Gemeinderatswahlen
Wird Solothurn bald eine linke Stadt?

Sieben Parteien mit insgesamt 123 Nominierten werden am 21. Mai um die Gemeinderatssitze in Solothurn buhlen. Die Entwicklung der verschiedenen Parteien ist sehr unterschiedlich: Währen teils die Kandidierenden fehlen, konnte die SP sogar eine komplette 30er-Liste stellen.

Wolfgang Wagmann
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Wer wild bald mitdiskutieren? Am 21. Mai werden in Solothurn neue Gemeinderäte gewählt.

Wer wild bald mitdiskutieren? Am 21. Mai werden in Solothurn neue Gemeinderäte gewählt.

Hanspeter Bärtschi

Sieben Parteien treten mit 123 Personen zu den Gemeinderatswahlen am Sonntag, 21. Mai, an. Mit besonders breiter Brust kommt die SP daher, die ihr Ziel, stärkste Partei zu werden, mit einer kompletten 30er-Liste unterstreicht.

Nicht geschafft hat dieses Ziel die FDP, die mit bisher neun Sitzen stärkste Partei vor der SP mit acht Mandaten ist. Sie legte eine Liste mit insgesamt 25 Namen vor.

Sogar zwei Kandidierende mehr, nämlich 27, meldet die CVP, wobei das Bild durch die Mitkandidatur von BDP-Mitgliedern wie Chris van den Broeke etwas verzerrt wird. Doch will die BDP nicht mit einer eigenen Liste antreten und so «die Mitte stärken», wo die CVP fünf Sitze hält. Vierte grössere Kraft sind die Grünen mit ebenfalls fünf Sitzen, die mit 18 Personen auf ihrer Liste antreten.

«Kleine» räuspern sich

Von den kleineren Parteien brachte die SVP (bisher zwei Sitze) nur eine schmächtige Fünfer-Liste zusammen, die Grünliberalen stellen einen glp-Gemeinderat, der zusammen mit der CVP-Fraktion zusammenarbeitet. Die grünliberale Liste wartet mit immerhin zehn Namen auf, und auch noch acht Kandidierende kann die Evangelische Volkspartei EVP vermelden, die vor vier Jahren gar nicht zu den Gemeinderatswahlen angetreten war.

Insgesamt bewerben sich damit 15 Personen mehr für einen Sitz im Gemeinderat als noch 2013. Und von den insgesamt 123 Kandidatinnen und Kandidaten gehören 23 bereits dem heutigen Gemeinderat an, bei zehn wieder Kandidierenden handelt es sich um heutige Ersatzmitglieder.

Aderlass bei der CVP

Ins Auge sticht vor allem die Rücktritts- und Wegzugwelle bei der CVP. Das langjährige Gemeinderätinnen-Trio Barbara Streit-Kofmehl – auch Vizestadtpräsidentin –, Katharina Leimer Keune und die nach Feldbrunnen weggezogene Susan von Sury müssen ebenso ersetzt werden wie Peter Wyss. Weiterhin dem Rat erhalten bleibt allerdings der jeweils bestgewählte CVP-Kandidat, Ständerat Pirmin Bischof.

Ebenfalls ein «Bundesberner» tritt bei der FDP mit Stadtpräsident Kurt Fluri an, der schon seit den Achtzigerjahren dem Gemeinderat angehört und der Dienstälteste aller Bisherigen ist. Natürlich wird sein Resultat auch ein deutlicher Fingerzeig für das Duell ums Stadtpräsidium am 2. Juli mit der SP-Spitzenkandidatin Franziska Roth.

Die SP muss lediglich die Rücktritte von Sylvia Sollberger und Parteipräsident Claudio Marrari kompensieren, bei den Freisinnigen sind während der Legislaturperiode Yves Derendinger und Bernhard Christen zurückgetreten. Nicht mehr aufstellen liessen sich die Bisherigen Esther Christen-Fröhlicher und Pro-Vorstadt-Präsident Martin Tschumi. Im Gegensatz zum Kantonsrat tritt jedoch der Präsident der Finanzkommission, Beat Käch, nochmals an.

