Solothurn
Wo die Römer ihren «Bruch» entsorgten

Neben dem Warenhaus Manor in Solothurn buddeln die Archäologen emsig nach neuen Erkenntnissen zur Stadtgeschichte. Und sie wurden fündig. Im kleinen Grabungsperimeter von 180 Quadratmetern kam sogar mehr zum Vorschein als erwartet.

Wolfgang Wagmann
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Grabung im Innenhof des Hauses Gurzelngasse 14 in Solothurn
7 Bilder
Römische Tonscherben finden sich zuhauf
Die wunderschöne Ofenkachel mit der Jarhzahl 1564
Im Vordergrund die mächtigen Fundamente des neuzeitlichen Hauses
Dies könnten die Reste eines römischen Töpferofens sein
Der Sodbrunnen-Schacht vermutlich aus dem 16. Jahrhundert
Grabungsleiter Fabio Tortoli am Rand des Sodbrunnenschachts

Grabung im Innenhof des Hauses Gurzelngasse 14 in Solothurn

Wolfgang Wagmann

Auf der Stadtansicht der Stumpf-Chronik von 1548 steht da, wo wir jetzt sind, ein Baum. 1833 in Altermatts Stadtprospekt erstreckt sich ein Barockgarten im Hinterhof des heutigen Hauses Gurzelngasse 14. Dazwischen liegen knapp drei Jahrhunderte - und darin eingebettet ein Haus, mit dem niemand gerechnet hatte. «Dass hier ein Hausfundament der Neuzeit auftauchen würde, damit haben wir nicht gerechnet. Wir gingen von einer ständigen Hofsituation aus.»

Eine bunte Kachel

Ohnehin kam auf dem kleinen Grabungsperimeter von 180 Quadratmetern mehr zum Vorschein, als das Team der Kantonsarchäologie erwartet hatte. Als «echten Glücksfall» bezeichnet Tortoli eine äusserst bunte Ofenkachel, die sogar die Jahrzahl 1564 ziert. Gehörte sie zum unerwartet aufgetauchten Haus? «Das lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen», so der Grabungsleiter. Zuzuordnen ist dem Haus das wohl im 18. oder 19. Jahrhundert wieder abgerissen wurde, ein Sodbrunnen, dessen runder Schacht noch schön gemauert abzulesen ist und nur noch etwa 3,5 Meter in die Tiefe reicht.

Gabs sogar ein Grubenhaus?

Spannend für Tortoli ist eine spätmittelalterliche Wasserleitung, deren Holzreste sogar noch im diagonalen Verlauf durch den Hof zu erkennen sind. Diese Teuchelleitungen waren nach dem schon zu Römerzeiten bekannten Druckprinzip konstruiert, «das Wasser brauchte also kein Gefälle, um ans Ziel zu gelangen.» Holzreste fand man ansonsten keine, dafür viele Tierknochen, vor allem von Rind, Schaf, Schwein, Ziege, aber auch von Hunden und Kleinnagern.

Aus dem Spätmittelalter stammen auch sonstige Funde wie Schüsseln, Dreibeintöpfe, Lämpchen und Trinkgläser. Spannend ist jedoch für Fabio Tortoli eine eher unscheinbare Grube: Sie könnte auf ein frühmittelalterliches Grubenhaus aus dem 7./8. Jahrhundert hindeuten.

Ehellend sind Unmengen römischer Tonscherben, die konzentriert auf einem Haufen zum Vorschein kommen. «Offenbar wurde hier Ausschussware einer Töpferei entsorgt», deutet Tortoli auf ein erstaunlich feinwandiges Gefässfragment mit Abplatzungen. Vor allem Becher und Schüsseln wurden hier im Vicus Salodurum im ersten und zweiten Jahrhundert n. Chr, produziert, «lokale Formen, übernommen aus Süddeutschland», wie Tortoli ergänzt. Und in der Nähe der erwähnten Grube könnten einige auf den ersten Blick belanglose Reste diejenigen eines römischen Töpferofens sein. «Aber das ist noch nicht gesichert.»

Öffentliche Führung am Donnerstag, 25. Oktober ab 17.15 Uhr (Eingang St. Urbangasse)