In welchem Quartier sie wohnen? «Fegetz- oder Hubelmattquartier?» Die Antwort kommt unsicher daher. «Nein, aufgewachsen bin ich nicht im Steingrubenquartier, sondern am Verenaweg», da ist Reto Sperisen bestimmter, sicherer. Obwohl die Villa seiner Eltern oberhalb des Verenawegs stand. «Sie wäre mir zu gross gewesen», bekennt denn auch der Sohn des stadtbekannten Architekten Hansjörg Sperisen, der in der Villa auch sein Büro führte. Dank seinem Vater konnte Reto Sperisen das schmucke Reiheneinfamilienhaus an der St. Niklausstrasse 43 erben, das er nun mit seiner Frau Claudia und dem inzwischen eingetroffenen Nachwuchs, dem sechsjährigen Maximilian und dem zweijährigen Nesthäkchen Alexander, bewohnt.

«Der Garten ist super. Gerade gross genug zum Spielen für die Kinder», findet Claudia Sperisen inmitten einiger Spielgeräte. Papa Reto war in seiner Kindheit öfters in der Verenaschlucht anzutreffen – auch durch sein Engagement bei der Pfadi St. Urs. «Das ist für mich ein Stück Kindheit. Der Wald dort war mein Spielplatz.» Noch heute führe jedoch mancher Spaziergang durch die kühle Einsiedelei, bevorzugtes Terrain sei jedoch wenige Schritte weiter oben die Fegetz-Allee: «Hier können unsere Kinder Velo fahren oder im Brunnen planschen», so die Eltern.

Schwierig, etwas Erschwingliches zu finden

Der Garten. Claudia Sperisen ist an der Hans-Huber-Strasse in der dortigen Blocksiedlung aufgewachsen. «Ich war immer ein Badi-Kind und bin es geblieben.» Dann zog sie zu Reto Sperisen an der Schänzlistrasse in ein Mehrfamilienhaus der Vorstadt. Auch Reto Sperisen hatte Träume, nachdem er sieben Jahre lang in Basel gewohnt hatte und zusehen musste, wie die Kinder dort in den Quartierstrassen zu spielen versuchten. Und so ist ihr heutiges Haus das grosse Los für das junge Ehepaar. «Denn es ist äusserst schwierig, in Solothurn so etwas Erschwingliches zu finden», weiss sie. «Solothurn hat alles, was wir brauchen», erklärt Reto Sperisen. Um dann nachdenklich anzufügen: «Und nöimedüre isch es no heili Wäut!»

Boccia heute nur noch im Wasseramt

Eine überschaubare Welt mit kurzen Wegen. «Man ist sofort auch zu Fuss in der Stadt, aber auch wieder zurück», schmunzelt der Fasnächtler, aktiv beim Hauptgassleist. (Impro-)Theater sowie Auftritte mit dem A-cappella- und Show-Trio Simple Voicing prägen die Freizeit des Lehrers, der in Olten unterrichtet. Jugendfreundschaften pflegt er noch heute. So gründete er mit seinem einstmaligen Pfadi-Kollegen Marco Lupi auf der hauseigenen Boccia-Bahn bei der väterlichen Villa den «Bocciaclub Verenaweg». Das jährliche Turnier gebe es noch heute, auch wenn nun eine Bahn im Wasseramt bei Simple-Voicing-Pianist Sven Ryf bespielt wird.

Fast alles ist da, nur eines fehlt

Der Kindergarten Hubelmatt und das Schulhaus Fegetz, über das «Schnägge-Wägli» in wenigen Schritten zu erreichen, sind ganz in der Nähe. Genauso mit dem neuen «Lidl» eine Einkaufsmöglichkeit. Dazu eine unmittelbare Nachbarschaft, mit der es ab und zu ein Festli gibt, «und eine Nachbarstochter hütet auch unsere Kinder», erzählen die Eltern. Weiter vernetzt in der Umgebung, etwa über Quartierfeste, sei man jedoch weniger. Den Garten geniesst aber auch Kater Miro. «Gut haben wir auf der St. Niklausstrasse Tempo 30 und nicht mehr 50», flachst Reto Sperisen – seien doch zuvor zwei Katzen der Familie überfahren worden. Ganz ernst meint er es aber nicht mit dem Tempo-Diktat: Auch mit den vorher erlaubten 50 km/h hätte er gut leben können.

Weniger Freude hatte die junge Familie an der Bauerei nebenan, denn zwei Jahre dauerte es, bis die grosse Villa dort fertiggestellt war. Tempi passati. Eigentlich fehlt Reto Sperisen in seiner grünen Oase nahe der Altstadt nur eines: «Eine richtige Quartierbeiz, wie sie an der Vogelherdstrasse oben die Anwohner mit dem Café de l’Industrie haben.» Der «Sternen» oder das «Pintli» könnten als nächstgelegene Restaurants diese Rolle eben nicht ganz spielen. Aber – wirklich alles kann man auch im schönen Solothurn nicht haben, überwiegen für das Ehepaar die Vorteile ihres Wohnorts bei weitem dieses kleine Manko.