Endzeitstimmung oben im Mühlegut. Im nordwestlichsten Zipfel der Stadt, entlang der Bahnlinie nach Oberdorf, haben die Baumaschinen Hochkonjunktur. Die sechseckigen Wohnblöcke in grün und ocker sehen schon ziemlich fertig aus. Ab Februar sind hier 70 Wohnungen zu haben, 31 mit zweieinhalb Zimmern, 27 mit dreieinhalb und 12 mit viereinhalb Zimmern. «Die Meisten sind schon weg.» Der Anwohner besitzt ein Häuschen kaum 200 Meter weiter südlich. In der anderen Welt. B* (*Name der Redaktion bekannt), lebt schon nicht mehr im Mühlegut. Sondern unterhalb im Dilitsch-Quartier. Und das seit 16 Jahren. Kleine Welten, die zwei Stadtquartiere, aber scharf voneinander getrennt.

«Puff» und eine Attika-Wohnung

Charakteristische Fassadenfront des stadteigenen Hauses Jurastrasse 11 - 17.

Charakteristische Fassadenfront des stadteigenen Hauses Jurastrasse 11 - 17.

Oben die Blöcke, nur noch wenig ältere, dominiert von den ganz neuen – unten die alten Mehrfamilienhäuser der Stadt, dazwischen viel Grün und kleinere Häuser, getrennt durch steinige schmale Wege und Hecken mit wilder Rebe und Brombeeren. Gleich neben seinem kleinen Haus zeigt B. in Richtung Norden: ein klotziges, neues Mehrfamilienhaus. Der südliche Eckpfeiler des Mühleguts, der anderen Welt. «Ein Luzerner hat hier gebaut. Er musste auf Geheiss der Stadt die ganze Überbauung drehen – Richtung Westen.» Was ihm passe, meint B. Der Investor habe sein Haus kaufen wollen, ihm Gegenzug eine Attikawohnung im Neubau offeriert. «Aber eine bis 1,2 Millionen waren mir zuviel.» So blieb er in seinem Häuschen, das Mühlegut wuchs nicht ins Dilitschquartier hinein. «Mir ist es wohl hier.»

Südseitig des Hauses Hasenmattstrasse 7 - 13 liegt der idyllische Quartier(spiel)platz.

Südseitig des Hauses Hasenmattstrasse 7 - 13 liegt der idyllische Quartier(spiel)platz.

Obwohl: Unmittelbar neben B. ragen aus einem völlig überwachsenen Garten Bauprofile heraus. «Das gibt ein Sechsfamilienhaus. Aber im Quartier-Stil, mit viel Holz. Und einem Lift, der drei Minuten bis ganz oben brauchen soll.» Wenig weiter unten, an der Langendorfstrasse, ist der Garten um ein älteres Haus herum planiert, drinnen wird lautstark geräumt und umgebaut. «Das war ein Puff.» Das offenbar weitherum bekannte Bordell hatte im Quartier immer wieder für Unruhe gesorgt. Nachts hätten sich Leute in den Gärten um das Haus herumgetrieben, «wir mussten sie ab und zu verjagen.» Das ist jetzt für B. und seine Nachbarn Geschichte. Nur die aneinandergereihten Parkverbote am Rand des schmalen Kieswegs – sind sie noch Zeugen von damals, oder sichern sie bereits die künftige Baustelle ab?

Die Grien-Wege von anno dazumal sind im Dilitsch durch Fahrverbote geschützt.

Die Grien-Wege von anno dazumal sind im Dilitsch durch Fahrverbote geschützt.

Seit Jahren kein Leben mehr herrscht auch in der ehemaligen Quartierbeiz, dem «Erlacherhof». Aber: «Dafür läuft das ‹Industrie› seit dem jüngsten Wechsel gut», weiss B. Das streng genommen schon nicht mehr zum Dilitsch-, sondern zum Käppelihof-Quartier gehört. Solothurn und seine kleinen Welten.