Stadtbummel

Wo ein Promille ist, ist auch ein Weg

Da fuhr unlängst ein LKW-Fahrer durchs Baseltor und beschädigte es. Das Baseltor mit der beschädigten Laterne links im Bild.

Da fuhr unlängst ein LKW-Fahrer durchs Baseltor und beschädigte es. Das Baseltor mit der beschädigten Laterne links im Bild.

Entblättert hatte sich vor wenigen Wochen noch, wer konnte. Es war heiss. Inzwischen ist alles ein bisschen anders. Es nachtet wieder vor sechs Uhr ein, die Velofahrer machen sich unsichtbar und Räbeliechtli geistern umher. November halt.

Es «tötelet» sagt man auch. Und diejenigen Geschäfte, die dem schon jetzt mit Weihnachtskitsch entgegenwirken wollen, sorgen auch nicht unbedingt für Frohsinn. Dafür haben wir wieder Vernissagen-, Konzert- und Theaterzeit. Die Auswahl in Solothurn ist riesig, und wer noch nicht erschöpft ist vom Galerien-Hopping hat eine reiche Auswahl.

Wer allerdings meint, Jens Wacholz spiele ab heute in der Kulturgarage den Kontrabass, der irrt. Er spielt ihn zwar, aber nicht um der Musik willen. «Kontrabass» heisst einfach das Stück.

Blätter fallen. In rauen Mengen. Und zum Glück so rasch, dass der Werkhof mit dem Entsorgen gar «nid noche ma». Das ist manchmal beim Schnee ähnlich. Brauchen wir noch nicht. Aber das Blättermeer auf den Trottoirs hat es in sich. Wer da die Füsse lüpft, bringt sich um ein herbstliches Top-Vergnügen.

Watend pflügen wir uns durch die raschelnde und knisternde Masse. Muss man eigentlich je erwachsen und «vernünftig» werden? Nö. Wer in der Schneeburg sitzt, wirft auch den ersten Ball. Schon bald? Brauchen wir noch nicht.

Blättern wir zurück. Und suchen ihn, den Schnee. War rar in den letzten Jahren. Könnte auch wieder keinen geben. Und jetzt kommts. Der mit den Winterpneus. Wäre aber doch peinlich, wenn man eines Morgens am Werkhof-Stutz oder am Högerli vor dem Baseltorkreisel nicht mehr weiter käme. Und damit ein Hupkonzert wie in Neapel provoziert.

Alles schon da gewesen. Und so sicher wie das Amen in der Kirche schon bald wieder Tatsache. Also wechselt um Himmels willen auf die «Winterfinken»! Morgen könnte es zu spät sein. Dem polnischen Chauffeur, der unlängst nicht ganz durchs Baseltor passte, hätten allerdings auch die richtigen Pneus nichts geholfen. Denn er handelte nach dem Motto: «Wo ein Promille ist, ist auch ein Weg». Es waren sogar zwei Komma zwei Promille.

Stellt euch vor, der Suf-Ludi hätte erkannt, dass das Baseltor zu eng ist. Und hätte, weil er – oder sein Navi – doch unbedingt auch noch durchs Bieltor wollte, eine Umfahrung von St. Ursen gesucht. Vor dem Baseltor links ab, ums Kreiskommando herum, diesmal rechts ab und über die Terrasse der Kathedrale im Karacho wieder Richtung Bieltor. Und dann mit dem Lastwagen holterdipolter die St. Ursenstäge runter, voll in die «Krone», pardon «Couronne». Ja voll. Das war er. So langweilig ist dieser Herbst doch gar nicht.

Autor

wolfgangwagmann

wolfgangwagmann

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