Solothurn

Wo Kinder zu Filmprofis werden: Die Zauberlaterne wird 25

Die Vorführungen in der Zauberlaterne sind jeweils begleitet. (Archiv)

Die Vorführungen in der Zauberlaterne sind jeweils begleitet. (Archiv)

In Solothurn hält der Verein «Die Zauberlaterne Solothurn» bereits seit 25 Jahren die Kinosessel für Kinder warm. Während die Eltern am Samstagnachmittag einen Einkaufsbummel unternehmen, kann der Nachwuchs echte Kino-Momente erleben.

Seit einem Vierteljahrhundert haben die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren aus Stadt und Region die Möglichkeit, im Kino Palace echte Kinosessel-Momente zu erleben – «wie die Grosse» –, ganz ohne elterlichen Beistand. Und doch, ohne je mit den Bildern auf der Leinwand alleingelassen zu werden.

Dafür sorgt der Verein «Die Zauberlaterne Solothurn» seit 25 Jahren mit ihrem «Filmklub für Kinder». Gezeigt werden drei mal drei Filme pro Schuljahr. Drei aus cineastischen Pionierzeiten wie beispielsweise Chaplin-Klassiker, drei aus den Fünfzigern bis Siebzigern und drei aus der Neuzeit der Filmgeschichte. Von diesen total neun Filmen sind drei zum Schmunzeln, drei traurige und drei, bei denen man ein bisschen erschrocken aus dem Kinosaal gehen wird.

Eine eigene «Hauspost»

Ein ehrenamtliches Team, das stets auch offen ist für Neuzugang, hält den Betrieb hinter und vor den Kulissen des Filmklubs aufrecht. Mit von der Partie ist auch Filmemacher Nino Jacusso, der neben der Verantwortung für die Animation zudem Monika Flury bei den Koordinationsarbeiten unterstützt. Hinter den Kulissen sind es die Administration und die für jedes einzelne Schuljahr erstellten «Hauspost», polyglott in deutsch, türkisch, Farsi oder anderen Sprachen verfasst.

Vom Schweizerischen Dachverband der Zauberlaterne werden zudem pro Film illustrierte Filmzusammenfassungen zur Verfügung gestellt, um die Jungcineasten auf das anstehende Leinwanderlebnis einzustimmen. Vor den Kulissen wird das ehrenamtliche Team zudem von den «Klubveteranen» unterstützt. Es ist dies eine Helfergruppe von Jugendlichen zwischen 12 und 20, die bei der Kinderanimation, an der Kasse, bei der Einrichtung des Saals oder der Lichttechnik mitwirken.

«Wir haben die Zauberlaterne am Samstag angesetzt – was den Eltern den Einkaufsbummel ermöglicht, während ihre Schützlinge ihre Zeit im Kinosessel verbringen», sagt Jacusso. Mit wenigen Ausnahmen gilt vor dem Kino Palace dann jeweils: «Zutritt für Eltern verboten.»

Vor dem Film werden die kleinen Kinogänger durch szenische Einlagen der Animateure vorbereitet: «Nach dem Vorbild ‹le savant et le naïf›, also dem Wissenden und dem Unwissenden, findet vor der Leinwand ein Frage-Antwort-Spiel statt. Oder dann wird die Welt der Filmtechnik durch Praxisversuche mit Knetfiguren für eine Stop-Motion-Szene oder mit einer Greenbox für andere Trickeffekte nähergebracht. Dann wiederum erhalten die Kinder gar die Möglichkeit, erstmals im Rampenlicht zu erzählen, was sie im Vorfeld in der Zeitung über das Werk erfahren haben.

«Und auch danach läuft der Film nicht einfach ab», betont Jacusso. Während die Geschichte über die Leinwand flimmert, werden die Filmklub-Mitglieder durch Kommentare oder Intermezzi begleitet. Steht beispielsweise eine Angst-Szene bevor, so wird sie durch eine entsprechende Vorwarnung «entschärft». Oder «diplomierte Angstonkel und Angsttanten» stehen neben den Sesselreihen helfend zur Seite. Denn: «Wir liefern die Kinder nicht einfach dem Geschehen aus, sondern begleiten sie», sagt Jacusso.

«Auf diese Weise können wir die Kinder hinter die Kulissen führen und ihnen die Sprache des Films aufzeigen», erklärt Monika Flury. Kommen die Kinder dann nach Hause, wissen sie oft mehr über das Filmemachen, als ihre Eltern – so die Erfahrung aus dem Team. Und neben dem allgemeinen Medienkunde eignet sich ein «Zauberlaternler» auch eine neue Art des Sehens an. «Was Kinder, oftmals im Kindergartenalter und oftmals unbegleitet, über Youtube und Co. zu sehen bekommen, können sie gar nicht verarbeiten», fasst Anita Weingart, zuständig für die Kommunikation der «Zauberlaterne», zusammen.

Ursprung in Solothurn

Auch wenn Neuchâtel als eigentlicher Geburtsort der Zauberlaterne gilt und Solothurn erst ein Jahr später seinen Club gründete, hat die Idee doch hier ihren Ursprung. Nino Jacusso erinnert sich: «Wir kamen während eines Filmtage-Gesprächs zur Erkenntnis, dass es für Kinder keine eigentliche Film-Plattform gibt.» Worauf die Neuenburger in der Schweiz als erste die Initiative ergriffen. Der Schweizer Dachverband der Zauberlaterne umfasst heute 76 lokale Klubs.

Finanziert wird der Solothurner Ableger der Zauberlaterne durch den Kanton und die Stadt, sowie durch Stiftungen und Sponsoren aus der Privatwirtschaft. Auch noch heute hören die « Zauberlaterne»-Macher gelegentlich, wie ehemalige Klubmitglieder von ihren Kindheitserlebnissen im Kinosessel schwärmen. «Eine Frau hat mir letzthin erzählt, dass die ‹Zauberlaterne› für sie schlicht das Allerbeste war», erinnert sich Flury. Das dürften die Zauberlaternen-Kinder von heute dereinst wohl auch sagen. Denn das Konzept kommt an – seit 25 Jahren, und dies weitgehend unverändert.

Saisonstart Samstag, 15. September, Kino Palace Solothurn. Vorstellung: 13.30 Uhr (rote Ausweise). Empfang und Präsentation des Films: 15 Minuten vor der Vorstellung

Meistgesehen

Artboard 1