Film
Wo das Popcorn in Solothurn absolut verpönt ist

Seit bald 20 Jahren engagiert sich die Zauberlaterne Solothurn in der Medienerziehung und Kulturvermittlung. Dabei entdecken ab Samstag wieder 400 Kinder die Faszination des Films.

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Diesen Samstagnachmittag wird das «Palace» für die Kinder wieder zum «Zauberlaterne-Kino». om

Diesen Samstagnachmittag wird das «Palace» für die Kinder wieder zum «Zauberlaterne-Kino». om

Solothurner Zeitung

Seit bald 20 Jahren engagiert sich die Zauberlaterne Solothurn in der Medienerziehung und Kulturvermittlung. Der Filmklub für Kinder im Primarschulalter will beim jüngsten Kinopublikum die Freude am besonderen (Qualitäts-)Film wecken und ihm die Filmsprache näher bringen.

Begeistert über das Angebot ist auch Romana von Gunten vom Familienunternehmen Cinesol, das jeweils das «Palace» der «Zauberlaterne» zur Verfügung steht. «Wir haben hier seit Jahren ein sehr gut funktionierendes Team und deshalb mit der Organisation fast nichts zu tun. Einzig an den Spielsamstagen müssen wir vor zehn Uhr das Kino geputzt haben und es im Winter beheizen.»

Für die Kinofrau ist Solothurn in Sachen Zauberlaterne «ein Vorzeigemodell». Ein besonderes Kränzchen windet Romana von Gunten den jeweiligen Einführungen vor den Filmen und hier insbesondere Nino Jacusso. «Er erklärt beispielsweise den Kindern, dass im Kino nicht gegessen wird» – denn das Zauberlaterne-Motto lautet: «Kino ist Nahrung für die Augen, Ohren und die Seele.»

Auch für Operateure ein Genuss

Der Filmklub öffnet Kindern und Jugendlichen Augen und Ohren, Seele und Geist für das Medium und Kulturgut Film. Einmal im Monat während des Schuljahres präsentiert die «Zauberlaterne» im «Palace» einen altersgerechten Qualitätsfilm. «Hier werden nur gute Filme in einem guten Rahmen gezeigt», freut sich auch Romana von Gunten über die Tatsache, dass ihr «Palace» für die Kinder jeweils zum «Zauberlaterne-Kino» wird.»

So erlebt das junge Publikum in neuen Vorstellungen eine Reise durch 100 Jahre Filmgeschichte – was übrigens auch die ehrenamtlichen Filmoperateure im «Palace» freue. «Für sie sind die Zauberlaterne-Vorführungen Highlights», weiss von Gunten. Denn die alten Filme mit ihren Klebstellen und der Möglichkeit, jederzeit wieder zu reissen, stellen für die Operateure eine spezielle Herausforderung dar. Genauso aber auch für die Kino-Besitzer, die das Filmmaterial einwandfrei und termingerecht weiter zu liefern haben. «Trotz der Umstellung auf die digitale Abspieltechnik werden wir weiterhin dafür sorgen, dass die alten Filme abgespielt werden können, verspricht Romana von Gunten.

Gut vorbereitet ins Filmvergnügen

Bevor der Film anfängt, geben die Animatoren auf spielerische Weise eine Einführung in den Film. Die Kinder werden auf die Besonderheiten des Films, seine Sprache und Grammatik aufmerksam gemacht. So lernen sie, die Dramaturgie, Montagetechnik sowie analoge und digitale Ton- und Bildbearbeitung zu lesen und den technischen Filmcode zu entschlüsseln. Zudem kommentieren die Animatoren den Film und bereiten das junge Kinopublikum auf traurige oder Furcht einflössende Szenen vor.

Für die Jüngsten ist es ausserdem eine neue Erfahrung, ohne Eltern oder eine erwachsene Begleitperson ins Kino zu gehen. Doch sie fühlen sich gut aufgehoben in der Zauberlaterne: Ihre Betreuung im Saal übernehmen dafür ausgewiesene Erwachsene. 2007 wurde übrigens der Verein Zauberlaterne Solothurn vom Kanton mit dem «Preis für Filmvermittlung» ausgezeichnet.

Günstig und familienfreundlich

Jedes Kind erhält rund zehn Tage vor der Vorstellung eine illustrierte Klubzeitung nach Hause geschickt. Darin wird der nächste Film angekündigt und erklärt. Die Saisonkarte für neun Vorstellungen inklusive Klubzeitung kostet 40 Franken pro Kind, nur noch 30 Franken für das zweite Kind derselben Familie und ist gratis für jedes weitere Kind derselben Familie. Die Eltern sind zwar eingeladen, die erste Vorstellung am 10. September zu besuchen. Sie müssen aber alleine auf dem Balkon Platz nehmen, während die Zauberlaterne-Kinder alle gemeinsam im Parterre den Film und die vorgängige Film-Einführung anschauen.

Nicht nur in der ganzen Schweiz

Die 1992 in Neuenburg gegründete «Zauberlaterne» ist heute an 73 Orten in allen vier Sprachregionen der Schweiz vertreten und zählt 25000 Mitglieder in der ganzen Schweiz. Sie existiert auch in Deutschland, Argentinien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Spanien, Frankreich, Italien, Libanon, Mexiko, Marokko und Senegal. Die Zauberlaterne Solothurn gibt es seit 1993. Rund 400 Kinder aus der Region Solothurn – mit dem Bucheggberg und dem äusseren Wasseramt – haben sich in der letzten Saison als Mitglied im Filmklub eingeschrieben; davon stammt ein Drittel aus der Stadt Solothurn. (ww/rgs)

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