Solothurn

Wo die Liebe zur Musik ohne Rost bleibt: Stadtmusik feiert Jubiläum

Die Stadtmusik Solothurn – auch nach 175 Jahren klangvoll und frisch. (Archivaufnahme 2019)

Die Stadtmusik Solothurn – auch nach 175 Jahren klangvoll und frisch. (Archivaufnahme 2019)

Die Stadtmusik Solothurn feiert ihr 175-Jahr-Jubiläum und blickt dabei auf viele musikalische Sternstunden zurück.

Sie hat zwar nicht zwei Jahrtausende auf dem Buckel wie die Stadt Solothurn. Doch mit wackeren 175 Jahren feiert diese Institution dennoch herzhaft mit. Die Stadtmusik, die 1845 mit einem Startbestand von 16 Mitgliedern als «Blechmusik Solothurn» gegründet wurde, hat sich bis heute mit «rostfreier» Liebe zur Musik gehalten. «Wir sind eine der ältesten grossen Musikvereine der Region», sagt Vereinspräsidentin Ursula Tschanz angesichts dieser Tradition. Das Studium und die Ausübung der Instrumentalmusik standen zur Gründung durch den ersten Dirigenten Hans Wiederbauer ebenso im Zentrum wie Freundschaft und Geselligkeit. Was folgte, war eine etappenreiche Vereinsgeschichte der späteren Musikgesellschaft Harmonie Solothurn (ab 1868) und heutigen Stadtmusik Solothurn (ab 1885). Bis vor dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Stadtmusik eine steile Erfolgskurve, die durch die Kriegszeit hindurch einen Abbruch erfuhr.

Wiedergeburt nach dem Zweiten Weltkrieg

Zu den grössten Gönnern der Stadtmusik zählten lange Zeit Wilhelm de Vigier, seines Zeichens auch langjähriger Vereinspräsident, sowie dessen Sohn Bill de Vigier. Nicht zuletzt der zum 100-Jahr-Jubiläum vom damaligen Dirigenten Stephan Jäggi komponierten «Solothurner Marsch» (mit dem melodischen Thema des Solothurner Lieds) verpasste der Formation ab 1945 weiteren Aufwind. Ebenso war es der nachfolgende Dirigent Franz Königshofer, der das Können, mit dem die Stadtmusik vor Kriegsbeginn brilliert hatte, wieder auf Vordermann brachte. Während seine Nachfolger schwierige Zeiten erlebten, trat mit Urs Frikart 1976 wieder eine prägende Gestalt ans Dirigentenpult. Seit 2015 hält Anton Helscher die musikalische Leitung inne – mit merklichen Veränderungen. «Er hat den Verein angespornt, sich wieder mehr an Wettbewerben zu beteiligen», so Tschanz. «2021 sind wir am eidgenössischen Musikfest Interlaken vertreten.» Ebenso legt Helscher vermehrt Wert auf Solo-Einsätze.

Heute musizieren rund 30 Mitglieder, alle Amateure, in der Formation mit. Die Mehrheit ist unter 50 Jahre alt, wobei die Altersspanne bis 87 reicht (siehe Kasten). Ein Schwund ist im «Familienalter» zwischen 30 und 40 feststellbar. Und im jüngeren Alter macht sich der Umstand bemerkbar, dass es kaum Übergänge von der Jugendmusik gibt, «wenn diese nicht vor dem Studium oder der Lehre bereits schon einen Fuss in der Stadtmusik haben», sagt Tschanz. Dabei wäre es das Ziel, die Zusammenarbeit über die bereits gemeinsam abgehaltenen, gelegentlichen Promenadenkonzerte hinaus zu intensivieren. Denn der «Vorrat» begnadeter Nachwuchsmusiker ist dank Jugendmusik und Musikschule ansehnlich.

Aber Tschanz weiss um die Schwierigkeiten, sich als Verein im Meer an Freizeitangeboten zu behaupten. «Die Stadtmusik ist ein zeitintensives Hobby, das erfordert, dass man zu Hause übt.» So stehen rund 70 bis 75 Termine jährlich an, davon 7 bis 8 Konzerte, wobei man im Repertoire Wert auf eine gesunde Mischung zwischen klassischer Blasmusik und Unterhaltungsmusik legt. Immerhin: «In meinem Falle ist die Stadtmusik eine Familiensache. Der eine Sohn spielt wie ich Eufonium, der andere wirkt als Fähnrich mit. Und ihre beiden Freundinnen sind ebenfalls bei der Stadtmusik.» Geprobt wird im vierten Stock der Jugendherberge, wobei man sich den Raum mit Jugendmusik und der Brassband Solothurn teilt, ebenso mit der von der Stadtmusik initiierten Bläserklasse für Erwachsene.

Besonderes Geburtstagsgeschenk für den Verein

Nach einer derart langen Erfolgsgeschichte darf sich die 175-jährige Stadtmusik im Jubeljahr auf ein besonderes «Geburtstagsgeschenk» freuen. So wird eine Auftragskomposition von Thomas Trachsel unter dem Titel «Prélude Soleure» an den Konzerten der Stadtmusik erschallen. Der Komponist schafft eine Verbindung zwischen dem bekannten Solothurner Marsch und «Unser Städtchen», einer weitgehend unbekannten Hymne der Stadt Solothurn.

Das für 5. April geplante Kirchenkonzert mit der Stadtmusik Biel entfällt aus Gründen der aktuell verfügten Einschränkungen. Offen bleibt, ob die restlichen Anlässe im Jubiläumsjahr stattfinden, die da wären: 17. Mai, 15.30 Uhr, Burehof-Konzert mit der MG Flumenthal im Rosegghof; 6. September, 10.30 Uhr, Hafenkonzert mit dem Tambourenverein Solothurn im «Pier 11»; 21. November, 19.30 Uhr, Jubiläumskonzert mit der Civica Filarmonica di Lugano im Konzertsaal. Mehr Infos unter www.stadtmusiksolothurn.ch.

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