Stadtbummel Solothurn
Wo es Solothurn so richtig dreckig ergeht

Wolfgang Wagmann
Wolfgang Wagmann
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Entsteht eine «Grien»-Wüste als Dauerprovisorium?

Entsteht eine «Grien»-Wüste als Dauerprovisorium?

Tom Ulrich / fotomtina

«Meh Dräck!» forderte weiland Alt-Rocker Chris von Rohr. Sein Ruf – gerechtfertigt oder nicht – wurde gehört. So erreichte uns belastendes Bildmaterial von der Kreuzenstrasse. Das ist die, wo sich die Geister scheiden. Asphalt- statt Dreckbelag fordert Anwohner Andreas Gunzinger seit langem eloquent von Stadtpräsident wie Stadtbauamt – doch die Nachbarschaft wehrt sich vehement dagegen. Gutachten stützen sie und Kurt Fluri, was Gunzinger erneut auf die Palme bringt. Denn Mergel, auch Grien genannt, hat der jüngste Monsun zuletzt in rauen Mengen auf sein Grundstück gespült, sodann wurde er per Schuh und Pneu reichlich im Haus wie auf dem Abstellplatz «verschleipft». Doch eben: Wer weniger «Dräck» fordert, erhält eher «meh».

Dreckig ist es ja auch dem Postplatz ergangen. Er wird nicht so umgestaltet, wie es das Stadtbauamt wollte. Nun hört man munkeln, als Quintessenz zum Njet des Gemeinderats drohe dort eine «Grien»-Wüste als Dauerprovisorium, so quasi als Memento Mori: «Schaut her, jetzt habt ihr den Dreck, ihr Neinsager!» Auch Parkplätze soll es auf dem Grien keine mehr geben – so bliebe der Dreck wenigstens sur place und würde nicht über Pirelli, Michelin und Co. als Daueraufgabe für den Werkhof weiterverbreitet. Wie gesagt, nur ein Gemunkel – wir sind gespannt auf den Gegen- durch Tatbeweis.

«Weniger Dräck» denn je gibt es derzeit im Schanzengraben. Die dünneren Brüderchen und Schwestern von Michelin, Pirelli und Co. haben diesmal den Grabengrund verschont, da Bike «kays» Thema gewesen ist. Dafür erstreckt sich als Labsal fürs Auge eine frühsommerliche Blütenwiese im Winkel zwischen Baseltor und Kunstmuseum. Früher war der Schanzengraben ja noch eine Spielwiese für die Stadtjugend. Doch Spielwiesen sind derzeit völlig out – siehe Badi. Die nächste Chance für «meh Dräck» im Graben eröffnet übrigens erst wieder die HESO. Möge sie stattfinden, denn im August ist die Blütenpracht vorbei. Wenn nicht, dann haben wir den Dreck. So oder so.

«Meh Druck» gabs ja zuletzt reichlich für die Solothurner Geschäftswelt. Leider kein Gemunkel, sondern Tatsache ist, dass das uralte Fachgeschäft Zigarren Dürr an der Hauptgasse im Herbst Geschichte sein wird. Der Mietvertrag wurde nicht mehr erneuert. Der Trend zu weniger «Dräck» in unseren Lungeflügeli mag dabei mitgespielt haben. Oder kurz: Wo kein Rauch, ist auch kein Feuer mehr!