Solothurn
Wo die Szene ist, nützt WC-Putzen wenig

In der Stadt Solothurn gibt es einige öffentliche WCs. Nicht alle sind aber gleich sauber. Ein Besuch im WC am Amthausplatz ist unzumutbar, bei der Reithalle ist es sauber, aber halt weiter weg vom Zentrum.

Wolfgang Wagmann
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Sauber aber eng - WC am Hauptbahnhof
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Öffentliche WC in der Stadt Solothurn
Von aussen gar nicht so schlimm: Diie WCs am Amthausplatz
Innen siehts anders aus: Das WC ist ständig verdreckt.
De luxe: Das WC bei der Reithalle
Das Reithalle-WC ist auch innen proper

Sauber aber eng - WC am Hauptbahnhof

Wolfgang Wagmann

Die englischsprachige Touristin war ganz und gar «not amused», als sie die Tür zum WC am Amthausplatz aufstiess: Schon der Gestank, der ihr entgegenschlug, verriet, was die braunen Spritzer überall zu bedeuten hatten. Im Pissoir hätte sie – offenbar wird dieses dafür bevorzugt – blutige Spritzen gefunden. Alltag im öffentlichen WC am Anthausplatz. «Dort ist halt die Szene, das ist normal», kann Christian Urben, stv. Leiter der Solodaris Wärchstatt Wyssestei, dazu nur sagen.

Von der Stadt habe man den Auftrag, die Anlage täglich, ausser am Sonntag, zu putzen. «Das tun wir jeweils auch, gemäss Vertrag eine Stunde lang.» Was offenbar recht wenig bringt, wie eine Reinigungskraft vor Ort bestätigt. Nach einer Stunde sehe das Örtchen wieder aus wie vorher – völlig verdreckt. Aber, meint sie lakonisch, wenn man die Anlage abschliesse, dann werde einfach die BSU-Haltestelle daneben verschmutzt und zum Urinieren benutzt.

Dank Aufsicht sauber

Keine Probleme mit der Hygiene machen dagegen sowohl Christian Urben wie Stadtschreiber Hansjörg Boll bei der öffentlichen WC-Anlage neben der Reithalle aus. «Sie ist beaufsichtigt, und deshalb ist sie auch sauber», können beide bestätigen – für die Aufsicht und Reinigung dort ist ebenfalls die Solodaris Wärchstatt Wyssestei zuständig. Die Anlage wurde im März 2010 eröffnet und hatte insgesamt eine halbe Million Franken verschlungen. Die Hälfte davon übernahm damals die Baurechtsnehmerin der Reithalle, die Rythalle AG, 100000 Franken hatte die Parking AG beigesteuert, die restlichen 150 000 Franken dagegen die Stadt.

Die Stadt bezahlt jedoch den Unterhalt, ausser die Rythalle AG braucht die Anlage selbst, wie beispielsweise während der HESO. Im Gegenzug kassiert die Stadt aber auch den für jedes erledigte «Geschäft» fälligen Franken – was aber anfänglich nur schlecht befolgt wurde. «Nun haben wir durch bauliche Massnahmen den Überblick für das Aufsichtspersonal verbessert, und die Situation hat sich verbessert», so Hansjörg Boll. Wohl seien damit die Einnahmen gestiegen, genauso wie die Frequenzen – aber man sei noch keineswegs auf dem erwarteten Level angelangt, räumt der Stadtschreiber ein.

Noch keine «nette Toilette»

Boll ist sich auch bewusst, dass die Reithalle ausserhalb des Baseltors wohl für anreisende Car-Besucher ideal, ansonsten aber recht peripher liegt. Da kein zentralerer Standort verfügbar war, erwog man damals auch das Konzept «Nette Toilette» umzusetzen. Gegen eine Beteiligung der Stadt an den Reinigungskosten hätten ausgesuchte Restaurants ihre WCs «public», also öffentlich und nicht nur für Gäste zugänglich machen sollen. Das brauche aber Einzelgespräche mit den Wirten, erklärt Hansjörg Boll, warum man damit noch nicht weitergekommen sei. Und: «Das Ganze ist zwar wichtig, aber es gibt Wichtigeres.»

Und am Hauptbahnhof?

Mit der Umgestaltung der Bahnhofunterführung hatten auch die SBB neue Chromstahl-WC-Nischen in die Unterführungswand eingebaut. Ein Augenschein gestern ergab, dass die Toiletten offenbar sauber sind – ein Benützer meinte jedenfalls lakonisch: «Sie sind einwandfrei und gekostet hat es auch nichts.» Allerdings sind die Boxen ziemlich eng: Eine Dame mit Hündchen und zwei, drei Taschen oder Gepäckstücken musste eines davon in der offen Tür eingeklemmt lassen, um ihr Geschäft verrichten zu können ...Kommentar rechts