Ortsplanungsrevision
Wo hat was Platz in Solothurn?

Wie sich Solothurn in den nächsten Jahren entwickeln soll, zeigt das räumliche Leitbild auf. Auch im Schulhaus Brühl wurde darüber orientiert.

Wolfgang Wagmann
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Die Dornacherstrasse sollte besser zu überqueren sein.

Die Dornacherstrasse sollte besser zu überqueren sein.

Wolfgang Wagmann

34 «Nicht-Nur-Weststädter» konnte Andrea Lenggenhager, Leiterin Stadtbauamt, in der Brühl Aula begrüssen. In vier «typähnlichen» Orientierungsabenden wollten sie und Martin Eggenberger, Verantwortlicher des Plan-Teams für den Entwurf des räumlichen Leitbilds, den Puls der Einwohnerschaft spüren. Als «stimmiges Ganzes» wird Solothurn im Leitbild wahrgenommen. Dieses orientiert sich an sechs Leitsätzen, die abwechselnd von Lenggenhager und Eggenberger erläutert wurden.

Wo Solothurn Potenzial hat

Die Wichtigkeit der Quartier-Typologie wurde ebenso betont wie das grosse historische Erbe der Stadt. So distanzierte sich Eggenberger nochmals klar von der ursprünglichen Idee einer allfälligen Überbauung der Loreto-Matte. Dagegen sollten die Kloster-Anlagen als «Stadtparks» für die Öffentlichkeit zugänglich werden.

«Bauen darf man dort aber nichts. Sobald das erlaubt ist, werden die Kloster-Areale wertvoll, und dann geht es sehr schnell», warnte der Planer. Die Quartiere sollen in ihrem Erscheinungsbild erhalten werden, «wir wollen keineswegs flächendeckend verdichten», betonte die Bauamt-Leiterin. Aber dort, wo zu klein gewordene (Reihen-)Häuser wie in der Weststadt stünden, sollte eine Vergrösserung auf den heutigen Bedarf möglich sein, ergänzte Eggenberger.

Während sich auch nach der Überarbeitung der Zonenplanung im dritten und letzten Schritt, der Nutzungsplanung, in den Quartieren nicht viel verändern soll, sehen beide Referierenden um die Bahnhöfe und vor allem um den Westbahnhof im Obach-Quartier viel Entwicklungspotenzial. So schwärmte Martin Eggenberger von einem möglichen «Bahnhofplatz Süd» oder beim Thema Grünachsen von einer Allee entlang der Bielstrasse. Und das «Weitblick»-Areal werde nach der Überbauung «plötzlich Teil der Stadt».

Autos eher unerwünscht

Ein Themenschwerpunkt war die Mobilität. Das räumliche Leitbild geht von einer deutlichen Verbesserung der Verhältnisse für den Langsamverkehr, also für Velofahrende und Fussgänger aus. «Es kann nicht sein, dass ich zum Hauptbahnhof will und als Fussgänger vor einem Rotlicht warten muss», machte Martin Eggenberger deutlich, was er unter «Koexistenz der Verkehrsteilnehmer» versteht.

So soll beispielsweise eine bessere Querung der Dornacherstrasse beim Hauptbahnhof nach dem Vorbild Köniz möglich sein – gemäss dem Prinzip der Begegnungszone: Jeder kann über die Strasse, wann er will, der Schwächste hat immer Vortritt gegenüber dem Stärkeren. Ob das denn auch funktioniere, war nur eine von vielen Fragen, Anregungen und auch Kritik aus den Sitzreihen in der Aula. Im Visier waren insbesondere auch jetzige Schrebergärten, die im Leitbild als mögliche Überbauungsgebiete dargestellt sind.

Ziel Mitte 2018

Bis am 13. Februar läuft die Vernehmlassung zum Entwurf des räumlichen Leitbilds. Eingaben können schriftlich beim Stadtbauamt deponiert werden (stadtbauamt@solothurn.ch). Aufgrund der Eingaben wird das Leitbild überarbeitet und soll im Mai vom Gemeinderat, im Juni von der Gemeindeversammlung verabschiedet werden.

Es dient dann als Grundlage für die dritte Phase der Ortsplanungsrevision, die eigentliche Nutzungsplanung mit der Festlegung des Zonenplans. Dieser Prozess soll bis «Mitte 2018» abgeschlossen sein, so Andrea Lenggenhager. Abschliessend entscheidet über die Nutzungsplanung nicht die Gemeindeversammlung, sondern der Gemeinderat.