Da tanzt der verrückte Bär, die Mafia rockt den Blues und das alles bei üppig rumänischem Bier und Tabak: «Petrus ist heute unser bester Sponsor», freute sich Martin Wagmann vom Organisatorenteam. Die Festbänke im Unteren Winkel und in der Prisongasse waren bis auf den letzten Platz besetzt.

Das Street Music Festival ist so beliebt wegen seiner bunten Mischung exotischer Musik. Bei der 19. Ausgabe lagen die Stilrichtungen noch weiter auseinander als sonst: Die Reise ging mit Johnny Fontane and the Rivals mit Mafia-Blues-Rock von über Sizilien nach Memphis, von dort mit Oso Loco, dem verrückten Bär, über die Dominikanische Republik (Bachata und Cumbia) nach Peru und mit Bere Si Tutun, Bier und Tabak, über den Balkan zurück nach Solothurn.

Rumänische Volksmusik mit vielen Bläsern, zwei Geigen und gewaltigem Schwung, das ist ein Sound, den man am immer erwarten darf. Der melodiöse Cumbia mit dem eingängigen Rhythmus war schon etwas ungewöhnlicher für den Anlass – und verführte zum hüftschwingenden Tanz. Rockiger Blues war dagegen ein absolutes Novum – und wurde vom Publikum extrem gut aufgenommen und mit tosendem Applaus belohnt.

Angenehm fürs Ohr wie noch nie

Dass die Organisatoren in eine moderne Beschallungsanlage investiert hatten, zahlte sich aus: Der Sound war klar, differenziert und so angenehm fürs Ohr wie noch nie. Davon profitierten Zuhörer und Bands. «Es war ein zusammengewürfeltes Publikum und die wenigsten kannten uns», sagte Tom Marcozzi, Sänger und Gitarrist von Johnny Fontane. «Die Leute liessen sich mitreissen und waren begeistert. Das hat auch uns auf der Bühne angesteckt. Es war ein geiler Abend.»

Als der erste Akkord auf der Bühne erklang, hatte sich bereits eine Schlange vor dem Grill gebildet und Ahmet Sazdili vom Restaurant Akropolis arbeitete im Akkord an der Fritteuse. Viele Familien waren da, im geschützten Raum im Unteren Winkel konnten sich die Kinder austoben. Mit der Zeit kamen immer mehr Musikliebhaber und Party-Gänger und während das Publikum langsam wechselte, blieben die Fleischspiesse weiterhin gefragt. Ein gutes Geschäft? «Wir wollen keinen Gewinn machen», erklärt Martin Wagmann. «Wir sind aber froh, wenn wir ein paar Franken als Risikoabsicherung auf die Seite legen können.»

Man mache das aus Liebe zur Stadt Solothurn. Dieses Jahr gabs etwas weniger Stress als sonst, weil die Eigebröi Street Band, also die hauseigene Combo der Organisatoren, nicht selber auftrat. «Es ist ein wenig schade, denn wir spielen sehr gerne an unserem Fest», erklärt Wagmann. «Aber wir waren im vergangenen Jahr zu wenig aktiv und deshalb war es vermutlich besser so.»

Zum Jubiläum des 20. Street Music Festivals schwebt ihm vor, bereits am Freitag mit Eigebröi und einer anderen Band aus der Geburtsstunde des Festivals aufzutreten. «Vorher muss ich aber im Organisationsteam noch etwas Überzeugungsarbeit leisten. Am Samstag möchte ich dann national bekannte Bands auftreten lassen.» Um das Street Music Festival ausnahmsweise auf zwei Tage auszudehnen, würde Martin Wagmann sogar leiden: «Wenn es sein muss, übernachte ich mit dem Schlafsack hier und bewache die Soundanlage.»