Schwer dürfte dagegen bei der SVP das Nicht-Wiederantreten von Kantonsrat Roberto Conti wiegen, wogegen die Grünen bis auf Mariette Botta alle Bisherigen wieder am Start haben.

Comeback-Versuche alter Cracks

Bei den Grünen hats die ehemalige Poch-Angehörige Marguerite Misteli vorgemacht – sie kehrte nach längerem Auslandsaufenthalt wieder in den Gemeinderat zurück. Ebenfalls einige Jahre pausiert haben bei der SP Klaus Koschmann und Peter Fäh, nun versuchen sie ein Comeback in den Ratssaal.

Dies – und da (dienst)ältere Semester bleiben wollen – führt zu einem Durchschnittsalter der Kandidierenden, das mit 44 Jahren leicht über dem Wert von vor vier Jahren liegt – damals betrug der Durchschnitt 43 Jahre.

Auch ist das Feld mit deutlich mehr Männern besetzt als noch 2013. Damals waren 36 Prozent aller Nominierten Frauen, deren Anteil nun aber auf nur noch 27 Prozent geschrumpft ist. Innerhalb der einzelnen Parteien stechen die Grünen mit 50 Prozent Frauen und jene der Grünliberalen mit nur 10 Prozent Frauenanteil hervor. Auf den anderen vier Listen machen die Frauen zwischen 20 und 30 Prozent aus.

Insgesamt 123 Frauen und Männer kandidieren für sieben Parteien.

SP

Matthias Anderegg, Architekt (bisher); Sibylle Berberat, Buchhalterin; Reiner Bernath, Arzt (bisher); Cedric Branschi, Schüler; Turgut Dagci, Projektleiter Maschinen; Felix Epper, Gewerkschaftssekretär; Peter Fäh, Pensionär; Hermann Fenzel, Hausmann; Lara Frey, Schülerin; Pierric Gärtner, Pflegefachmann; Damjan Gasser, Marketingfachmann; Näder Helmy, Arzt; Fabian Hosner, Primarlehrer; Philippe JeanRichard, Architekt (bisher); Philipp Jenni , Bauingenieur; Konrad Kocher, Student; Klaus Koschmann, Jurist; Katrin Leuenberger, Assistentin Präsident SEV (bisher); Luca Maibach , Schüler; Ruth Meyer Junker, Bildungsspezialistin; Gerd Müller, Web- und Applikationsspezialist IT; Jürg Ottiger, Künstler; Franziska Roth, Heilpädagogin (bisher); Anna Rüefli, Juristin (bisher); Jonathan Sollberger, Kaufmann; Rolf Trechsel, Hotelier; Moira Walter, Studentin; Corinne Widmer, Leiterin Administration (bisher Ersatz); Lea Wormser, Juristin (bisher); Daniel Wüthrich, Sportlehrer (bisher Ersatz).

Grüne

Stefan Buchloh, Produktmanager (bisher Ersatz); Heinz Flück, Lehrer/Schulleiter BVJ (bisher); Melanie Martin, Fachfrau Migration und Gleichstellung (bisher); Marguerite Misteli Schmid, Architektin/Entwicklungsplanerin (bisher); Christian Stampfli, Fachmann Finanz- und Rechnungswesen/Hotelier (bisher Ersatz); Brigit Wyss, Juristin im Umweltbereich (bisher); Christof Schauwecker, Biokontrolleur/Agronom; Laura Gantenbein, Lehrerin; Edita Kordic, Lehrerin für spezielle Förderung; Verena Gügi, pens. Schulische Heilpädagogin; Andreas Burki, Kaufmann, Betreuer/Autor; Melanie Uhlmann, Sozialarbeiterin in Ausbildung; Eva Berger, Journalistin/Kommunikationsverantwortliche; Klaus Dörnenburg, Bauingenieur/Raumplaner; Alice Fähndrich, Soziokulturelle Animatorin; Stephan Flückiger, Ausbildner/Verhaltens- und Managementtrainer; Jeronimo Hergarten, Fachmann Bewegung und Gesundheit; Michael Ogi, Elektroinstallateur.

