Persönlich

Wo sich die Fresspäpste niederlassen, da bleibt kein Fleisch mehr am Knochen

Das Salzhaus musste einen «Gault Millau-Punkt» abgeben.

War der Mann schlecht gelaunt? Weil ihn jemand draussen auf dem Landhausquai um 85 Rappen angepflaumt hatte? Oder die Empfangsdame ihn nicht gleich scharwenzelnd begrüsste? Wir kennen das. Bist Du einmal schlecht drauf, dann stimmt gar nichts. Vielleicht haben vorlaute Gäste nebenan ein wenig gestört. Schon finden wir den Abend desaströs . Und dann das noch: Im Menü, das sonst völlig unserem Gusto entspricht, wollen wir genau eines nicht: Ingwer. Also möchten wir die Vorspeise lieber ohne. Und wie es so geht, wir bekommen ihn doch, den Ingwer. Die Laune ist am Tiefpunkt. Zumal es draussen noch anfängt zu schütten. Und wir ohne Schirm drinnen sitzen. Genauer: im «Salzhaus».

Da herrschte offenbar ganz miserable Laune. Und deshalb gabs einen Verriss. So richtig hau drauf. Und einen Punkt Abzug. Besser gelaunt war man oben in der «Couronne». Muss jedoch schon lange her gewesen sein. Gerühmt wird heute noch der Service von Direktor Roman Oschwald. Von dem tout Soleure seit April weiss, dass er Ende August Geschichte gewesen sein wird. Jetzt haben wir Anfang Oktober. So viel zum Thema Kompetenz. Doch zurück zum Anstand.

Wir hatten noch immer gute Laune, im «Salzhaus». Gut bedient, gut gegessen, stimmungsvolle Ambiance. Wir schätzen dort Christian Härtge genauso wie Martin Elschner in der «Couronne oben als inspirierten und engagierten Chefkoch, der uns im biederen Solothurn gar die Eleganz der japanischen Küche näher bringt. Aber eben: schlecht gelaunt, geht das vergessen.

Einmal waren wir auch nicht so gut drauf. Vor gut 30 Jahren, in der hochgelobten 18,5-Punkte-Auberge im Elsass. Höchst mittelmässig war der Abend, schon fast ein Reinfall. Die 700 Stutz hätten wir gescheiter später in zwei «Salzhaus»-Abende investiert. Doch damals waren wir noch Gläubige. Heute haben wir gelernt, ihre Bibeln mit grösster Vorsicht zu geniessen. Oder pfeifen gar auf sie – die alles besser wissenden Fresspäpste von «Gault Millau».

Autor

Wolfgang Wagmann

Wolfgang Wagmann

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