Präsident des Kunstvereins
«Wir wollen versuchen, neue Formen der Präsentation zu finden»

Arjuna Adhihetty ist Architekt und seit 2011 Präsident des Kunstvereins Solothurns. Nach der kritisierten Jahresausstellung im Kunstmuseum Solothurn spricht er davon, neue Formen der Werkpräsentation zu finden.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Arjuna Adhihetty «käfelet» am Besprechungstisch seines Architekturateliers.

Arjuna Adhihetty «käfelet» am Besprechungstisch seines Architekturateliers.

Fränzi Zwahlen-Saner

Man trifft sich zum morgendlichen Pausenkaffee im Architekturatelier 4A-Architektur an der St.-Urban-Gasse in Solothurn. Arjuna Adhihetty führt gerne durch das grosszügige Atelier, eine Altbauwohnung, modern renoviert. Wir nehmen Platz am Besprechungstisch, an den Wänden hängen Pläne, auf einem Korpus stehen Architekturmodelle. Sofort fällt auf: Adhihetty ist mit dem Neubau des Sikh-Tempels in Däniken beschäftigt. «Ein aussergewöhnlicher Auftrag», gibt der Solothurner zu und er schildert, dass er zum besseren Verständnis der Sikh-Kultur in Indien unterwegs war und dortige Tempel besuchte. Im April wird der Tempel eingeweiht.

Doch wir sprechen zuerst über Kunst. Schliesslich ist Adhihetty seit 2011 Präsident des Kunstvereins Solothurn. Vor Kurzem ist die Jahresausstellung, welche der Kunstverein jeweils im Kunstmuseum Solothurn durchführt, zu Ende gegangen. Mit einigen «Nebengeräuschen», die Adhihetty nicht erwartet hatte. Diverse Solothurner Künstler fanden nämlich, die eingereichten Arbeiten würden zu sehr von aussen her beurteilt. «Heute muss ich sagen, dass diese Diskussion die Arbeit im Kunstverein sehr belebt hat, man kann auch sagen, uns wachgerüttelt hat», so der Präsident.

Seit 30 Jahren werde diese Jahresausstellung mit gleichem Strickmuster durchgeführt. Da sei es klar, dass sich einmal etwas ändern müsste. «Uns im Kunstverein war bewusst, dass die Ausstellung 2014 sehr streng juriert wurde. Wir haben uns schon im Vorfeld darüber unterhalten, welche neuen «Gefässe» wir finden sollten, um unsere regionalen Kunstschaffenden im öffentlichen Raum mehr und besser präsentieren zu können.»

Nach dem Sturm der Entrüstung sei man jetzt mit allen Interessierten und Playern im Gespräch und wolle versuchen, neue Formen der Präsentation zu finden. «Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Schliesslich will ich nicht das Kind mit dem Bade ausschütten».

Niederschwelliger Kunstgenuss

Grundsätzlich laufe die Arbeit mit dem Kunstverein Solothurn sehr gut. «Zwar ist auch unser Verein etwas überaltert, doch immer wieder gelingt es, Leute zwischen 30 und 50 Jahren zu gewinnen. Meine Vorgängerin Roswitha Schild hat gute und attraktive ‹Vehikel› geschaffen, welche die Kunstinteressierten begeistern. Ich kann das alles weiter entwickeln und will vor allem, dass Kunst und die Debatten darüber so niederschwellig wie möglich angeboten werden.»

Die Frage, wie es dazu gekommen ist, dass er selbst sich für Kunst interessiert, überrascht Adhihetty, doch er berichtet: «Ich hatte einen Schulkollegen, dessen Vater ein grosser Kunstsammler war. Das hat mich als Kantischüler sehr begeistert. Und darüber hinaus male und zeichne ich selbst sehr gerne. Wenn ich dann einmal nichts mehr zu tun habe, werde ich auf jeden Fall künstlerisch tätig werden», sagt er schmunzelnd.

Orientierung an Snozzi

Arjuna Adhihetty musste als Maturand zwischen Soziologie und Architektur wählen. «Ich bin froh, dass ich die Architektur gewählt habe, denn diese Tätigkeit beinhaltet eigentlich alle Facetten des Lebens». Nach einem Vorbild befragt, nennt er Luigi Snozzi, bei dem er an der ETH Lausanne Unterricht genossen hatte. «Er ist für mich eine Orientierung. Seine Haltung in der Architektur gefällt mir. ‹Jeder bauliche Eingriff ist Zerstörung. Zerstöre also mit Verstand›, sagt er. Für die formale Architektursprache orientiere ich mich aber eher mit der Deutschschweizer Architektur, wo Bauten in ökologisch sinnvoller Bauweise und mit hohen energetischen Anforderungen realisiert werden.»

Diese Maxime verfolgt er auch bei seinem bisher wohl ungewöhnlichsten Bau, dem eingangs erwähnten Sikhtempel. «Auch dieser wird energetisch sinnvoll realisiert, mit guter Wärmedämmung, Heizung mit Erdsonden-Wärmepumpe und Komfortlüftung. Auch dank der aufgeschlossenen Bauherrschaft.» Doch es gebe noch viel mehr im Leben als Kunst und Architektur, sagt er. «Mich interessieren Freunde, andere Menschen, Tanzen, Meditation, Persönlichkeitsentwicklung, Gruppendynamik.»

Adhihetty ist ein «Zweit-Generatiönler», wie er es nennt. «Meine Mutter stammt aus Wangen a. A. und mein Vater aus Sri Lanka. Sie lernten sich in Cambridge kennen.» Der kleine Arjuna kam als 7-jähriger mit seiner Familie in die Schweiz. «Ich kenne dieses Gefühl, nicht ganz dazuzugehören», erklärt er und fügt an: «Ich bin überzeugt, erst eine dritte Generation fühlt sich in einer neuen Heimat ganz zu Hause.»