CVP

Désirée Antonietti von Steiger, Kunsthistorikerin; Jean-Pierre Barras, Arzt (parteilos); Franziska Baschung, Musikerin; Pirmin Bischof, Rechtsanwalt und Notar (bisher); Peter Bohnenblust, Ingenieur Bau und Energie; Meinrad Flück, Controller; Roger Graber, Leiter Anlaufstelle Solothurner Unternehmen; Jasmin Heim, Sozialpädagogin; Konstantin Henzi, Ingenieur; Fabian Kammer, Berufsschullehrer; Lothar Kind, Geschäftsführer; Albert Kolaj, Produktionsleiter; Heinz Kurth, Ingenieur; Roland Kurz, Techniker; Martin Lisibach, Malermeister (bisher Ersatz); Silvia Manganiello, kaufmännische Angestellte; Victoria Maurer Ingenieurin; Gaudenz Oetterli, Journalist/Verkaufsberater (bisher); Oliver Roth, Betriebsleiter; Simon Schnider, Jurist; Peter Stampfli, Unternehmer; Luca Strebel, Projektleiter Strategie CVP Schweiz; Sabrina Stuber (BDP), Lehrerin; Solomon Tesfaye (BDP), Gastronom; Chris Van den Broeke (BDP), Geschäftsführer; Pascal Walter, Fachmann Finanz- und Rechnungswesen (bisher); Sergio Wyniger, Bürgergemeindepräsident (bisher Ersatz).

EVP

Elia Leiser, Geomatiker; Evelyne Arn, Sozialpädagogin; Ueli Leiser, Leiter Administration; David Burkhart, Informatiker;
Richard Hürzeler, Verwalter; Brigitte Baumann, Lehrerin; Jürg Meier, Leiter Verkauf; Patrik Pfister, Software-Entwickler.

GLP

Claudio Hug , Ökonom/Hausmann (bisher); Claude Pahud, Bauingenieur; Markus Knellwolf, Umweltingenieur; Eugen Elgart, Architekt; Julia Späti, Kauffrau/Leiterin Administration; Matthias Schenker,
Leiter Public Affairs (bisher Ersatz); Tobias Schneeberger, Ingenieur; Simon Allemann, Student; Fabian Stüdeli, Controller/Betriebsökonom; Matthias Michel;
Unternehmer Sanitär, Heizung.

SVP

René Käppeli, Ingenieur (bisher); Johannes Kunz, Rentner/Altbotschafter;
Patrick Käppeli, Informatiker; Carsten Thürk, Gipser; Marianne Wyss, kaufmännische Angestellte.

FDP

Susanne Asperger Schläfli, Architektin (bisher); Cornelia Büttler, Marketingleiterin (bisher Ersatz); Philipp Eng, Jus-Student/Nachhilfelehrer; Barbara Feldges, Primarlehrerin; Kurt Fluri, Stadtpräsident (bisher); Nicole Graf, wissenschaftliche Mitarbeiterin/Teilprojektleiterin; Christian Herzog, stv. Geschäftsführer; Markus Jäggi, Bauingenieur (bisher); Tobias Jakob, Rechtsanwalt/Notar; Beat Käch, Ökonom/pensioniert (bisher); Marc Kalousek, Produktionsleiter; Stefan Luder, Jurist; Marco Lupi, Leiter Marketing und Verkauf (bisher); Fabian Maienfisch, Mediensprecher SECO; Andreas Richard, Elektroingenieur; Charlie Schmid, Parteisekretär (bisher Ersatz); Martin Schneider, CEO; Markus Schüpbach, Ingenieur/Geschäftsführer; Manuel Sitter, Bankangestellter; Philipp Stampfli, Maschineningenieur/Student; Kemal Tasdemir, Jurist (bisher Ersatz); Urs Unterlerchner, Chemielaborant/Jurist (bisher); Franziska von Ballmoos, Kauffrau/Reprografin (bisher); Sven Witmer, Zahnarzt; Daniel Wyss, Teamleader.

Listenverbindungen:
SP und Grüne
CVP (mit BDP), EVP und GLP