Solothurn
Wo Licht ist, ist auch Schatten: Aufräumen in der Verenaschlucht

So schön das Lichtermeer in der Verenaschlucht auch ist, am Tag danach macht der Ort einen ganz anderen Eindruck. Einige wenige räumen auf, was die Festtagsbesucher in der Einsiedelei hinterlassen haben.

Wolfgang Wagmann
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Geländer der Brücken müssen vom Wachs befreit werden
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Mühsame Kleinarbeit in der Schlucht
Perfid ist besonders farbiges Wachs
Aufräumaktion in der Einsiedelei nach dem weihnächtlichen Besucherandrang
Das Lichtermeer an Heiligabend hat seinen Reiz
Doch anderntags heisst es aufräumen
Im Handkarren hats nicht für alle prallvollen 60-Liter-Säcke Platz

Geländer der Brücken müssen vom Wachs befreit werden

Wolfgang Wagmann

Einmal haben wir es gewagt. Es war nicht sehr besinnlich. Viel zu viele Leute. An Heiligabend kann man sich in der Verenaschlucht gegenseitig auf den Füssen stehen. Und vom «Puff» in Sachen Parkieren im Quartier südlich des Schluchteingangs ganz zu schweigen. Aber der nächtliche Besuch über die Festtage am «Kraftort» der Einsiedelei scheint im Trend zu liegen - und ein Ende dieser Volksbewegung ist nicht absehbar.

«Es nimmt immer mehr zu - einfach grauenhaft.» Hans-Rudolf Hug muss es wissen. Seit vielen Jahren versucht er mit seiner Frau Margrit jeweils nach dem Run auf die Schlucht den unzähligen hinterlassenen Windlichtern Herr und Meister zu werden. Zusammen mit der Einsiedlerin Verena Dubacher den beiden Bürgerräten Stefan Pfister und Stephan Wagmann - die Schlucht gehört bekanntlich der Bürgergemeinde Solothurn - sind Hugs auch an diesem Weihnachtstag um 10 Uhr hinten bei der Klause aufgebrochen.

Mit Plastikhandschuhen, Spachteln, einem Handkarren und 60-Liter-Kebag-Säcken hat sich die Gruppe aufgemacht. Ernst nach gut zwei Stunden und fünf vollen Säcken ist sie «durch» und kehrt vorne am Eingang um, zur «Nachputzete» auf dem Rückweg zur Martins- und Verenakapelle. «Unterwegs haben wir ein Depot eingerichtet», erklärt Hug die bloss zwei Säcke auf dem Karren.

Sie sind überall. Die kleinen Windlichtlein passen in jede Ritze und es gibt nirgends eine mehr, wo noch eines stehen könnte. Hinten in den «Teufelslöchern» recht weit oben in der Felswand flackern noch einige grössere Kerzen. Sie werden ebenfalls entsorgt. «Wir bringen sie in die Beschäftigungswerkstätte Wyssestei, wo sie zu Anzündmittel weiter verarbeitet werden.»

Manchmal klettert die Einsiedlerin gewandt die Hänge hinauf, «wie ein Gemschi», so Stefan Pfister, der selbst einmal eine längere, nicht ganz harmlose Rutschpartie hang abwärts absolvierte - immer auf der Jagd nach den in Blech gefassten runden Lichtlein. Diese stehen herzförmig im alten Buchenlaub, dicht gedrängt auf dem Sockel des Kreuzes in der Schluchtmitte, «garniert» gar von einer Laterne aus Metall und Glas.

Dazu überall ausgeleertes Wachs - weisses ginge ja noch, aber da und dort findet sich auch buntes, vor allem blaues auf den bemoosten Steinen wie den Brückengeländern. Und muss deshalb akribisch abgekratzt werden. «Wenigstens haben wir fast keine Zigarettenstummel gefunden», wundert sich Hans-Rudolf Hug ein wenig. «Zigaretten?» - deren Entsorgung ist Verena Dubacher ein Daueranliegen, wie sie mit einem Schmunzeln verrät.

«In der Nacht zum Neujahr ziehts nochmals an», weiss Hans-Rudolf Hug aus Erfahrung. Bis nach Neujahr sind Freiwillige mit der Einsiedlerin unterwegs, um die Schlucht sauber zu halten. Hilfe sei stets willkommen, «wir treffen uns täglich um 10 Uhr hinten bei der Klause.»

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