romantisches Tête-à-tête» vermisst. «Seitdem fragen wir unsere Gäste aktiv, ob sie lieber im ersten Stock essen möchten, wo bei gedämpftem Licht und Kerzenschein ein Tête-à-tête durchaus möglich ist», sagt Schmid. Damit sehen die Gäste, dass ihre Anliegen auf offene Ohren stossen. «Auf alles können wir natürlich nicht eingehen.»

Manipulationen sind verpönt

Die Solothurner Hoteliers und Beizer beobachten auch die Konkurrenz und informieren sich über Verschiebungen in der Rangliste. Was überhaupt nicht gehe, sei Mitbewerber zu diffamieren und absichtlich negative Bewertungen abzugeben, oder den eigenen Betrieb positiv zu bewerten. «Davon lassen wir die Finger, denn die Retourkutsche käme bestimmt», sagt Markus Schmid.

Per E-Mail wurde ihm auch schon angeboten, gegen Bezahlung sein Lokal auf Platz 1 zu hieven. «Solche Mails lösche ich umgehend.»
Auch Ramada-Direktor Daniel Siegenthaler hat schon von Manipulationen gehört. Trotzdem ist für ihn klar: «Die Bedeutung von Bewertungsseiten wird in Zukunft wohl oder übel zunehmen.» Einerseits sei es ein gutes Marketinginstrument. «Aber es birgt auch Gefahren.»