«Ich habe heute das Glück, dass ich nicht mehr viel schreiben muss» kalauert Maja Peter nach ihrer Lesung in der Säulenhalle des Landhauses. Während sie die zweite Morgenstunde des Freitagsprogramms mit einem Blick in den Büroalltag bestreitet, ist es noch ruhig in der Altstadt. Nur aus der Cantina del Vino beschallt das Schweizer Radio die Ufermeile. Giovanni Orelli, jüngster Träger des Grossen Schillerpreises und Hansjörg Schneider werden von Hans Ulrich Probst am Beizentisch befragt. «Hochdeutsch habe ich in der Schule lernen müssen» gibt Orelli diplomatisch zu erkennen. In der Cantina wird jedoch vorwiegend selbstbewusstes Tiefdeutsch zu hören.

Meerschweinchenbombardement

Einige Gassen höher geniesst Franz Hohler von der Bühne die Aussicht auf einen restlos ausverkauften «Kulturm» in der Steinkuppel des Berntors. Das Durchschnittsalter seines Publikums dürfte sich auf zehn Jahre belaufen. Darauf angesprochen, dass der Nachwuchs seiner Leserschaft gesichert sei, schränkt Hohler bescheiden ein: «Wir wollen mal sehen, wenn es denen nicht gefällt, ist der Saal nach einer Viertelstunde wieder leer.»

Ans Verlassen der dunklen Steinkuppel war nicht zu denken. Mit Sprachwitz, bauchrednerischen Einlagen und einer ganz feinen Prise Gesellschaftskritik gibt der Autor Kostproben von Dimensionssprüngen in die Warenwelt und von Hugo, der seinen Vater in den Krieg wünscht, um über Feindesland Schokolade und Meerschweinchen abzuwerfen.

Literarisches und Kulinarisches

Konsumiert wird auf den Festbänken des Klosterplatzes, was der Rucksack der Passanten hergibt, während Gerry Mottis auf dem Podium in italienischer Sprache mit seinen Sätzen nachwürzt. Derweil leisten Michelle Sommer und Alexandra Studer im Restaurant Kreuz Schwerstarbeit bei der Bedienung der illustren Gästeschar, unter anderen Pedro Lenz und Peter Bichsel aber auch Franz Hohler speist - unbehelligt!- an einem der Tische.

Das ist nicht selbstverständlich, wie Serveuse Michelle zu bedenken gibt: «Eben wurde Pedro Lenz von einer sehr begeisterten Dame ziemlich in Beschlag genommen.» Normalerweise werde seitens der Serviertöchter aber kein Eingreifen nötig.

Vielfältiges Programm an den 34. Solothurner Literaturtagen

Vielfältiges Programm an den 34. Solothurner Literaturtagen

Wie erlebt der lokale Buchhandel die Literaturtage? Lucrezia Cadetg, von der Buchhandlung Lüthy empfängt während der Literaturtage eine bibliophilere Käuferschaft: «Sie schauen nicht nur, sie kaufen auch. Es ist die ganze Ambiance, die auch bei weither Gereisten die Lust nach Büchern weckt» ist Cadetg überzeugt.

«Es ist ein interessiertes und engagiertes Publikum» freut sich auch Urs Kaiser vom Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband. Er betont die Bedeutung der Echtheit, mit welcher die Besucher im Stockfinstern ganz dem Wesentlichen, dem Inhalt begegnen.