Kochen ist eine universelle Sprache. Dies zeigen auch die Begegnungen, die jede Woche mehrfach in der Schulküche des «Hermesbühl» stattfinden. Dort schwingen Kantischüler und andere Jugendliche zusammen mit UMA – unbegleiteten minderjährigen Asylbewerbern – den Kochlöffel. Zwischen 10 und 20 junge Menschen begegnen sich hier am Küchentisch – an einem Anlass waren es gar 26. Das Projekt stösst auf regen Anklang – und die Jugendlichen wagen sich auch an einem eisig-stürmischen Abend wie diesem ins «Hemmli».

Die 18-jährige Lara Frey instruiert die Anwesenden und teilt die Gruppen auf. Kartoffelstock ist angesagt – dazu Salat und zum Dessert ein Schoggikuchen. «Zusammen kochen macht Spass», sagt sie. Doch die Motivation reicht tiefer: «Während unserer Juso-Treffen regen wir uns immer über Missstände auf. Da wollte ich unbedingt selbst was tun», dies wohlwissend, dass man nicht ein ganzes System verändern, aber im Kleinen etwas bewirken kann. Der 17-jährige Christoph Pomaro hat wie Frey beim Aufbau der Gruppe mitgeholfen: «Man hört viel über Asylsuchende. Doch hier erhält man die Gelegenheit, mit ihnen eins zu eins ins Gespräch zu kommen.»

Verein mit einer Mission

«Kochen mit UMA» ist bloss eines der Projekte, die aus dem Verein «Solothurn hilft» hervorgegangen sind. Aus der Not anderer geboren, engagiert sich die Gruppe mit Sitz in Solothurn seit nun einem Jahr sozial für Asylsuchende aus der Stadt und der näheren Region, konkret Bellach, Langendorf, Selzach, Biberist, Zuchwil und Derendingen. Vereinspräsident ist aktuell Marco Suing aus Zuchwil, der damit Michel Lüthi im Vorsitz abgelöst hat. Weiter bilden Karin Ayer, Anna Müller, Lara Frey und Lisa Wahlen den Vorstand. Eine formelle Mitgliedschaft gibt es noch keine, weswegen auch die Grösse des Vereins nur an der Anzahl «Fans» auf Facebook zu ermessen ist: Die Gruppe «Solothurn hilft» umfasst rund 1300 Mitglieder.

Gestartet hat der Verein vergangenen Winter anlässlich seiner Gründerversammlung mit rund 35 interessierten Anwesenden. «Wir hatten nie eine offizielle Mitgliederliste, denn im vorigen Jahr ging es primär um die Mission. Für 2017 geben wir uns aber eine Struktur und Form», sagt Suing auf Anfrage. Die konkrete Hilfe stamme aus den sozialen Netzwerken, auch für die anderen Projekte, die seit Vereinsgründung aus der Taufe gehoben wurden.

Der «Kulturgenuss» steht ebenfalls unter der Devise des gemeinsamen Kochens und soll 2017 im «Pittaria» wieder regelmässig Asylsuchende und hiesige Interessierte zusammenbringen. «Hier geht es darum, die Kulturen und ihr Essen der Öffentlichkeit zu zeigen.» Ein weiteres Projekt befindet sich zurzeit in der Winterpause: Beim Gefäss «Kickboarders» kommen Einheimische und Asylsuchende wöchentlich auf dem Fussballfeld, konkret beim Hermesbühl-Schulhaus, zusammen. «Das Austoben und das Verbindende stehen hier im Zentrum», sagt Suing. Rund 40 Leute in vier Teams konnten sich bereits für das Projekt begeistern. Für die kühlere Zeit im Jahr gibt es ein sporadisch stattfindendes Ersatzprogramm: Schlittschuhlaufen.

In Langendorf hat sich ein weiteres Projekt etabliert: Alle zwei Wochen betätigen sich vorwiegend UMA in einem Näh-Workshop – dies unter Anleitung einer Handarbeitslehrerin.

Fokus auf Integration

Ursprünglich wurde im Verein auch die Mission der Sprachbildung angepeilt, was allerdings zwischenzeitlich wieder verworfen werden musste. «Die Idee der Sprachhilfe mussten wir auf Eis legen, weil sie nicht stemmbare Dimensionen angenommen hat.» Zudem hätte sie staatlichen Angeboten oder Angeboten des kantonalen Mandatsträgers, der ORS Services, zu stark konkurrenziert.

Diesbezüglich seien anfängliche Reibungsflächen zwischen dem ehrenamtlichen Verein und der ORS als Dienstleister abgeflacht. «Wir stehen in gutem Gespräch.» Standfestigkeit möchte der Verein nun dadurch gewinnen, indem er verstärkt mit Gemeinden zusammenarbeitet. Insgesamt will sich der Verein auf die Integration jener Asylsuchenden fokussieren, bei denen eine intakte Chance besteht, dass sie hierbleiben können.

Marco Suing, der ursprünglich aus Winterthur stammt, hat vor sechs Jahren in der Solothurner Region Fuss gefasst und erfuhr zufällig von der Vereinsgründung. Als Projektleiter und Berater in digitalen Medien hat der 39-Jährige keine direkte berufliche Verbindung zur Asylproblematik: «Mir ging es aber um den Grundsatz, dass man Menschen wie Menschen behandeln soll.»