«Wenn gesagt wird, dass mit der Jugend was schief läuft, so folgt man einem Bauchgefühl, aus dem sich kaum Massnahmen ableiten lassen», sagte Ruža Brzovic (SP) als Erstunterzeichnerin der Motion über eine Bedürfnisabklärung für aufsuchende Jugendarbeit. So soll eine solche Untersuchung Treffpunkte, Bedürfnisse und Probleme von Jugendlichen eruieren.

Der Vorstoss passierte den Gemeinderat mit Zweidrittelmehrheit, aber seitens FDP- und SVP-Fraktion regte sich Widerstand. Yves Derendinger (FDP) verwies auf das bestehende Angebot: «Das Alte Spital hat einen Leistungsauftrag. Diesen soll es nun auch wahrnehmen.» Brzovic betonte aber den Unterschied zwischen der aufsuchenden Jugendarbeit und der offenen Jugendarbeit, wie sie das Alte Spital betreibt.

Roberto Conti (SVP) fügte an, die öffentliche Hand sei nicht dafür da, um sich um «alle Erscheinungsformen der Jugend» zu kümmern. «Stellt die Abklärung einen Bedarf fest, so könnte dies weitere Kosten zur Folge haben», so Pascal Walter (CVP): «Dennoch erhoffen wir uns dadurch Klarheit.»

«Wir sehen die Bedürfnisabklärung auch als Mittel, um dem Alten Spital zu sagen, was noch fehlt», ergänzte Daniela Gasche (Grüne). Zur Form der Abklärung wurden erste Vorschläge herumgereicht: von einer Maturarbeit über einen Einbezug des Zivildienstes bis hin zu einer – im Rat umstrittenen – professionellen Untersuchung durch die Hochschule Luzern.

Fluri: «Überdehnter Kulturbegriff»

Um ein jugendnahes Anliegen ging es auch bei der Interpellationsbeantwortung zu den «Öffnungszeiten in der Nacht» von Erstunterzeichner Marco Lupi (FDP). Er verweist dabei auf beabsichtigte Praxisänderungen der städtischen Baubehörde, nach dem Kofmehl-Fall eine generelle Polizeistunde um zwei Uhr einzuführen. Lupi moniert, dass das Thema im Gemeinderat nie breiter diskutiert worden sei.

Abermals hielt Kurt Fluri dem Grundtenor für eine Kulturstadt juristische Argumente entgegen: «Da geht es um Kantons- und Bundesrecht, auf das die Baukommission als Justizbehörde zurückgreift.» Einen Dialog mit dem Gemeinderat gebe es nicht, so Fluri weiter. «Ausserdem sollten wir den Kulturbegriff nicht überdehnen: Nicht alles ist Kultur, vielfach geht es auch einfach nur um Konsum und ‹ums Suufe›.» Lupi zeigte sich indes nur bedingt zufrieden über die Antwort und schloss mit dem Ausblick: «Wir warten jetzt die Nutzungsplanung ab.» Mit dieser soll der Gemeinderat ein verbindliches Instrument zur Planung der Nachtöffnungszeiten in die Hand bekommen.

Last der «Zenti» wird leichter

Mehr Grund zur Freude hatte der Rat bei den Statutenänderungen der Stiftung Zentralbibliothek: «Wesentlich ist neu, dass die Zentralbibliothek mit allen beitragszahlenden Gemeinden direkt Leistungsverträge abschliesst», informierte Gaston Barth, Leiter Rechts- und Personaldienst. Bisher musste die Stadt für ihren Drittelanteil an den Kosten die (freiwilligen) Beiträge nutzniessender Gemeinde selbst eintreiben und den Fehlbetrag selbst übernehmen. Neu fällt dies in die Zuständigkeit des Kantons. Zudem wurde dieser Drittelanteil auf einen Viertel verringert. Auch wird der Stiftungsrat auf sechs Mitglieder halbiert.

Ebenso erfreut nahm der Gemeinderat bei der Abrechnung zum Verpflichtungskredit für das ICT-Konzept der Oberstufe eine Kostenunterschreitung zur Kenntnis und dankte für den sorgsamen Umgang mit den finanziellen Mitteln. Für die 2006 angeschafften Notebooks war ein Kredit von 650000 Franken gesprochen worden, gebraucht wurden lediglich 517000. Bei den jährlichen Kosten zahlten sich der gute Support und eine gute Gerätequalität aus: Statt der budgetierten 2,3 Mio. Franken wurden 1,9 Mio. beansprucht.